„Zwischen Hochzeit und Begräbnis“ - Tschechien im Viertelfinale der Eishockey-WM

Foto: ČTK

Das tschechische Team hat bei der Eishockey-WM in Weißrussland das Viertelfinale erreicht und dort ein Duell mit Russland vermieden. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Die Schützlinge von Trainer Vladimír Růžička haben bisher noch nicht überzeugt.

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Die Bilanz der tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM ist bisher sehr durchwachsen: Vier Siegen stehen drei Niederlagen gegenüber. Das letzte Vorrundenspiel am Dienstagabend war beispielhaft für die derzeitigen Probleme des Teams. Gegen den Überraschungs-Viertelfinalisten Frankreich lag Tschechien nach 19 Minuten bereits mit 0:3 zurück, schoss dann vier Tore in Folge, musste aber noch den Ausgleich hinnehmen. Die Entscheidung zum 5:4-Sieg fiel in Overtime durch Verteidiger Jan Kolář. Trotz der Moral, die sein Team nach einem schnellen Drei-Tore-Rückstand bewiesen hatte, war Trainer Vladimír Růžička aufgebracht:

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„Das zieht sich schon durch die ganze WM: Phasenweise agieren wir gut, dann geben wir das Spiel wieder her. Wir pendeln zwischen Hochzeit und Begräbnis. Leider fangen wir uns in den schlechten Phasen immer Tore ein. Und in den guten Phasen treffen wir für meinen Geschmack zu selten. Wenn man die Chancen nimmt, hätte das Spiel gegen Frankreich 8:4 ausgehen müssen.“

Tatsächlich hat Tschechien alle bisherigen Spiele bis auf eines entweder um ein Tor gewonnen oder verloren. Zweimal siegte das Team dabei in Overtime und zweimal verlor es im Penalty-Schießen.

Tomáš Rolinek (Mitte). Foto: ČTK
Der Sieg gegen Frankreich war aber auch in seiner knappen Form wichtig. Tschechien ist damit dem Turnierfavoriten Russland als Gegner im Viertelfinale ausgewichen. Als Dritter der Gruppe A trifft das Team nun auf den Zweiten der Gruppe B – und das sind die USA. Mannschaftskapitän Tomáš Rolinek gab sich am Dienstag noch zurückhaltend in seinen Äußerungen, was ihn und seine Mitspieler im Kampf um den Halbfinaleinzug erwarten könnte.

„Ich habe die Amerikaner hier noch nicht spielen sehen und kenne nur ihre Ergebnisse. Sicher werden sie viel auf dem Eis unterwegs sein, das ist hier aber jede Mannschaft. Und sie sind natürlich Kämpferherzen. Wir müssen unseren tschechischen Spielwitz einbringen, aber vor allem müssen wir zurückfighten, uns aufopfern. Dann sind unsere Chancen groß“, so Rolinek.

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Auch die Amerikaner haben bisher nicht restlos überzeugt. Zwar fertigten sie Gastgeber Weißrussland zum Auftakt mit 6:1 ab, unterlagen aber Russland mit demselben beziehungsweise umgedrehten Ergebnis. Auch gegen Lettland verloren sie, und Deutschland haben sie nur knapp besiegt.

Der tschechische Nationaltrainer Růžička denkt aber vor allem an das Spiel seiner eigenen Mannschaft. Und er hegt dabei so seine Befürchtungen:

„Jeder Spieler muss die Aufgaben erfüllen, die festgelegt wurden. Und das nicht erst in den letzten drei Minuten, sondern von Anfang an. Wir müssen einfach die Pucks besser entlang der Bande spielen und mehr auf den Gegner gehen. Mir scheint es, als ob wir zu sehr abwarten. Es gibt aber nichts abzuwarten.“

Vladimír Růžička (Foto: ČTK)
Vladimír Růžička hat den gesamten Mittwoch, um seine Spieler auf das Viertelfinale gegen die USA einzustellen.

„Ich glaube fest daran, dass sich die Spieler die Dinge bewusst machen. Sonst werden wir nicht bestehen können. Sich in die eigene Tasche zu lügen, lohnt nicht. Und ich werde sicher auch nicht um den heißen Brei herumreden“, sagte Růžička.

Ob der tschechische Trainer dann auch die richtigen Worte gefunden hat, das wird sich am Donnerstagnachmittag ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit zeigen.

Autor: Till Janzer
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