Bauernhof, Eurosafari und Meeresquallen: Der Zoopark Chomutov

Im Zoopark in Chomutov setzt man nicht auf Sensationen, sondern auf einheimische Prachtstücke. Ein fast gewöhnlicher Bauernhof und seine Nutztiere gehören hier zu den Lieblingsplätzen der Besucher. Zudem wird eine Safari europäischen Typs angeboten. Es gibt in Chomutov aber durchaus auch einen Hauch Exotik zu erleben – bei den Meeresquallen nämlich, die ein ganzes Häuschen für sich haben.

Nur wenige Leute können ihren typischen Arbeitstag so beschreiben, wie Miroslav Brtnický. Er ist der zoologische Leiter im Tierpark Chomutov:

Vielfraß | Foto: Zoopark Chomutov

„Am Morgen gehe ich immer am Gehege der Vielfraße vorbei. Sie kommen dann an, und manchmal biete ich ihnen einen Leckerbissen an. Aber natürlich darf ich damit nicht in die regelmäßige Verpflegung eingreifen. Und auch bei den Buntmardern schaue ich täglich vorbei. Das sind sehr interessante und schöne Tiere aus dem Fernen Osten, und ein Blick lohnt sich immer. Dann sind da noch die Moschusochsen und die Bucharahirsche, denen wir uns hier so viel widmen, wie es nur geht.“

Bucharahirsch | Foto: Zoopark Chomutov

Besonders auf die Bucharahirsche ist man stolz im Zoopark Chomutov. Die 47.000-Einwohner-Stadt am Fuße des Erzgebirges ist nur 20 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. Wer sich auch dort für die Edelhirsche aus Zentralasien interessiert, hat es also nicht weit…

„Wir sind der einzige Zoo in Tschechien und in der Slowakei, der Bucharahirsche hält. Im Frühjahr hatten wir nicht ganz 40 Tiere, was schrecklich wenig ist. Ich glaube, es sind derzeit zehn Institutionen, die diese Art innerhalb des europäischen Zooverbandes EAZA züchtet.“

Bucharahirsch | Foto: Zoopark Chomutov

Auch dies ist nur eine sehr geringe Zahl, angesichts der insgesamt gut 400 Einrichtungen, die Mitglied in der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) sind. Der Zoopark Chomutov hat dabei sogar eine besondere Bedeutung, denn er leitet das EAZA-Programm für die Bucharahirsche – nicht zuletzt, weil man mit eigenen Erfolgen punkten kann. Ins zooeigene Zuchtbuch konnten in diesem Jahr nämlich schon drei Junge eingetragen werden. Brtnický berichtet, warum diese Art einen besonderen Schutz braucht:

Miroslav Brtnický | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Diese Hirsche stammen ursprünglich aus dem zentralasiatischen Gebiet zwischen den Flüssen Amudarja und Syrdarja. Heute kann man sich das kaum noch vorstellen, aber dieses Flussgebiet war einst dicht bewachsen, und es gab auch viele Sümpfe, in denen die Hirsche lebten. Durch menschliche Eingriffe, konkret den Bau von Entwässerungskanälen, ist daraus aber eine sehr trockene Gegend geworden. Und deshalb sind auch die Bestände der Bucharahirsche sehr stark zurückgegangen. Sie werden außerdem gejagt. Die mittelasiatischen Staaten arbeiten aber zusammen und haben bereits mehrere Reservate angelegt. In diesen natürlichen Arealen nimmt die Zahl der Bucharahirsche wieder zu. Leider lässt sich das gleiche nicht von den europäischen Zoos sagen, in denen der Bestand allgemein zurückgeht.“

Überhaupt sei unklar, wie sich die Zucht dieser Art weiterentwickle, gibt der Zoologe zu bedenken. Diese finde zwar auch in Deutschland oder den Niederlanden statt. Aber ein Auswilderungsprogramm in der freien Natur gebe es noch nicht.

Moschusochse und Panzeschleiche

Der Zoopark Chomutov liegt im Norden der Stadt und erstreckt sich auf 112 Hektar. Damit ist er flächenmäßig der größte Tierpark in Tschechien. Bei der Bandbreite der beherbergten Tierarten kann er sich mit den berühmtesten Anlagen, wie etwa der in Prag oder in Dvůr Králové, zwar nicht ganz messen. Dafür spezialisiert man sich in Chomutov mit den rund 160 Arten auf die paläarktische Region. Das heißt, dass hier Tiere aus Europa, Nordafrika und Asien zu sehen sind. Und das reiche schon für eine Safari, betont Miroslav Brtnický:

Safari expres | Foto: Zoopark Chomutov

„Im Jahr 2000 wurde das etwa 30 Hektar große Areal der Eurosafari eröffnet, durch das ein spezieller Bus fährt. Auf dieser Freifläche sind Schottische Hochlandrinder, europäische Hirsche oder etwa eine Herde Mufflons zu sehen. Es bewegen sich dort auch Rehe, die wir über die Rettungsstation für Tiere mit Handicap in Pflege genommen haben. Und ihr eigenes Areal haben dort die Bisons sowie zwei männliche Przewalski-Pferde.“

Grönländisches Moschusochse | Foto: Zoopark Chomutov

Der Eurosafari-Bereich ist nur mit dem Bus zugänglich, der aber täglich fährt. Im restlichen Gelände des Zooparks Chomutov ist es dem Besucher natürlich selbst überlassen, welchen Weg er einschlägt und welche Tiere er sich anschaut. Sehr ansehnlich sind zum Beispiel die mächtigen Moschusochsen. Und dem Fachmann Brtnický liegen besonders die Panzerschleichen am Herzen, die auch unter dem russischen Namen Scheltopusik bekannt sind.

Eine recht neue Attraktion ist außerdem das Medúzárium. Medúza ist das tschechische Wort für Qualle – angelehnt an den wissenschaftlichen Namen. Das Aquarium sei an einer ungenutzten Stelle im Zoo entstanden, die sich nicht für ein Tiergehege geeignet habe, erläutert der Chefzoologe:

Quallenbecken | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Es gab also die Idee eines Medúzáriums. Ich habe einmal im Berliner Zoo einige Quallenbecken gesehen, und das war in meinem Kopf hängengeblieben. Für uns alle hier war das aber absolutes Neuland. Denn kein Zoo in Tschechien verfügt über mehr als zwei Wasserbecken mit Quallen.“

Und das nächste Meer ist schließlich auch weit weg. Die Zoobetreiber haben aber in Tschechien einen Züchter ausfindig gemacht, der die gallertartigen Wassertiere hält. So konnte im Januar 2023 in Chomutov die erste Exposition mit acht Wassertanks eröffnet werden.

Quallenbecken | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Ich darf sagen, dass wir von dem Anklang sehr positiv überrascht wurden. Aber es braucht eben zwei Pfleger, die dort arbeiten. Es ist sehr aufwendig. Vieles haben wir erst durch die Praxis und nach einigem Herumprobieren gelernt. Ich muss zugeben, dass wir nicht nur in den ersten Tagen, sondern auch wochenlang jeden Morgen mit bangem Herzen ins Medúzárium gegangen sind, was wir dort wohl vorfinden werden und ob es noch etwas zu zeigen geben wird.“

Bisher geht es den Meerestieren aber anscheinend ausgezeichnet. Es habe sogar schon Nachwuchs gegeben, fügt Brtnický hinzu:

„Im Moment können die Besucher sieben Quallenarten betrachten. Die Zucht ist aber wirklich nicht einfach. Die Lebenszeit einer Qualle bewegt sich zwischen einem dreiviertel Jahr und anderthalb Jahren. Darum bemühen wir uns um eine kontinuierliche Aufstockung. Wir haben Quallen, die eine höhere Wassertemperatur brauchen, und wiederum andere, die mit 15 oder 17 Grad zufrieden sind. Das setzt uns einige Grenzen. Bisher ist dies aber eine Herausforderung, die wir wohl ganz gut meistern. Und darüber sind wir froh.“

Rettungsprogramme für Steinkäuze

Vom Ausflug ans Meer kommt man im Zoopark Chomutov schon nach ein paar Metern wieder in heimatliche Gefilde zurück. Gehalten werden hier nämlich auch gewöhnliche Nutztiere, die in den hiesigen Breiten zu Hause sind. Warum, das erklärt Miroslav Brtnický so:

Kaschmirziege | Foto: Zoopark Chomutov

„Sicher kennt diese Tiere jeder irgendwie. Aber in der heutigen Zeit gibt es viele Menschen, die schon lange kein Schaf oder keine Ziege mehr von Nahem gesehen haben. Daneben haben wir domestizierte Wasserbüffel oder eben die Schottischen Hochlandrinder in der Eurosafari. Trotzdem gibt es auch das Haushuhn zu sehen. Sie alle bilden zwar nicht den Hauptteil unseres Zoos. Aber es schadet sicherlich nicht, den Besuchern auch solche Haustiere zu zeigen – wie sie aussehen und wie sie leben. Wir glauben, das gehört zu einem Tierpark einfach dazu.“

Zumal in Chomutov mehrere verschiedene Arten von Schafen und Ziegen leben würden, ergänzt der Chefzoologe. Und der Bauernhof, der in dem Areal dafür eingerichtet ist, erfreue sich beim Publikum großer Beliebtheit. Er ist auch architektonisch besonders gestaltet und zeigt Häuser, die typisch für das Erzgebirge sind.

Überhaupt engagiert sich die Zooverwaltung sehr für den Erhalt der heimischen Fauna. Denn auch in Tschechien gibt es zahlreiche Tierarten, die bedroht sind. Brtnický nennt etwa den Steinkauz…

Steinkauz | Foto: Zoopark Chomutov

„Gerade beginnt ein Programm, bei dem die Steinkäuze in Tschechien zum einen erfasst werden. Zum anderen gehört dazu die mögliche Auswilderung von gezüchteten Eulen in die freie Natur. Damit haben aber fast nur Fachleute zu tun, also etwa lokale Ornithologen oder eben Experten speziell für Käuze. Denn es ist zwar eine Sache, die Tiere in Pflege zu züchten. Eine zweite ist es aber, sie so vorzubereiten, dass sie in der freien Natur dann auch eine Überlebenschance haben. Eine große Frage, die die Fachleute seit langem beschäftigt, sind die passenden Orte, an denen die ausgewilderten Vögel dann auch eine langfristige Perspektive haben. Um sich einzuleben, brauchen sie die passenden Bedingungen und vor allem auch Nahrung. Es ist also eine komplexe Angelegenheit.“

Wisent | Foto: Zoopark Chomutov

Der Zoopark Chomutov sei in diese Aktivitäten eingebunden, indem er eigene Tiere zur Auswilderung oder auch zur Weiterzucht abgeben könne, sagt Brtnický. Als wichtigen Partner bei Auswilderungsprogrammen nennt er die Organisation Česká krajina (Böhmische Landschaft) – eine NGO, die ihren Sitz in Kutná Hora hat. Bei dieser Kooperation stehe ein Gebiet nordöstlich von Prag im Mittelpunkt:

„Mit Česká krajina arbeiten wir zusammen, weil sie sich unter anderem um die Zucht von Bisons in der Gegend von Milovice kümmert. Gerade dieses Jahr haben wir eine junge Bisondame dorthin abgegeben. Und eine weitere war Teil einer Gruppe von sechs Tieren, die in ein Reservat in Spanien geschickt wurden. Dies hat alles die NGO Česká krajina organisiert und beaufsichtigt.“

Und bei der Bisonzucht gebe es wiederum auch Unterstützung von der europäischen Zoovereinigung EAZA, merkt Miroslav Brtnický noch an.

Wisent | Foto: Zoopark Chomutov

Damit ist der kleine große Zoopark Chomutov also fest eingebunden in den Artenschutz. Das ist keine schlechte Bilanz für die Einrichtung, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

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