Böhmische Geschichte in Bildern: Václav Brožík wurde vor 170 Jahren geboren

Václav Brožík: Tu, Felix Austria, nube! (Quelle: Archiv des Kunsthistorischen Museums in Wien, Wikimedia Commons, CC0)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Václav Brožík in ganz Europa für seine historischen Gemälde bekannt, die Episoden aus der tschechischen Geschichte zeigen.

Václav Brožík auf dem Porträt von Jan Vilímek  (Quelle: Wikimedia Commons,  CC0)

Geboren wurde Brožík am 5. März 1851 im Dorf Železný Hamr bei Plzeň / Pilsen. Obwohl er aus einer mittellosen Familie stammte, studierte er in Prag und später auch in Dresden und München. 1876 ging Brožík nach Paris, wo er als Maler bald Anerkennung erhielt von Kritik und Öffentlichkeit. Seine Einkünfte waren zudem gesichert durch die Vermählung mit der Tochter des reichen Kunsthändlers Charles Sedelmeyer. Viele Jahre pendelte Brožík zwischen Paris und Prag, wo er 1893 einen Lehrstuhl an der Akademie der bildenden Künste annahm.

Leinwandgemälde  (links),  mit dem Hochzeitszug des böhmisch-ungarischen Königs Ladislaus Postumus an den französischen Hof  (Quelle: Archiv der Verwaltung der Prager Burg)

Berühmt wurde Brožík quasi über Nacht, als er 1878 in einem Pariser Salon ein monumentales Leinwandgemälde vorstellte, das den Hochzeitszug des böhmisch-ungarischen Königs Ladislaus Postumus an den französischen Hof zeigte. In seinen Werken verarbeitete der Maler oft Episoden aus der böhmischen Geschichte, verbunden etwa mit den Hussiten, den Habsburgern oder auch dem ersten Prager Fenstersturz.

Václav Brožík: Polyxena von Lobkowitz Schutz der königlichen Beamten Slavata und Martinic,  aus dem Fenster des königlichen Schlosses in Prag geworfen  (Quelle: Wikimedia Commons,  CC0)

Zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde Brožíks klassischer bis pompöser Stil aber zunehmend verspottet. Die nachkommende Generation lehnte seinen konservativen Realismus zugunsten des aufkommenden Jugendstils und des Symbolismus ab. Nach ihrem Urteil waren die ausladenden historischen Darstellungen, die das Nationalbewusstsein stärken sollten, zu theatralisch. Die hohe Produktivität des Malers – ein großformatiges Gemälde stellte er innerhalb einer Woche fertig – entsprach nicht immer seinem Talent. Und so bemängelten Vertreter der Moderne an Brožíks Werk eine gewisse Oberflächlichkeit, fehlende Fantasie und eine trockenen Stil.

Dem harten Urteil der zeitgenössischen Kritiker steht jedoch noch heute das große Interesse des Galerienpublikums entgegen. Selbst 2003 erfreute sich die bisher letzte umfassende Brožík-Ausstellung in Prag noch hoher Besucherzahlen.

Brožík-Saal des Altstädter Rathauses mit dem Brožíks Bild „Meister Jan Hus vor dem Konzil zu Konstanz“  (Foto: Kristýna Maková / Praha křížem krážem)