Burgen und Schlösser starten in die Saison

Schloss Kratochvíle (Foto: Barbora Kmentová)

Die Burgen und Schlösser gehören zu den größten Touristenmagneten der Tschechischen Republik. Das staatliche Denkmalschutzamt verwaltet über 100 historische Residenzen, Freilichtmuseen und technische Sehenswürdigkeiten. Nach der Winterpause öffnen die meisten der Burgen und Schlösser im Staatsbesitz am letzten Märzwochenende wieder für die Besucher.

Direktorin des Denkmalschutzamtes Naděžda Goryczková (Foto: Matěj Pálka)
Im vergangenen Jahr verzeichneten die vom staatlichen Denkmalschutz verwalteten Burgen und Schlösser eine Rekordzahl von 4,8 Millionen Besuchern. Vor einigen Jahren hat das Amt einen historischen Zyklus gestartet: In einigen der Residenzen wurde während der Saison ein Adelsgeschlecht näher vorgestellt – wie beispielsweise die Pernsteins, die Rosenberger oder die Herren von Kunštát. In der neuen Saison werde hingegen kein konkretes Adelsgeschlecht im Blickpunkt stehen, sagt die Direktorin des Denkmalschutzamtes Naděžda Goryczková. Stattdessen wartet ein neuer Schwerpunkt:

„Wir wollen diesmal an die tausendjährige Geschichte der Burgen und Schlösser erinnern. Das Thema ist die Entstehung der Adelsresidenzen auf dem Gebiet der Länder der Böhmischen Krone und der heutigen Tschechischen Republik. Wir möchten den Besuchern näher bringen, was dieses Kulturerbe für Tschechien bedeutet. Eröffnet wurde das Projekt mit einer Ausstellung über die Burgen und Schlösser, die seit Mitte Dezember auf der Prager Burg zu sehen ist. Eine Woche vor dem Ende der Ausstellung haben sie über 57.000 Menschen besucht. Mit einem so großen Interesse haben wir gar nicht gerechnet und sind sehr angenehm überrascht. Es ist die erfolgreichste Ausstellung, die das Denkmalschutzamt in den letzten Jahren zusammengestellt hat.“

Jahrestage im Blickpunkt: Wiener Kongress und Hus-Jubiläum

Kloster Plasy / Plaß (Foto: Zdeňka Kuchyňová)
Neben der tausendjährigen Geschichte der Adelsresidenzen stehen in der bevorstehenden Saison Goryczková zufolge auch zwei Jahrestage im Blickpunkt. Anlässlich des 200. Jahrestags des Wiener Kongresses werden Ausstellungen, Sonderführungen sowie Konferenzen an Orten veranstaltet, die mit Staatskanzler Metternich oder mit Napoleon Bonaparte und dessen Familie zusammenhängen. Dazu gehören unter anderem Metternichs Schloss Kynžvart / Königswart in Westböhmen oder auch das Kloster Plasy / Plaß. Mit mehreren Veranstaltungen wird des 600. Todestags von Kirchenreformator Jan Hus gedacht, der am 6. Juli 1415 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen in Konstanz verbrannt wurde. Die Burg Krakovec in Mittelböhmen wird ein Zentrum des Hus-Jubiläums. Programme mit hussitischer Thematik werden zudem auf den Burgen Lipnice nad Sázavou / Lipnitz an der Sasau oder Landštejn / Landstein angeboten.

Auf einigen Burgen und Schlössern werden neue Besichtigungstrassen eröffnet. Vor allem werden drei wertvolle historische Sehenswürdigkeiten nach einer gründlichen Instandsetzung der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Restaurierung der Baudenkmäler wurde in allen drei Fällen mit EU-Geldern finanziert, erzählt Naděžda Goryczková.

Hospital Kuks (Foto: Archiv Revitalizace KUKS)
„Am 23. März wird die Instandsetzung des Barockhospitals in Kuks / Kukus in Ostböhmen feierlich beendet. Für die Öffentlichkeit zugänglich ist die Sehenswürdigkeit ab Saisonbeginn. Am 10. Juni wird die Restaurierung des Schlossareals von Veltrusy in Mittelböhmen abgeschlossen. Die historischen Gebäude sowie der Park werden dann wieder genauso aussehen, wie einst unter den Grafen Chotek. Und schließlich am 25. Juni öffnet die Reithalle im Schloss Valtice / Feldsberg ihre Pforten. Dort entsteht ein Nationales Theater- und Tanzzentrum. Im Anschluss daran wird Anfang September das Barocktheater im Schloss wieder eröffnet.“

Renaissance der Renaissance in Kratochvíle

Als Höhepunkt der Touristensaison gilt seit einigen Jahren die sogenannte „Nacht der Burgen und Schlösser“. Am letzten Samstag im August hat eine ganze Reihe der Residenzen auch in der Nacht geöffnet. Auf dem Programm stehen an diesem Tag Theatervorstellungen, Konzerte und Sonderführungen. Im Zentrum der Nacht der Burgen und Schlösser steht in diesem Jahr das südböhmische Schloss Kratochvíle. Der Kastellan des Schlosses, Vojtěch Troup, begrüßt die Möglichkeit Kratochvíle während dieser Veranstaltung bekannter zu machen.

Schloss Kratochvíle (Foto: Barbora Kmentová)
„Es ist ein einzigartiges Schloss, das auf Wunsch von Wilhelm von Rosenberg errichtet wurde. Er ließ sich ein Sommerschloss von italienischen Architekten bauen. Derartige Villen oder Sommerschlösser gibt es im Norden Italiens, in Österreich sowie in Deutschland. Wilhelm wollte ein Sommerschloss inmitten der Wildnis haben. Die Residenz sollte repräsentativ sein, denn er gehörte zu den einflussreichsten Adeligen der Zeit, da er der Oberste Burggraf von Böhmen war. Dem Repräsentationszweck entspricht die gesamte künstlerische Gestaltung des Schlosses. Sehr wertvoll ist auch die Natur in der Umgebung. Kratochvíle stellte eine Art Oase dar, die seinem Besitzer und den Besuchern Freude machen sollte.“

Das Schloss wurde in den vergangenen Jahren gründlich renoviert. Den Prozess der allmählichen Renovierung kann man dem Kastellan zufolge auch als „Renaissance der Renaissance“ bezeichnen. Das Schloss musste wegen der Restaurierung nicht geschlossen werden. Stattdessen hatten die Besucher die Gelegenheit, den Restauratoren bei der Arbeit über die Schulter zu sehen. Inzwischen ist die Instandsetzung abgeschlossen. Das Kulturprogramm auf Schloss Kratochvíle steht seit Saisonbeginn im Zeichen der Renaissance. Zur Eröffnung lädt der Kastellan zu Vorträgen von Martin Hilský ein. Der renommierte tschechische Shakespeare-Übersetzer wird sich mit Shakespeare und der Entstehung des englischen Theaters befassen. In Kratochvíle stehen auch weiterhin regelmäßige Theatervorstellungen auf dem Programm.

Versunken in Hopfenfeldern: Rokoko-Schloss Stekník

In diesem Jahr wird für die Öffentlichkeit ein Schloss geöffnet, das bislang nicht zugänglich war. Das Rokoko-Schloss Stekník liegt unweit von Žatec. Die erste Etappe der Restaurierungsarbeiten sei abgeschlossen, sagt Dušan Michelfeit von der Denkmalschutzverwaltung.

Schloss Stekník (Quelle: Schloss Stekník)
„In der ersten Etappe wurden die Schlosskapelle und ein Teil des Schlossgebäudes restauriert. Das Schloss steht zudem in einem italienischen Garten. Dieser wird erst nach und nach wieder belebt. Vor allem im Sommer ist versinkt das Schloss fast in einem Meer von Hopfenfeldern. Es ist ein wirklich zauberhafter Ort. Gefallen daran finden wohl vor allem diejenigen, die an historischen Orten nach Ruhe suchen, um sich in ihre Gedanken zu vertiefen. Stekník ist ideal dafür.“

Führungen für die Besucher sind bereits ausgearbeitet. In welchen Sprachen sie angeboten werden, steht noch nicht genau fest.

„Es handelt sich um eine neu eröffnete Residenz. Wir werden erst testen, wie hoch das Interesse der Touristen ist. Aber bereits im letzten Jahr kamen rund 4.000 Besucher nach Stekník. Sie konnten sich zu diesem Zeitpunkt lediglich die Arbeit der Restauratoren anschauen. Anhand dieser Zahlen gehen wir davon aus, dass das Schloss Interesse wecken wird. Die Führungen werden wir dann während der Saison auf die einzelnen Besuchergruppen zuschneiden.“

Die meisten Burgen und Schlösser öffnen am letzten Märzwochenende ihre Pforten für die Besucher. Zum Auftakt in die neue Saison werden verschiedene Sonderprogramme angeboten. Die Schlösser im ostböhmischen Litomyšl / Leitomischl oder im südmährischen Bučovice werden mit Frühlingsblumen geschmückt. Das Kloster Sázava zeigt in seinen Räumen die Ausstellung Via Benedictina. Das Schloss Hrádek u Nechanic eröffnet die Saison mit einer Osterausstellung.

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