AKW Temelín trotz Protesten seit zehn Jahren im offiziellen Vollbetrieb

Bau des Atomkraftwerks Temelín (Foto: Archiv ČEZ)

Es ist vielleicht das kontroverseste Bauobjekt aus der Nachwendezeit in Tschechien: das Atomkraftwerk Temelín. Vor exakt zehn Jahren wurde der Bau amtlich abgenommen, das Werk ist seitdem ein wichtiger Pfeiler der tschechischen Energiepolitik. Daran konnten auch zahlreiche Proteste von Umweltschützern, besonders aus Österreich, nichts ändern.

Bau des Atomkraftwerks Temelín (Foto: Archiv ČEZ)
Die Entscheidung zum Bau des Atomkraftwerks Temelín fiel schon zu kommunistischen Zeiten. Der entsprechende Beschluss der tschechoslowakischen Regierung stammt von 1980. Bauleiter František Poukar erläuterte damals im Rundfunk:

„Hier in Temelín stehen wir vor einem riesigen Berg an Arbeit, die wir verrichten müssen, um unsere Hauptaufgabe zu erfüllen. Diese Aufgabe besteht darin, dass wir den ersten Reaktorblock des Kraftwerks mit einer Leistung von 1000 Megawatt bis 1992 erbauen und zum Probebetrieb führen müssen.“

Seit November 1989, als die politische Wende vollzogen wurde, meldeten sich dann aber wiederholt Umweltschützer kritisch zu Wort. Und auch einige Ökonomen hegten Zweifel an der Notwendigkeit des Baues. Die tschechische Regierung von Václav Klaus bestätigte 1993 indes, dass zwei der ursprünglich geplanten vier Reaktoren fertiggestellt werden. Der damalige Premier Klaus:

AKW Temelín (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Die Analysen bestätigen, dass der Bau des Atomkraftwerks Temelín die vorteilhafteste Variante ist für den Ersatz der Kohlekraftwerke, deren Betriebsdauer ausläuft. Das wird sowohl aus technischer wie auch ökonomischer und ökologischer Sicht belegt. Die Regierung billigt daher die Fertigstellung des Kraftwerks und eine Inbetriebnahme der beiden Blöcke in den Jahren 1996/97.“

Der erste Block ging allerdings erst im Dezember 2000 ans Netz, der zweite folgte gut zwei Jahre später. Das war die Zeit des Probebetriebs, in der beide Reaktoren indes schon mit voller Leistung arbeiteten. Dies wurde von Bürgerbewegungen scharf kritisiert, und Umweltschützer aus Österreich sahen darin gar eine Verletzung des Melker Protokolls. In dem 2001 geschlossenen Abkommen haben die Regierungen Tschechiens und Österreichs die Bedingungen für einen Dauerbetrieb Temelíns formuliert. Die amtliche Bauabnahme des Meilers erfolgte erst fünf Jahre später, am 3. November 2006. Dazu erklärte seinerzeit die Leiterin der tschechischen Atomaufsichtsbehörde, Dana Drábová:

Dana Drábová (Foto: Jana Trpišovská, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Mit der Bauabnahme wird eine ganze Serie an rechtlichen Schritten abgeschlossen. Und sie ist der Beginn der ersten Wegstrecke, an deren Ende das Kraftwerk seine Betriebserlaubnis nach dem Atomgesetz erneuern muss. Das ist in zehn Jahren.“

Die zehn Jahre sind um, die tschechischen Regierungen aber haben nie einen Zweifel daran gelassen, dass das ältere Atomkraftwerk Dukovany und eben das Werk in Temelín für sie auch weiterhin oberste Priorität haben bei der strategischen Energieversorgung des Landes. Beide Kraftwerke sind sogar verpflichtet, sich einen Vorrat an Brennstäben anzulegen, um möglichen Engpässen bei der Belieferung vorzubeugen. Temelín hat Vorräte für zwei Jahre, in Dukovany strebt man eine Reserve für drei Jahre an. Das begrüßt auch Dana Drábová:

AKW Temelín (Foto: Archiv ČEZ)
„Sich einen größeren Vorrat zu schaffen ist ein guter Schritt zur Gewährleistung der Energiesicherheit.“

Die Atomkraftgegner sehen das naturgemäß etwas anders. Pavel Vlček ist Mitglied der Bürgerinitiative zum Umweltschutz:

„Durch den größeren Vorrat an Brennstäben werden wir natürlich auch abhängiger von der Atomenergie.“

Genau das gilt auf politischer Ebene nicht als Problem. Im Gegenteil, die Atomkraft ist weiter dominierend im tschechischen Energiemix. Seit der Netzzuschaltung seines ersten Reaktors im Jahr 2000 hat allein Temelín 190 Millionen Megawattstunden an elektrischer Energie erzeugt. Diese Menge reicht aus, um ganz Tschechien zwei Jahre lang mit Strom zu versorgen.