Archäologen: Velké Meziříčí ist früher entstanden als bisher gedacht, Erstbesiedlung in Steinzeit
Archäologen haben im mährischen Velké Meziříčí neue Funde gemacht. Sie ermöglichen nun, die Entstehung der Stadt auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zu datieren. Zudem sind die Experten davon überzeugt, dass an diesem Ort in Westmähren schon vor einigen Jahrtausenden Menschen gelebt haben.
Das historische Stadtzentrum von Velké Meziříčí wird derzeit restauriert. Daher haben Archäologen die Möglichkeit, die Umgebung der Nikolauskirche sowie einiger Straßen in der Nähe gründlich zu erforschen. Dabei haben sie neue Erkenntnisse über die ältere Geschichte der Stadt am Zusammenfluss von Oslava und Balinka gesammelt. Der Archäologe Šimon Kochan beschrieb die entsprechenden Funde in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Wir haben hier Keramik ausgegraben, die von Anfang des 13. Jahrhunderts stammt. Es gibt jedoch auch Funde, die höchstwahrscheinlich aus der Altsteinzeit oder dem Mittelpaläolithikum stammen.“
Und sein Kollege Milan Vokáč ergänzt:
„Wir befinden uns in einer Gegend, die bestens für eine Besiedlung geeignet war, und zwar auf dem Gebiet zwischen den Flüssen Oslava und Balinka. Wir konnten Gegenstände finden, die im Rahmen der ganzen Region einzigartig sind. Dank dieser Artefakte haben wir Belege dafür, dass bereits in der Steinzeit hier dauerhaft Menschen gelebt haben.“
Interessante Funde gibt es jedoch auch aus dem Mittelalter. Rund um die Kirche wurden damals Menschen begraben. Menschliche Überreste seien auch außerhalb der Kirchenmauer entdeckt worden, sagt Šimon Kochan.
„Wir verfügen über Beweise dafür, dass es sich in diesem Fall um Menschen handelte, die hingerichtet wurden. Bei einem der Skelette war der Kopf abgetrennt und wurde nahe den Füßen platziert. Erhalten sind der Unterkiefer und einige Halswirbel. Nach Untersuchungen von Anthropologen muss es sich um eine Enthauptung gehandelt haben.“
Am Ort, an dem die sterblichen Überreste der Hingerichteten gefunden wurden, habe sich früher ein kleiner Bau quadratischer Form befunden, beschreibt Archäologe Kochan.
„Wir denken, es könnte sich um ein Podium oder ein Schafott gehandelt haben.“
Den Archäologen helfen mehrere Freiwillige bei den Grabungen in der Umgebung der Kirche. Einer von ihnen ist Stanislav. Er zeigt ein Keramikfragment, auf dem eine gelbe Verzierung zu erkennen ist.
„Das war eine Schüssel oder ein Teller. Wir haben mehrere solche Fragmente gefunden. Ich stamme aus Velké Meziříčí und interessiere mich sehr für die Geschichte meiner Heimatstadt. Aus dem Grund habe ich mich den Archäologen angeschlossen.“
Zu den interessantesten Funden gehört den Archäologen zufolge zweifelsohne eine Steinaxt aus der Jungsteinzeit. Im Mittelalter wurde diese als sogenannter „Donnerkeil“ angesehen. Die Menschen glaubten damals, dass die Axt von einem Blitz getroffen worden war. Und sie waren davon überzeugt, dass der Blitz nicht ein zweites Mal denselben Ort treffen könne. Aus diesem Grund wurden ähnliche Steinäxte laut den Experten als Schutz vor Blitz und Gewitter genutzt.
Sobald die Forschungen im Stadtzentrum beendet seien, beginne erst die weitere Arbeit, sagt Milan Vokáč:
„Wir werden fleißig in den Labors und am Computer arbeiten. Dabei suchen wir nach Analogien und vergleichen unsere Funde mit anderen.“
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