"Bau der deutsch-tschechischen Versöhnung" in Liberec eröffnet

r_2100x1400_radio_praha.png

Das Datum hätte kaum symbolträchtiger gewählt werden können: 62 Jahre nach der Reichsprogromnacht wurde am Donnerstag in der nordböhmischen Stadt Liberec/Reichenberg der "Bau der deutsch-tschechischen Versöhnung" eröffnet. Am Ort der 1938 niedergebrannten örtlichen Synagoge entstand die "Euroregionale Bibliothek" mit 1,2 Millionen Dokumenten und einem jüdischen Gebetsraum. Lothar Martin war für Radio Prag bei den Einweihungsfeierlichkeiten vor Ort.

...im nordböhmischen Liberec/Reichenberg erklingen u.a. wieder jüdische Lieder. Denn buchstäblich im Rahmen des hauptsächlich von der Tschechischen Republik und aus Förderprogrammen der Europäischen Union finanzierten Gebäudes der Euroregionalen Bibliothek entstand im Zentrum der Stadt auch wieder ein jüdisches Gebetshaus für die inzwischen wieder 130 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde von Liberec.

Diese Tatsache und die überregionale Bedeutung der beiden ineinander verwobenen Bauten wussten auch die beiden Schirmherren des Projektes, der tschechische Präsident Vaclav Havel und der deutsche Bundespräsident Johannes Rau in ihren Grußadressen, die von ihren Vertretern während des Festaktes verlesen wurden, zu würdigen.

So ging Vaclav Havel in seiner Grußadresse auch noch einmal auf die Zerstörung der jüdischen Synagoge vor 62 Jahren ein: "Ihr Brand und ihre Zerstörung nahmen gleichsam das tragische Ende des jahrhundertelangen Zusammenleben der Tschechen, Juden und Deutschen in unserer Heimat vorweg. Die Werte dieses Zusammenlebens und die Geschichte seines Scheiterns werden immer wieder neu entdeckt und beleuchtet. Ihre gute Kenntnis ist unabdingbar für die Formierung unserer bürgerlichen und nationalen Identität als eine der Grundlagen, die eine komplizierte aber immer klarer werdende europäische Identität erzeugen."

Bundespräsident Johannes Rau wies in seiner Grußadresse vor allem auf die Bedeutung beider Einrichtungen für das beginnende 21. Jahrhundert hin:

An der Finanzierung des Baues und seiner Inneneinrichtungen hatten viele Institutionen mehrerer Länder ihren Anteil. Doch die Hauptlast trugen der tschechische Staat und die Europäische Union über die von ihr zur Finanzierung für gesamteuropäische Projekte gebildeten Fonds. Deshalb ging der Vertreter der Europäischen Kommission in Prag, Ralf Dreyer, in seiner Rede auch besonders auf diesen Gesichtspunkt ein.

Unterstützung kam u.a. auch aus der Schweiz, und zwar von der Stiftung "Pro Helvetia" und der Partnerstadt von Liberec - St. Gallen. Der Schweizer Botschafter Johann Bucher hob in seiner Grußadresse hervor, dass das gemeinsame Europa auch und vor allem auf die Regionen ausgedehnt werden muss:

Das Schlusswort gehörte allerdings dem tschechischen Schriftsteller Pavel Kohout, der der Bibliothek folgenden Wunsch mit auf den Weg gab: