Abschied für Vladimír Šmicer – und für eine ganze Fußballergeneration

Vladimír Šmicer (Foto: ČTK)

Pavel Nedvěd, Pavel Kuka, Patrik Berger, Karel Poborský– diese und weitere ehemalige Topspieler standen am Dienstagabend noch einmal gemeinsam auf dem Fußballrasen. Es war das Abschiedsspiel für ihren jahrelangen Mitstreiter Vladimír Šmicer. Der 36-Jährige, der zuletzt bei Slavia Prag spielte, hat in dieser Saison seine aktive Karriere beendet. Ihm zu Ehren trat ein Allstar-Team von Slavia Prag gegen ein Allstar-Team den Lokalrivalen Sparta Prag an. Auf diese Weise wurde auch eine ganze tschechische Fußballer-Generation verabschiedet.

Pavel Nedvěd und Vladimír Šmicer  (Foto: ČTK)
Die Liste seiner Erfolge ist lang: tschechischer Meister, französischer Meister, Champions-League-Sieger, EM-Silbermedaillengewinner 1996, und, und, und. Vladimír Šmicer hat in seiner aktiven Karriere als Fußballspieler viel erreicht. Der Stadionsprecher zählte die Titel auf, den Rest wussten die Fans selbst zu ergänzen:

„Vladimír Šmicer hat vor allem mit Herz gespielt, er war ein großer Kämpfer. Bei vielen heutigen Fußballern spielt hingegen Geld eine große Rolle. Man muss Šmicer einfach dafür danken, was er für Slavia und den tschechischen Fußball geleistet hat“, so ein älterer Mann.

Vladimír Šmicer in seinem Abschiedsspiel  (Foto: ČTK)
Viel Nostalgie also bei den über 15.000 Zuschauern, die in das Stadion von Slavia gekommen waren. Sie sahen, wie das ewige Derby zwischen Slavia und Sparta diesmal schiedlich-friedlich 6:6 endete. Den Schlusspunkt durfte Vladimir Šmicers sechsjähriger Sohn Jiří setzen. Die anderen Akteure ließen ihn bis in den Sparta-Strafraum durchmaschieren, wo der Knirps den Ball an Torhüter Kouba zum Endstand einschob.

Vladimír Šmicer und Josef Masopust  (Foto: ČTK)
Ansonsten waren beide Teams mit jeder Menge Stars aus den letzten Jahren gespickt - wie Pavel Nedvěd, Karel Poborský oder dem ehemaligen Bundesligaspieler Pavel Kuka. Kaum einer von ihnen hat einen Abschied wie Šmicer bekommen, deswegen galt die Veranstaltung auch irgendwie ihnen. Beispiel Ivo Ulich, der 2008 im Dress von Dynamo Dresden seine aktive Karriere ausklingen ließ und früher bei Borussia Mönchengladbach spielte:

„Es war heute ein Supertag nicht nur für mich, sondern vor allem für die Zuschauer, für Vladimír Šmicer und auch für den tschechischen Fußball. Ich kenne das aus Deutschland, da ist das normal, aber bei uns leider nicht. Er ist eigentlich der einzige Spieler, der ein Abschiedsspiel erhalten hat.“

Weil es damit keine Tradition in Tschechien gibt, war Vladimír Šmicer anfangs skeptisch über die Idee gewesen. Nach dem Spiel klang er aber hochzufrieden:

Vladimír Šmicer  (Foto: ČTK)
„Als wir im Februar über ein solches Spiel nachdachten, wollte ich eigentlich nicht so richtig. Ich habe nicht geglaubt, dass es klappt. Aber die Atmosphäre war fantastisch und Patrik Berger oder Pavel Nedvěd zum Beispiel noch einmal bei ihren Fernschüssen zu sehen, steht für sich. Die Jungs haben gezeigt, auf welchem Niveau sich der tschechische Fußball in den vergangenen 15 Jahren befunden hat. Die Qualität war zu sehen, auch wenn wir älter geworden sind.“

Vladimír Šmicer hat im Übrigen seine Berufung nach der aktiven Karriere bereits gefunden: Er ist Manager der tschechischen Fußballnationalmannschaft.

Autor: Till Janzer
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