Automarkt in Tschechien: höhere Emissionslimits, aber nur wenig Elektromobilität

Foto: Matt Boitor, Unsplash / CC0

Die Autohersteller haben kein leichtes Jahr hinter sich. Wegen Corona ist ihre Produktion den Schätzungen nach in Tschechien um ein Fünftel gesunken. Das bedeutet Gewinneinbußen. Und zugleich mussten sie sich an die Umweltauflagen anpassen, die im Januar 2020 in Kraft getreten sind. Gemeint ist der sogenannte Flottenverbrauch, also der durchschnittliche CO2-Ausstoß je verkauftem Pkw. Können die Autobauer diese Limits nicht einhalten, drohen hohe Strafen. Wie sieht die Lage daher für 2021 aus?

Martin Peleška  (Foto: YouTube Kanal PVA EXPO PRAHA)

Autos sollen im Schnitt immer weniger CO2 hinausblasen. Das ist das Ziel der EU. Deswegen hat Brüssel den Flottenverbrauch der Hersteller limitiert. Für die verkauften Neuwagen besteht seit einem Jahr eine Obergrenze von 95 Gramm CO2 je Kilometer. Die Autohersteller sind schon jetzt am Kämpfen, obwohl 2021 eine weitere Verschärfung in Kraft tritt. Martin Peleška leitet den Verband der tschechischen Auto-Importeure:

„Nicht nur dass die Verschärfung kommt, sondern schon die bestehenden Limits haben einen starken Einfluss auf das Verhalten der Pkw-Hersteller. Wie gut sie auf die neuen Anforderungen reagieren können, hängt von ihrer Fähigkeit ab, saubere Technologien zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.“

Foto: Archiv Škoda Auto

Das bedeutet vor allem, die Elektromobilität voranzutreiben. In diesem Jahr wurde der durchschnittliche Flottenverbrauch nur von 95 Prozent der verkauften Autos berechnet. Ab kommendem Jahr bildet dann der gesamte Verkauf die Grundlage, die größten CO2-Schleudern wie etwa SUVs können also nicht herausgerechnet werden. Aber ausgerechnet der wichtigste Hersteller hierzulande hinkt bereits den Vorgaben hinterher. Das ist die VW-Tochter Škoda.

„Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr die vorgegebenen CO2-Ziele nicht erfüllen. Wegen der unerwarteten Folgen der Corona-Pandemie hat sich die Markteinführung unserer Elektroautos in den einzelnen Ländern verzögert“, so Škoda-Sprecherin Martina Gilichová in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Foto: Waldemar Brandt,  Unsplash,  CC0

Wer die Vorgaben nicht einhält, der wird von der EU teils empfindlich zur Kasse gebeten. Auf dem tschechischen Markt werden immer noch wenig Elektroautos verkauft. Der Anteil lag dieses Jahr bei rund einem Prozent aller Neuzulassungen. Die Hersteller müssen also die Anschaffung solcher Modelle attraktiver machen. Doch ein Wagen mit Elektroantrieb ist weiterhin deutlich teurer als einer mit Verbrennungsmotor. Petr Knap ist beim Unternehmensberater Ernst & Young in Tschechien der Experte für den Automobilmarkt. Er denkt, dass die Hersteller ihre Preispolitik ändern dürften:

Petr Knap  (Foto: Archiv Ernst & Young)

„Und zwar in der Weise, dass die Preise für Verbrenner-Fahrzeuge dann steigen. Schließlich tragen die Hersteller das Risiko der Strafen, wenn sie ihre Pkw mit gängigem Motor nicht mit einem Null-Emissionsprodukt aufwiegen können. Auf der anderen Seite bedeutet dies, dass die Elektro-Wagen relativ billiger werden könnten.“

In einem sind sich Hersteller und Marktbeobachter dabei einig: Ohne staatliche Hilfe wird es nicht gehen. So zum Beispiel beim Bau von Ladestationen, ohne die der Umstieg auf die Elektromobilität nicht vorankommen kann. Derzeit stehen in Tschechien rund 700 dieser Stationen. Das reiche aber längst nicht aus, sagt der Genschäftsführer des tschechischen Verbandes der Automobilindustrie, Zdeněk Petzl:

Zdeněk Petzl  (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Wir brauchen einen deutlichen Anstieg, sodass wir bis 2030 bei 30.000 Ladestationen liegen. Für das Förderprogramm sind in nächster Zeit mindestens vier Milliarden Kronen nötig, damit sich die Firmen melden können.“

Vier Milliarden Kronen sind umgerechnet über 150 Millionen Euro. Zudem fordert die hiesige Automobilindustrie auch endlich steuerliche Erleichterungen. Anders als in vielen alten EU-Ländern unterstützt Tschechien nämlich bisher nicht in solcher Weise die Elektromobilität.