Barockschloss mit außergewöhnlichem Landschaftspark: Krásný Dvůr

Krásný Dvůr / Schönhof (Foto: Martina Schneibergová)

Krásný Dvůr / Schönhof heißt ein Barockschloss in der gleichnamigen Gemeinde, die etwa 20 Kilometer südwestlich von Žatec / Saaz liegt. Die Residenz hat mehrere Jahrhunderte der berühmten böhmischen Adelsfamilie Černín von Chudenice gehört. Ihr großer englischer Landschaftspark gehört zu den ältesten in Tschechien. Auch Goethe war fasziniert von ihm. Auf dem höchsten Hügel im Park steht ein einzigartiger neugotischer Tempel. Am vergangenen Dienstag wurde er nach einer gründlichen Sanierung feierlich wiedereröffnet.

Krásný Dvůr / Schönhof (Foto: Martina Schneibergová)
Die Gemeinde Krásný Dvůr hat rund 700 Einwohner. Ihre größte Sehenswürdigkeit ist ein Barockschloss. Von der Bushaltestelle führt ein markierter Weg durch die Bäume hinauf, an einigen Wirtschaftsgebäuden vorbei geht es bis zum Parkplatz. Dann betritt man durch ein Tor den Ehrenhof, von dem zwei Treppenhäuser in die Residenz führen. Ursprünglich habe an diesem Ort eine Festung gestanden, erzählt Michaela Hofmanová. Sie ist Kastellanin des Schlosses.

„Diese Festung wurde in der Renaissancezeit umgebaut. Es war aber nur ein Herrenhaus von regionaler Bedeutung. Erst nachdem die Familie Černín (deutsch Czernin, Anm. d. Red.) das Schlösschen 1649 kaufte, hat sich vieles geändert. Die ganze Herrschaft blühte auf, weil Heřman Černín (Hermann Graf Czernin, Anm. d. Red.) sehr gut wirtschaftete. Anfang des 18. Jahrhunderts entschied sich František Josef Černín, das Haus in ein Jagdschloss umzuwandeln.

František Maxmilián Kaňka
Mit dem Umbau beauftragte er den Prager Architekten František Maxmilián Kaňka. Dieser baute für Černín ein repräsentatives Schloss. Zudem wurde hier ein Wildgehege errichtet. Das Schloss wurde vor allem für Parforcejagden genutzt.“

Auch Černíns Gattin teilte die Vorliebe ihres Mannes für die Parforcejagd. Als Mitgift bekam sie ein Hunderudel. Im Schloss gab es damals einige Hundezwinger. Die Černíns ließen ihre Hunde sogar porträtieren. Deswegen befindet sich im Schloss heute eine Sammlung von 40 Hundeporträts mit Namen der abgebildeten Vierbeiner.

Zierbauten im Park und Piano Nobile

Ein weiterer Schlossbesitzer, der in die Geschichte von Krásný Dvůr eingegangen ist, war Jan Rudolf Černín. Er ließ das Wildgehege in einen herrlichen englischen Park umwandeln. Michaela Hofmanová:

Jan Rudolf Černín
„Jan Rudolf Černín hat sich persönlich an der Gestaltung des Landschaftsparks beteiligt. Der neugotische Tempel ist eigentlich sein Werk. Denn er wollte unbedingt einen Aussichtsturm im Park haben. Zudem wurden kleine Zierbauten errichtet, darunter ein Obelisk, ein Lusthaus oder der Pan-Tempel. Die Architekten haben sich von antiken, ägyptischen oder klassizistischen Bauten inspirieren lassen.“

Familie Černín gehörte das Schloss bis zum Zweiten Weltkrieg. Danach konfiszierte der tschechoslowakische Staat die Barockresidenz und stellte sie unter anderem dem Landwirtschaftsministerium zur Verfügung. Erst ab den 1960er Jahren kümmerte sich eine sogenannte „staatliche Kulturkommission“ um die Sehenswürdigkeit. Aus der Kulturkommission ist das staatliche Denkmalschutzamt hervorgegangen, das das Schlossareal bis heute verwaltet. 2001 wurde das Schloss mit dem Landschaftspark zum nationalen Kulturdenkmal erhoben. Heutzutage seien insgesamt 18 Schlosszimmer für die Öffentlichkeit geöffnet, erzählt Michaela Hofmanová:

„Die Besucher können praktisch das ganze Piano Nobile, also die erste Etage, besichtigen. Die Führung beginnt im Schlafzimmer der Damen. Durch das Hauptgebäude, in dem viele wertvolle Gemälde und Porzellan zu sehen sind, geht es in den anderen Schlosslügel. Dort können die Besucher demnächst auch ein Badezimmer für die Herren bewundern. Dieses ließ František Černín in den 1920er Jahren einrichten. Er war der letzte Besitzer der Herrschaft, der im Schloss auch gelebt hat.“

Die Goethe-Eiche

Der neugotische Tempel im ursprünglichen Zustand (Foto: CC BY-SA 3.0)
Nicht nur die Barockresidenz ist einen Besuch wert, sondern vor allem auch der Park. Er gehöre zu den ältesten englischen Landschaftsparks in Tschechien, sagt Markéta Šantrůčková. Sie arbeitet im Silva-Tarouca-Institut für Landschaft und Ziergärtnerei in Průhonice bei Prag.

„Der Park ist auch deswegen interessant, weil er sehr gut erhalten ist. Er befindet sich bis heute praktisch in demselben Zustand wie um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, als er errichtet wurde. Viele andere Parks sind später umgestaltet worden, er aber nicht. Die dortigen Bauten sind ebenfalls meist erhalten, weil sie aus festem Material wie Holz und vor allem Stein erbaut wurden. Das heißt, der Zahn der Zeit hat kaum an den Bauten genagt. Der Park wurde anstelle des früheren Wildgeheges angelegt. Zu dem Zeitpunkt standen dort bereits viele Bäume. Heute gibt es dort noch viele sehr alte Eichen. Unweit des Schlosses steht der Stumpf einer einige Jahrhunderte alten Eiche. Sie wird Goethe-Eiche genannt. Angeblich hat Johann Wolfgang Goethe während seiner Besuche in Krásný Dvůr oft unter der Eiche gesessen.“

Černíns Aussichtsturm

Kastellanin Michaela Hofmanová und Karel Schwarzenberg (Foto: Martina Schneibergová)
Mit Musik wurden die Besucher am vergangenen Dienstag im Eingangssaal des Schlosses begrüßt. Der Grund war die feierliche Eröffnung des restaurierten neugotischen Tempels. Vom Schloss bis zum Tempel braucht man zu Fuß etwa 20 bis 30 Minuten. Der Weg schlängelt sich unter den uralten Eichen am Chinesischen Pavillon vorbei bis zur höchst gelegenen Stelle. Der einzigartige Bau mit Spitzbögen und einer steinernen Wendeltreppe steht auf der sogenannten „Großen Wiese“. 2014 wurde begonnen, den Tempel instand zu setzen. Kastellanin Michaela Hofmanová:

„Es handelt sich um ein wirklich spezielles Bauwerk, denn es war der erste neugotische Bau in Böhmen und zudem der erste Aussichtsturm. Als er 1793 errichtet wurde, fand dies große Beachtung. Deswegen haben wir uns intensiv um seine Instandsetzung gekümmert. Wir werden aber noch weitere Sehenswürdigkeiten im Schlossareal sanieren und den Park zunehmend verschönern. Auch im Schlossgebäude setzen wir die Restaurierung fort.“

Den neugotischen Tempel ließ der Begründer des Parks, Jan Rudolf Černín, erbauen. Er soll sich selbst am Entwurf beteiligt haben. Von Anfang an diente der Tempel als Aussichtsturm. Später wurde in dem Gebäude eine Statue des erfolgreichen Feldmarschalls Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg aufgestellt. Er war der Oberbefehlshaber der verbündeten Streitkräfte gegen Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 gewesen. Die Sandsteinskulptur des Feldmarschalls hat der Bildhauer Emanuel Max im 1847 geschaffen. Auch die Skulptur wurde jetzt restauriert.

Denkmal für Feldmarschall Schwarzenberg

Feldmarschall Karl Philipp zu Schwarzenberg... (Foto: Martina Schneibergová)
Auch der ehemalige Außenminister und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Abgeordnetenhaus, Karel Schwarzenberg (Top 09), nahm an der feierlichen Eröffnung des neugotischen Tempels teil. Mit viel Interesse sah er sich die frisch restaurierte Statue eines seiner Vorfahren sowie das ganze Baudenkmal an. Nach der Besichtigung sagte Schwarzenberg:

„Es war für mich sehr beeindruckend, wie schön es restauriert wurde. Denn es ist wirklich ein hoch interessanter Bau, der erste neugotische Bau in den Böhmischen Ländern überhaupt. Er diente auch als Andenken an den Feldmarschall Karl Philipp Schwarzenberg, den Sieger über Napoleon. Im unglücklichen 20. Jahrhundert war der Bau weitgehend zerstört, auch die Skulptur war schwer beschädigt. Ich muss sagen, dass bei der Restaurierung hervorragende Arbeit geleistet wurde. Der Tempel ist wieder wunderbar hergerichtet, die Statue wieder aufgestellt. Es ist wieder wirklich sehr schön.“

Die Statue des Feldmarschalls steht in der Mitte des Tempels. Drumherum ist eine Ausstellung über die Landschaftsparks zu sehen. Die Restauratoren haben sich besonders um die farbigen Bleiglasfenster gekümmert, durch die das Licht in die Halle fällt.

Lob und Geld aus Norwegen

Siri Ellen Sletner und Karel Schwarzenberg (Foto: Martina Schneibergová)
Die Restaurierung des Tempels hat mehr als 20 Millionen Kronen (741.000 Euro) gekostet. Sie wurde aus den sogenannten Norway Grants finanziert. Unter den Gästen bei der feierlichen Eröffnung des Baudenkmals war auch die norwegische Botschafterin in Tschechien, Siri Ellen Sletner. Sie sei tief beeindruckt, sagte sie nach der Besichtigung des restaurierten Tempels.

„Ich glaube, dass die Restauratoren und weitere Mitarbeiter eine phantastische Arbeit bei der Sanierung des Tempels geleistet haben. Dies überrascht mich aber nicht, weil wir wissen, dass die tschechischen Handwerker in diesem Bereich zu den besten in Europa gehören. Für uns ist es ein phantastisches Gefühl, zu sehen, dass die norwegischen finanziellen Mittel so gut genutzt wurden.“

Schloss Krásný Dvůr ist von Mai bis September geöffnet, und zwar täglich außer montags von 10 bis 16 bzw. im Sommer bis 17 Uhr. Im im Oktober ist das Schloss nur am Wochenende zugänglich. Mehr über die Führungen durch das Areal erfahren Sie unter www.krasny-dvur.cz.

Siri Ellen Sletner betonte, es sei wichtig, das Kulturerbe für die nächsten Generationen zu bewahren:

„Wir sind ja alle ein Bestandteil der europäischen Geschichte. In der norwegischen Geschichte gab es zum Teil unterschiedliche Entwicklungen als in der Geschichte der Böhmischen Länder. Für die Norweger könnte es darum sehr interessant sein, beim Besuch in Tschechien mehr über die böhmische Geschichte im 17. oder 18. Jahrhundert zu erfahren.“

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