Anhaltend hohe Inflation belastet immer mehr tschechische Familien

Die Inflationsrate liegt in Tschechien weiterhin hoch. Dass die Phase der Teuerung so lange anhält, belastet zusehends die Menschen hierzulande. Immer mehr Haushalte mit niedrigen Einkommen haben am Ende des Monats ein Minus stehen, und bei jenen mit mittleren Einkommen schwinden die Ersparnisse. Dies geht aus der neuesten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts PAQ Research für ein Projekt des Tschechischen Rundfunks hervor.

Foto: Michaela Danelová,  Tschechischer Rundfunk

Im Februar lag die Inflationsrate in Tschechien bei 16,7 Prozent. Damit bewegt sich die Teuerung hierzulande bereits seit 13 Monaten im zweistelligen Bereich. Die Folgen der anhaltend hohen Inflation seien schwerwiegender als etwa eine kurzfristige Delle in der Konjunktur oder ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit, sagt der Soziologe Daniel Prokop:

„Diese Inflationsraten führen zu existenziellen Problemen bei Menschen mit niedrigen Einkommen und fressen die Ersparnisse der Mittelschicht auf“, so der Leiter des Meinungsforschungsinstituts PAQ Research.

Daniel Prokop | Foto: Khalil Baalbaki,  Tschechischer Rundfunk

Das Institut hat nun erneut 1600 Menschen in Tschechien zu ihrer Lage befragt. Die Erhebung erfolgte im Rahmen des Projekts „Česko: Život ke nezplacení“ (Tschechien: Unbezahlbares Leben), das der Tschechische Rundfunk zusammen mit PAQ Research betreibt.

Mit dem Projekt wurde bereits im Herbst 2021 begonnen. Damals gaben 26 Prozent der Befragten an, dass die Inflation ihre Ersparnisse angreife. Bei der Umfrage im Februar dieses Jahres sagten dies bereits 37 Prozent. Als Ersparnisse wurden Rücklagen in der Höhe von mindestens drei Monatslöhnen definiert. Die Probleme angesichts der Teuerung würden also weit in die Mittelschicht hineinragen, so Prokop:

„Diese Schicht ist durch die Inflation gleich doppelt geschädigt. Zum einen können die Menschen nicht mehr so viel im Monat zurücklegen, also zum Beispiel nur noch 5000 anstatt 10.000 Kronen. Und zum anderen senkt die Teuerungsrate den Realwert der Ersparnisse ab, die die Menschen aber nicht wieder auffüllen können.“

Illustrativesfoto: Stuart Miles,  FreeDigitalPhotos.net

Noch schlimmer wirken sich die anhaltend hohen Inflationsraten aber natürlich auf Haushalte mit niedrigen Einkommen aus. Dabei geht es um Familien mit Einkünften, die unter dem Median des Bruttoeinkommens aller Haushalte in Tschechien liegen. Laut dem Statistikamt betrug der Median zu Ende vergangenen Jahres 37.500 Kronen (knapp 1570 Euro). Familien mit Einkünften unter dieser Grenze konnten im Herbst 2021 noch 2900 Kronen (121 Euro) pro Monat zurücklegen. Mittlerweile sind sie aber ins Minus gerutscht. So fehlen ihnen am Ende des Monats im Schnitt rund 900 Kronen (37,60 Euro).

„Diese Familien müssen häufig an ihre Ersparnisse gehen, oder sie sind auf Hilfe von anderen angewiesen. Zum Beispiel leihen sie sich Geld bei Freunden oder Verwandten. Das Problem ist meist, dass ihre Löhne nicht ausreichend an die Inflation angepasst wurden“, erläutert Eliška Dvořáková von PAQ Research.

Im Februar rutschte die Inflationsrate in Tschechien immerhin schon leicht unter den Wert vom Januar. Und sie soll auch weiter sinken. Die große Erleichterung sei allerdings noch nicht in Sicht, sagt Jakub Seidler. Er ist der Hauptökonom der tschechischen Banken-Assoziation (ČBA):

„Allgemein wird derzeit angenommen, dass die Inflationsraten ab der Mitte des Jahres wieder einstellig sein werden. Dennoch gilt, dass die Rate für das gesamte Jahr bei über zehn Prozent liegen wird. Dies ist für eine ganze Reihe an Haushalten natürlich eine negative Entwicklung.“

Autoren: Till Janzer , Aneta Nevšímalová
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