Abschied nach zwölf Jahren: Tschechische KFOR-Soldaten ziehen ab

Foto: ČTK

Mehr als 8000 tschechische Soldaten haben sich in den vergangenen zwölf Jahren bei der KFOR-Friedenstruppe im Kosovo abgelöst. In der ehemaligen serbischen Provinz waren die tschechischen Militärs seit 1999 stationiert. Am Dienstag wurde die Mission des tschechischen KFOR-Kontingents im Kosovo offiziell beendet.

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„Camp Šajk“ nennen es seine Bewohner, die tschechischen KFOR-Soldaten. Der Militärstützpunkt Šajkovac im Nordosten des Kosovo ist der einzige rein tschechische Stützpunkt im Ausland. Vor einigen Jahren waren dort noch rund 500 Soldaten stationiert. Heutzutage bewohnen knapp 200 Soldaten das „Camp Šajk“. Sie haben die einzige Aufgabe, den Stützpunkt abzubauen.

„Wir müssen das Gelände wieder in den ursprünglichen Zustand bringen. Das Grundstück werden wir seinen Besitzern übergeben“, sagt Befehlshaber Jan Žárský.

Tschechische KFOR-Soldaten (Foto: ČTK)
Die Militärtechnik wird in den kommenden Tagen nach Tschechien zurück transportiert. Bis Ende Oktober soll der Stützpunkt vollständig demontiert und aufgehoben werden. Auf dem Gelände wird nur noch das Wasserwerk stehen bleiben, das die unweit gelegene Stadt mit Trinkwasser versorgt.

Der ehemalige Generalstabschef der Tschechischen Armee, General Jiří Šedivý, war in den 1990er Jahren Befehlshaber der tschechischen IFOR-Truppen in Bosnien. Er kennt die Situation auf dem Balkan sehr gut:

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„Ich meine, dass die tschechische Armee in den vergangenen Jahren zur Beruhigung der Lage auf dem Balkan beigetragen hat. Daher ist es jetzt möglich, Probleme vor Ort zu lösen; wenn auch nicht mit demokratischen, so aber wenigstens mit normalen menschlichen Mitteln. Für die Sicherheit der nationalen Minderheiten haben die tschechischen Soldaten sehr viel getan. Dies gilt vor allem für die serbische Minderheit im Norden des Kosovo.“

General Šedivý zufolge spielte die Verwandtschaft des Tschechischen zu den slawischen Sprachen und die tschechische Mentalität beim Einsatz auf dem Balkan eine wichtige Rolle.

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„Unsere Soldaten waren imstande, sich auch ohne Dolmetscher zu verständigen. Dies war ein Vorteil. Andererseits aber erhofften sich die Angehörigen der beiden Völker, unter denen wir tätig waren, nicht selten, dass wir gerade ihrem Volk gegenüber großzügiger sein könnten. Unsere Soldaten haben sich aber sehr strikt an den Normen gehalten. Darum haben wir sehr schnell Respekt gewonnen.“

Die Worte seines Vorgängers im Amt bestätigte am Dienstag auch der jetzige Generalstabschef der Tschechischen Armee, Vlastimil Picek. Nach der feierlichen Zeremonie zur Beendigung der Mission in Šajkovac zog Picek Bilanz:

Erhard Bühler und Vlastimil Picek (Foto: ČTK)
„Es war hier eine hervorragende Erfahrung für unsere Soldaten. Jetzt muss sich nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Eulex-Mission, also die Rechtsstaatlichkeitsmission der EU im Kosovo darum kümmern, dass die Selbstverwaltungsorgane im Kosovo ihre Arbeit entsprechend machen. Ich hatte die Möglichkeit, mit dem Kommandeur der KFOR-Friedenstruppe, General Bühler zu sprechen. Er hat die tschechischen Soldaten sehr gelobt. Ich glaube, dass die Tschechische Republik hier einen guten Eindruck hinterlässt. Wir beenden zwar die Tätigkeit des tschechischen KFOR-Kontingents in Šajkovac, aber schon im nächsten Jahr sollen 15 tschechische Offiziere im KFOR-Hauptquartier in Pristina tätig sein.“

Die Tschechische Armee nahm seit 1992 an allen internationalen Missionen auf dem Balkan teil. In Kroatien, in Bosnien und Herzegowina und im Kosovo sind während der zurückliegenden 19 Jahre 13 tschechische Soldaten ums Leben gekommen.