Zu Besuch beim Renaissancekavalier Jan Sembera in Bucovice
In der vergangenen Ausgabe der Sendereihe "Reiseland Tschechien" haben wir Sie ins Schloss Bucovice eingeladen, wo vor kurzem die traditionelle Weinverkostung veranstaltet wurde. Dabei haben wir versprochen, die Führung durch die historischen Räumlichkeiten des Schlosses fortzusetzen.
Das im 16. Jahrhundert erbaute Renaissanceschloss Bucovice, das eine Dominante der gleichnamigen Gemeinde darstellt, gehörte einige Jahrhunderte lang der Familie Liechtenstein. Die Liechtensteins wohnten bis 1681 im Schloss. Danach wurde das historische Areal als Verwaltungszentrum genutzt. Nicht alle Änderungen, die im Schloss bei dieser Gelegenheit durchgeführt wurden, waren gerade glücklich, meint der Kastellan des Schlosses, Pavel Ecler:
"In den wertvollsten Räumlichkeiten wurde das Archiv aufbewahrt. Als dort damals das Archiv untergebracht wurde, ließen dort die Liechtensteins die Kamine zumauern und alle Kachelöfen wurden abgerissen. Dies war eine Brandschutzmaßnahme. Leider waren alle diese Öfen angeblich außerordentlich schön. Finanzrat Raffensberg schrieb in seinen Memoiren, dass sie riesengroß und herrlich waren. Als sie auseinander genommen wurden und die einzelnen Kacheln den Bürgern verkauft wurden, konnte man aus einem Schlossofen sogar drei neue Kachelöfen bauen. Einige der Kacheln waren reichlich verziert und waren so groß, dass sich ein Kind hinter einer Kachel verstecken konnte. Soweit aus den Memoiren von Herrn Raffersberg."
Das Kontor befand sich im Schloss bis 1912. Damals ist es Bestandteil des Finanzdirektoriums der Liechtensteins geworden und musste nach Olomouc / Olmütz übersiedeln. Vorher versuchte man zweimal, das Kontor nach Wien zu übertragen. Aber Johann II. von Liechtenstein stellte fest, dass in der Zentrale immer wieder allzu viele Fehler und Ungenauigkeiten auftauchten. Außerdem lagen dort, wie der Kastellan sagte, angeblich Stapel von nicht bearbeiteten Rechnungen."Denn in der Hauptstadt gab es allzu viele Gelegenheiten, wo sich die Beamten amüsieren konnten und demzufolge ihre Aufgaben vernachlässigten. Der Versuch mit dem Umzug des Kontors ist gescheitert. Nach einem Jahr kehrte das Kontor wieder nach Bucovice zurück. Die Zahl der nicht bearbeiteten Quittungen war niedriger geworden. Und alles war wieder in Ordnung."
Während der Ersten Republik hatte immer noch die Verwaltung ihren Sitz im Schloss. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss verstaatlicht. Das Archiv der Liechtensteins wurde Ende der fünfziger Jahre nach Brno / Brünn und später nach Kunstat überführt. Im Schloss wurde zunächst ein Museum eingerichtet. Bis 1989 hatte die Generaldirektion einer großen Möbelfabrik im Schloss seinen Sitz.
Nachdem die Liechtensteins das Schloss nur noch als Verwaltungssitz genutzt hatten, hatten sie keinen Grund mehr, eine der wertvollen Einrichtungen im Schloss zu lassen. Die Mehrheit der Möbel wurde damals in die Schlösser Lednice / Eisgrub und Valtice / Feldsberg transportiert. Jedoch schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es in Bucovice nur noch einen Teil der ursprünglichen Schlosseinrichtung. Denn während des Dreißigjährigen Kriegs versuchten die Schlossbesitzer, die wertvollsten Sachen in Sicherheit zu bringen. Auch in Bucovice wurde damals gekämpft. Der Kastellan erinnert an ein wichtiges Ereignis aus dieser Zeit:"Im Jahre 1645 wurde das Schloss von schwedischen Truppen belagert. Es waren Söldner, die damals Brno / Brünn belagert hatte. Etwa 400 Soldaten begaben sich aus Brno Richtung Uherske Hradiste. Diese Stadt wollten sie überfallen, um Proviant für Torstensons Armee zu besorgen. Als sie an Bucovice vorbei ritten, fiel es ihnen ein, dass sie da auch sich selbst versorgen könnten. Die Schweden haben das Schloss überfallen. Im Schloss war kein Militär stationiert, für die Verteidigung sorgten nur einige Beamten und Jäger. Es ist fast ein Wunder, dass es ihnen gelang, das Schloss zu verteidigen. Es wird behauptet, dass die Verteidiger von Bucovice dem Feind sogar große Verluste verursacht hätten. Von den 400 schwedischen Söldnern sind angeblich 200 ums Leben gekommen. Dies kommt mir übertrieben vor, aber so wird es erzählt."
Aus Wut darüber, dass sie das Schloss nicht erobert hatten, haben die Söldner die Stadt Bucovice in Brand gesteckt. Zwei Drittel der Häuser brannten nieder oder waren so beschädigt, dass sie abgerissen werden mussten. Obwohl die Schlossbesitzer der Stadt finanziell stark geholfen hatten, hatte es fast ein Jahrhundert gedauert, bis sich die Gemeinde von dieser Katastrophe erholt hatte, sagt Pavel Ecler."Dies war der Preis dafür, dass das Schloss verteidigt wurde. Andererseits kann man sagen, dass damit die Stadt Uherske Hradiste gerettet wurde. Denn dort wären die Schäden bedeutend größer gewesen. Wahrscheinlich haben die Schlossverteidiger auch ein wenig zum Sieg über die Schweden bei Brno beigetragen. Denn diese Söldner hatten keine Lebensmittel für die Torstenson-Armee gebracht."
Es gibt mehrere gute Gründe dafür, das Schloss Bucovice zu besuchen, sagt sein Kastellan. Erstens wegen der Architektur: Es wird behauptet, dass der Arkadenhof des Schlosses einer der schönsten italienischen Renaissanceschlosshöfe außerhalb von Italien ist. Die Säle sind mit Stukkatur und herrlichen Wandgemälden verziert.
"Wir bemühten uns das, Schloss entsprechend dem Inventar aus dem Jahr 1637 auszustatten. Dieser Zeit entsprechende Möbel haben wir ausgeliehen und installiert. Bei der Besichtigung des Schlosses kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie die einzelnen Räumlichkeiten genutzt wurden. Wir zeigen einerseits die Gemächer der Schlossbesitzer. Vor drei Jahren haben wir hier zudem ein Forstamt installiert als ein Beispiel aus der Beamtenepoche des Schlosses."
Das Schloss ist von zahlreichen Legenden umwoben. Die meisten sind mit der Persönlichkeit des Begründers Jan Sembera Cernohorsky von Boskovice verbunden. Er war ein echter Renaissancekavalier, sagt der Kastellan:
"Er war ein hoch gebildeter Mann, aber ein Hitzkopf. Sembera war ein großer Kunstliebhaber, deswegen ließ er ein so prunkvolles Schloss erbauen. Er liebte Pferde, war ein hervorragender Reiter und nicht zuletzt war er ein sehr guter Fechter. Im Duell in Brno tötete er Zikmund Praksicky ze Zastrizl. Alle hatten es Sembera übel genommen, weil er als ein ausgezeichneter Fechter das Leben seines Gegners auch hätte schonen können."
Der Bruder des unglücklichen Duellanten hatte Sembera beim Gericht angeklagt. Der Gerichtstreit schien endlos zu sein, und Semberas Stellung war nicht die allerbeste. Aber der Kläger Jindrich ze Zastrizl wurde unweit seines Herrensitzes in Buchlov tot gefunden. Angeblich hat ihn sein eigener Förster erstochen. Es wurde aber der Verdacht ausgesprochen, dass hinter dem Verbrechen Sembera oder Jindrichs schöne Gattin standen, von der bekannt war, dass sie einen geheimen Geliebten hatte. Viele Legenden sind mit dem Bau des Schlosses in Bucovice verbunden. Eine von ihnen behauptet, dass Jan Sembera seinen noblen Sitz ursprünglich nicht im Tal, sondern oben auf dem Hügel über der Stadt bauen wollte. Die Maurer begannen mit den Baufundamenten, aber als sie am nächsten Tag zur Baustelle kamen, war alles, was sie bisher erbaut hatten, vernichtet. Sembera ließ den Bau zwar in der Nacht überwachen, aber es stellte sich heraus, dass der Bau immer vom Teufel abgerissen wurde. So ließ Sembera das Schloss unten im Tal auf einem Sumpfgelände errichten. Aber nicht einmal dort gelang es, den Bau zu beenden. Er fiel immer auseinander, und niemand wusste, warum, erzählt Pavel Ecler.
"Einmal ging ein Pilger vorbei, der aus dem Heiligen Land zurückkehrte. Er behauptete, er wisse, warum der Bau immer zerfällt. In den Fundamenten eines solchen Gebäudes muss ein guter Mensch eingemauert werden, sagte der Pilger. Jan Sembera kam auf eine Teufelsidee: Der Pilger muss bestimmt ein guter Mensch sein. Er ließ den Pilger festnehmen und in die Baufundamente einmauern. Der Bau wurde danach beendet und im Tal entstand dieses herrliche Schloss. Sembera wurde für seine bösen Taten angeblich vom Teufel verfolgt. Sembera gelang es in den Keller zu flüchten. Und es begann eine Jagd, bei der der Teufel den Adeligen in den Schlossgängen zu fangen versuchte. In einem der Türme hatte Sembera keine Möglichkeit mehr weiter zu rennen, so blieb er stehen, fasste den Teufel und schmiss ihn so stark gegen die Wand, dass das Blut ausspritzte. Der blutige Fleck ist auf der Mauer bis heute sichtbar. Aber nur ein guter Mensch kann ihn sehen, dem bösen gelingt es nicht."








