Arbeit ist anderswo - Ausstellung über Arbeitsmigranten im Prager Hauptbahnhof

Foto: Barbara Schick

Die Europäische Kommission hat das Jahr 2006 zum "Jahr der Mobilität der Arbeitnehmer" erklärt. Ziel soll sein, einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen, wie nützlich und sinnvoll eine Berufstätigkeit im Ausland sein kann. Arbeitsmigration kann aber auch mit großen persönlichen Umstellungsprozessen für den jeweiligen Arbeitnehmer verbunden sein - das zeigt die Ausstellung "Arbeit ist anderswo", initiiert vom Multikulturellen Zentrum Prag.

"Was bedeutet eigentlich diese Mobilität für die Menschen, die mobil sind? Was sind die positiven Seiten, was die negativen und was sind möglicherweise auch die Barrieren, die Mobilität verhindern oder auch erschweren?."

Projektleiter Jakob Hurrle vom Multikulturellen Zentrum Prag über die Fragen, an denen sich sein Team bei der Ausstellungskonzeption orientiert hat. 16 Einzelschicksale werden in der Ausstellung abgebildet. Jeweils ein Fotograf und ein Journalist haben über mehrere Monate 16 Migranten aus Europa begleitet - in ihrem Heimatland und an ihrem neuen Arbeitsort. Auch Tschechien entwickelt sich in den vergangenen Jahren zunehmend zur Drehscheibe für Arbeitsmigranten - wohingegen tschechische Arbeitnehmer nach wie vor wenig mobil sind, daran hat auch der Beitritt zur Europäischen Union kaum etwas geändert. Als Zielland ist Tschechien in letzter Zeit besonders für ukrainische Billiglohnkräfte attraktiv - auch darüber erzählt die Ausstellung "Arbeit ist anderswo". Jakob Hurrle:

"Da ist zum Beispiel die Geschichte der Ukrainerin Ludmila, die eigentlich eine sehr lange Migrationsgeschichte hat. Begonnen hat sie in Russland. Groß geworden ist Ludmila in der Ukraine, hat dann einige Zeit in arabischen Ländern verbracht und sagt von sich selbst, die Tschechische Republik ist ihr drittes Zuhause. In der Grundaussage eine positive Aussage, würde ich sagen, obwohl es gleichzeitig auch ein sehr sehr schweres Schicksal ist. Aber eine sehr faszinierend optimistische Frau gleichzeitig."

Laut offizieller Statistik leben in Tschechien etwa 2,5 Prozent Ausländer. Diese Zahl spiegle aber die Realität nur äußerst unzureichend wider, betont Hurrle:

"Weil sehr viele Menschen eben auch Pendler sind, z.B. aus der Ukraine, die in die Statistik nicht unbedingt als Arbeitskräfte einfließen, sondern offiziell Geschäftsreisende oder Touristen sind. Andererseits, wenn man die Situation mit westeuropäischen Ländern vergleicht, ist die absolute Zahl der Migranten hier doch viel viel geringer."

Die Ausstellung "Arbeit ist anderswo" ist noch bis zum 21. Dezember im Vestibül des Prager Hauptbahnhofs zu besichtigen. Vom 1.-31. März 2007 dann in Berlin (U-Bf. Alexanderplatz). Danach wandert sie nach Leipzig, Ostrava/Ostrau und in weitere tschechische Städte.

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