„Ärzte ohne Grenzen“ testen Schlangen-App eines tschechischen Tüftlers

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Jedes Jahr kommen bis zu 140.000 Menschen in der Welt um, weil sie von einer Schlange gebissen werden. Weitere 400.000 Opfer solcher Attacken kämpfen später mit bleibenden Schäden. Die „Ärzte ohne Grenzen“ haben deswegen eine Kampagne gestartet, um die Zahl der Schlangenbisse zu reduzieren und die Folgen zu mildern. Dabei soll auch eine App helfen, die der tschechische Uni-Doktorand Lukáš Picek mitentwickelt hat.

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Lukáš Picek (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Schlangenbisse betreffen vor allem arme Menschen südlich der Sahara und in Südostasien. Es sind häufig Bauern, die barfuß unterwegs sind. Auch ein Biss, der nicht tödlich ist, kann fatale Folgen haben: so unter anderem eine Erblindung, eine Amputation oder traumatische Belastungsstörungen.

Deswegen hat Lukáš Picek zusammen mit seinem Businesspartner Miroslav Valan von der Universität in Stockholm eine App entwickelt. Picek ist Doktorand im Fach „Angewandte Wissenschaft“ an der Westböhmischen Universität in Plzeň / Pilsen und erläutert:

„Das Ziel der App ist vor allem, die Zahl der Todesfälle und der fatalen Folgen von Schlangenbissen zu reduzieren. Gerade in den Ländern der Dritten Welt, und besonders in Afrika und Asien, kommt es jährlich zu mehreren Hunderttausend solchen Vorfällen. Zugleich wenden wir uns aber auch an die interessierte Öffentlichkeit. Das heißt, wenn man irgendwohin einen Ausflug macht und auf eine Schlange trifft, kann man sie mit unserer App bestimmen.“

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Picek und Valan haben die App im Rahmen eines Wettbewerbs entwickelt. Der Hintergrund ist ein Vorstoß der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO setzte 2017 Schlangenbisse auf die Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten. Und in diesem Jahr schrieb das „Institute of Global Health“ (Institut für globale Gesundheit) in Genf daher einen Wettbewerb aus. Es ging darum, Software-Lösungen zu entwickeln, um Medizinern beim Kampf gegen die Schlangenbisse zu helfen. Dabei siegten Picek und Valan mit ihrer Erfindung.

Die beiden Wissenschaftler haben schon vorher zusammengearbeitet. Unter anderem haben sie dabei eine App zur Erkennung von Pilzen entwickelt. Und jetzt also die Schlangenerkennung.

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„Wenn man die App heruntergeladen hat, reicht es, die betreffende Schlange zu fotografieren. So erfährt man, ob die Schlange giftig ist oder nicht. Zugleich werden verwandte Arten angezeigt. Das heißt, man kann ihr Aussehen vergleichen. Dadurch lässt sich feststellen, ob Verwechslungen einer Giftschlange mit einer ungiftigen Art oder andersherum möglich sind. Der Nutzer ist also dann informiert, ob ihm eventuell Gefahr droht“, so Lukáš Picek.

Laut dem Tüftler erkennt die App derzeit rund 800 Schlangenarten weltweit. Und in neun von zehn Fällen seien die Treffer korrekt…

„Der Nutzer erfährt innerhalb von Sekundenbruchteilen, um welche Schlange es sich handelt. Und nach einer gewissen Zeit bestätigt dann ein Schlangen-Experte, ob es sich tatsächlich um die betreffende Schlange gehandelt hat oder eventuell um eine andere.“

Allerdings ist die praktische Anwendung davon abhängig, dass man auch tatsächlich ein Bild von der Schlange schießen kann. Einem Bauern in Afrika, der in der Dunkelheit von seinem Feld nach Hause geht und gebissen wird, dürfte das kaum helfen. Nichtsdestotrotz haben die „Ärzte ohne Grenzen“ nun begonnen, die App zu testen. Und Picek sagt, er wolle die Erfindung noch weiter verbessern:

„In Indien etwa gibt es vier Arten von Schlangen, die am häufigsten miteinander verwechselt werden oder die die meisten Bisse verursachen. Das heißt, in einer zweiten Phase soll das System für solche konkreten Regionen und für bestimmte Anwendungsmöglichkeiten angepasst werden.“