Bei Gesundheitsversorgung in tschechischen Gefängnissen fehlen Fachärzte
Die medizinische Versorgung in den Gefängnissen in Tschechien soll besser werden. Im April hat eine neue Verwaltung den Bereich übernommen und will nun vor allem Fachärzte einstellen.
Der Nächste bitte. Im Gefängniskrankenhaus in Prag-Pankrác läuft es wie in anderen Arztpraxen auch. Allerdings sitzen die Patienten im Warteraum hinter Gittern und werden von einem Mitglied des Aufsichtspersonals begleitet.
Ondřej Felix schließt eine der Gittertüren im Gang auf – und hinter sich wieder zu. Er ist der Direktor der medizinischen Einrichtungen des tschechischen Justizministeriums. Seine Abteilung ist seit April auch für den Gesundheitsbetrieb in den Gefängnissen des Landes zuständig. Dazu gehören insgesamt zwei Krankenhäuser und etwa 30 Polikliniken. Felix erläutert:
„Die Abläufe hier sind spezifisch, weil bei jeder Behandlung ein Beamter dabei sein muss. Und im Warteraum darf sich nie mehr als ein Patient aufhalten. Es ist zudem streng vorgeschrieben, wer mit wem in einem Raum sein kann – ein Angeklagter nicht mit einem Verurteilten, Männer nicht mit Frauen. Das gleiche gilt für die Belegung der Krankenhausbetten.“
Die Gesundheitsversorgung im Gefängnis müsse aber die gleiche sein wie für den Rest der Bevölkerung, betont Felix. Allerdings würden die Insassen ihre Ärzte durchschnittlich häufiger aufsuchen:
„Jeder Pickel, jeder Leberfleck oder Insektenstich sollte gleich vom Arzt untersucht werden. Und vom Gesetz her muss jeder Inhaftierte, der sich bei einem Arzt anmeldet, diesen auch besuchen. Als ich noch in einer solchen Praxis gearbeitet habe, konnte ich das meiste aber in einem halbminütigen Gespräch regeln.“
In den Gefängnissen Tschechiens gibt es mehr als 500 Arbeitsplätze für medizinisches Personal. Etwa 50 davon sind laut Felix derzeit nicht besetzt. Angeworben werden sollen deshalb vor allem junge Ärzte. Und so macht in Pankrác zum Beispiel dieser Medizinstudent gerade sein Praktikum:
„Gemeinsam mit einem Freund habe ich das über zwei weitere Freundinnen abgesprochen, die zwei Wochen nach uns anfangen. Wir fanden, dass es eine interessante Erfahrung sein könnte, etwas anderes zu sehen als nur die zivilen Krankenhäuser.“
Die Arbeit in der Einrichtung würde ihm Spaß machen und sei etwas Neues, fügt der junge Mann hinzu, der kurz vor seinem Studienabschluss steht. Kein Problem sind für ihn offenbar die strengeren Vorgaben, die für das medizinische Personal im Gefängnis bestehen. So darf man im Dienst kein Telefon bei sich haben, und der Internetzugang ist währenddessen eingeschränkt.
Neben der Anstellung von mehr Ärzten hat Ondřej Felix noch weitere ambitionierte Pläne für die Gefängnispraxen:
„Wir hätten gern unsere eigene Apotheke, damit wir die Medikamente nicht mehr von Dritten kaufen müssen. Außerdem wollen wir unsere Diagnostik spezialisieren und entsprechende Geräte anschaffen.“
Eine Herausforderung sei dabei, dass die Gefängnisinsassen – ähnlich wie der Rest der Bevölkerung in Tschechien – immer älter würden, sagt Felix.
Fachärzte gibt es in den Einrichtungen seit langem zu wenige. Er hoffe, dass sich dies mit der Übergabe an das Justizministerium nun ändere, äußerte Simon Michailidis bereits im vergangenen Jahr. Er ist der Leiter der zentralen Gefängnisdienste, denen der medizinische Service noch bis März unterlag:
„Neben einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Insassen versprechen wir uns von dem Wechsel, dass es damit mehr Chancen gibt, medizinisches Personal und Ärzte für die Arbeit anzuwerben. Denn die Ministeriumsabteilung hat die Möglichkeit, viel bessere Bedingungen zu gewährleisten, vor allem bei der Entlohnung der Mitarbeiter.“
Der Verwaltung zufolge werden in den Gefängnissen Tschechiens am dringendsten Psychiater und Zahnärzte gebraucht.







