Aufarbeitung der Vergangenheit, Böhmerwald und Servicezuschläge für Ausländer

Böhmerwald (Foto: Archiv Radio Prag)

Wieder sind zwei Wochen vergangen. Wieder ist es Zeit für das Hörerforum. Diesmal senden wir wieder viele Reaktionen und Meinungen zu aktuellen Themen, über die wir berichtet haben. Dabei geht es unter anderem um die Zukunft des Nationalparks Böhmerwald sowie um die Servicezuschlägen, die ausländischen Gästen in Prager Restaurants berechnet werden.

Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer, willkommen bei Ihrer Sendung auf Radio Prag, willkommen zu einer neuen Ausgabe des Hörerforums. Hierzulande hat die zweite Hälfte der Ferienzeit begonnen, wir sind also bereits im August, und da ist es die höchste Zeit, Ihnen eine neue Quizfrage zu stellen. Die Frage für den August lautet:

Vor 100 Jahren entstand die erste Tschechoslowakische Legion, eine unabhängige Militärtruppe, die zum Kampf um einen eigenen Staat der Tschechen und Slowaken beitrug. In welchen Ländern bestanden während des Ersten Weltkrieges solche Legionen?

Schreiben Sie uns Ihre Antworten an cr@radio.cz. Wenn Sie die Frage richtig beantworten und dazu noch Glück haben und ausgelost werden, dann können Sie bei uns einen Sachpreis gewinnen, nämlich ein T-Shirt. Dies ist im Juli unserer Hörerin Petra Kugler aus Ottenau gelungen: Sie hat uns den Namen Sarah Bernhard richtig geschrieben. Das ist nämlich jene Schauspielerin, nach der wir gesucht haben. Für Sarah Bernhardt hat der tschechische Jugendstilmaler Alfons Mucha Reklamebilder gemalt. Also herzlichen Glückwunsch, Frau Kugler!

Ausstellung über Zwangsarbeiter aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (Foto: Martina Schneibergová)
Und nun kommen Sie zu Wort, liebe Hörerinnen und Hörer. Heinz Günter Hessenbruch aus Remscheid hat unsere Sendung am 24. Juli gehört. In den Nachrichten haben wir über die Debatten zur Rückgabe des nach 1948 von Kommunisten beschlagnahmten Kircheneigentums berichtet. In der Sendereihe Forum Gesellschaft ging es dann um eine neue Ausstellung und das Entschädigungsprogramm für Zwangsarbeiter aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Herr Hessenbruch stellt dazu fest:

„Werte Damen und Herren, gerne habe ich heute Ihre Sendung gehört und bin sicher, dass es zur Aufarbeitung unserer Vergangenheit noch viel zu tun gibt - wenn es möglich ist und es einen Sinn hat, dann sollte eine Wiedergutmachung stattfinden.“

Böhmerwald (Foto: Barbora Kmentová)
Unserem Hörer Joachim Verhees aus Krefeld liegt der Naturschutz am Herzen. Er schreibt:

„Sehr geehrte Damen und Herren, Ihr Artikel über den Protest von Gemeinden im Böhmerwald hat mich veranlasst, Ihnen kurz meine Meinung zu übermitteln. Es wäre ein großer Schaden für die Natur, sollten die betreffenden Gemeinden Erfolg haben. Diese einmalige Landschaft sollte nicht durch profitgeile Kurzzeitdenkende noch mehr der Natur und den nachfolgenden Generationen entzogen werden. Deshalb bitte ich, bei den maßgebenden Personen, Gremien, Parteien und Behörden einzuwirken beziehungsweise sie darauf aufmerksam zu machen, dieses einmalige Naturdenkmal zu schützen und zu erhalten. Wer ist eigentlich am Schutz des Böhmerwaldes auf deutscher Seite beteiligt? Ich würde entsprechend dort auch meine Sorgen äußern wollen.“

Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: Archiv Radio Prag)
Da können Sie sich wohl an die Leitung des Nationalparks Bayerischer Wald wenden, Herr Verhees. Allerdings handelt es sich dabei nur um einen Kooperationspartner für den Nationalpark Böhmerwald, der wahrscheinlich kaum etwas wesentlich bewirken kann. Vielleicht erfahren Sie dort aber mehr. Die Nationalparks Tschechiens sind übrigens zurzeit ein stark diskutiertes Thema. Die Regierung will eine neue allgemeine Regelung über alle vier Nationalparks Tschechiens ausarbeiten. In der vergangenen Woche hat sie ein Sondergesetz eben für den Böhmerwald abgelehnt, das von einer Gruppe von Senatoren vorgelegt wurde.

‚Russia24‘ (Foto: Archiv Russia24)
Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus hat uns diesmal einen recht ausführlichen und interessanten Bericht zugeschickt. Wie er anmerkt, sei er in der ersten Julihälfte viel unterwegs gewesen und habe kaum Zeit für sein Hobby gehabt. Und weiter schreibt Lutz Winkler:

„Im Juni hatte ich eine Reise nach St. Petersburg und im Juli eine Reise nach Budapest zu absolvieren. Beide Reisen haben – neben der Arbeit – auch viele Eindrücke mit sich gebracht, so dass ich diese erst einmal verarbeiten muss. Ich habe aber gerade bei der Reise nach Russland eine Erfahrung machen müssen, die mich durchaus nachdenklich gestimmt hat: Durch die politischen Spannungen und die pro-russischen nationalen Stimmungen waren selbst in großen Hotels keine deutschen Fernseh- und Radiosender verfügbar. Auch ‚Euronews‘ als Nachrichtenkanal war nicht mehr im Angebot. Auf allen Fernsehern im Hotel lief ‚Russia24‘ als Programm. Und so stand ich mit meinem Kurzwellenradio am Hotelfenster und habe versucht, Kurzwelle zu hören. Leider gibt es auch keine ‚Deutsche Welle‘ mehr, aber Gott sei Dank deutsche Programme aus dem Ausland, was aber in der Stadt, mit den Störungen und mit der Zeitverschiebung, mehr schlecht als recht funktionierte. Zwar gab es in den Restaurants immer mal wieder einen Internetzugang – aber im Notfall werden diese sicher abgeschaltet. In dieser Situation ist mir der Wert der Kurzwellensendungen und der Nachrichten in deutscher Sprache klar geworden.“

Budapest (Foto: Ludovic Lepeltier, Free Domain)
Herr Winkler reagiert des Weiteren auf einen Bericht aus unserem Programm und stellt ihn mit seinen eigenen Erfahrungen in Zusammenhang:

„Den Bericht über den Servicezuschlag für ausländische Touristen fand ich sehr interessant, Ähnliches kann ich aus Budapest berichten. Was wollen die Gastwirte damit erreichen? Sie verprellen doch eher die Gäste damit. Ich weiß nun genau, welche Gaststätte in Budapest ich bei meinem nächsten Besuch auf jeden Fall meiden werde. Und so ähnlich wird es den Gaststätten in Prag auch ergehen. Noch schlimmer finde ich allerdings den negativen Ruf, der sich auch auf die ehrlichen Gaststätten auswirken wird. Das ist also nicht gerade ein strategisches Marketingdenken.“

Franz Kafka
Und auch mit zwei Beiträgen aus dem Bereich Kultur haben wir das Interesse unseres Hörers geweckt:

„Im Kultursalon wurde in den letzten Wochen über zwei Böhmen gesprochen, die auch über die Landesgrenzen bekannt sind: Bedřich Smetana und Franz Kafka. Die Informationen über den gesundheitlichen Zustand von Bedřich Smetana fand ich ja teilweise schon erschütternd. Menschen mit Schmerzen, die noch künstlerisch aktiv sind – meine Hochachtung vor der wunderschönen Musik von Smetana ist nach diesem Beitrag gestiegen. Die Prager und Franz Kafka sind wohl ein ganz spezielles Kapitel. Interessant und neu war dabei für mich, wie Kafka während des Sozialismus behandelt wurde: Erst als westliche Touristen danach fragten, reagierte man auf diese Nachfrage. Nun ist Kafka ja ein schwieriger Zeitgenosse, die Werke sind nicht leicht zu lesen und zu verstehen. Ich werde mich nun auch mal an seine Erzählungen heranwagen. Sie haben mich mit Ihrem Bericht neugierig gemacht.“

Foto: Stuart Miles, FreeDigitalPhotos.net
Und mit diesen Worten möchten wir uns verabschieden. Wir hoffen, auch viele weitere Hörerinnen und Hörer mit unseren Themen und Berichten neugierig zu machen. Und wir warten auf Ihre Zuschriften unter der Adresse: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Elektronisch schreiben können Sie uns an deutsch@radio.cz. Auf Wiederhören in zwei Wochen.