České Velenice und Gmünd kommen sich wieder näher

Foto: ČT24

Die österreichische Stadt Gmünd und das tschechische České Velenice (deutsch: Gmünd-Bahnhof) bildeten früher eine gemeinsame Stadt. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurden die Stadtgebiete am linken und rechten Ufer der Lainsitz voneinander getrennt. Als dann auch noch der Eiserne Vorhang zugezogen wurde, lag der eine Ort in der westlichen Welt und der andere in der östlichen. Mittlerweile aber rücken Tschechen und Österreicher dort wieder ganz eng zusammen.

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Das ehemalige Gmünd wurde im Jahr 1920 geteilt. Im österreichischen Teil verblieb die historische Altstadt, in České Velenice wiederum der Bahnhof. Die Nachkriegsepoche des Kalten Krieges entfremdete beide Teile noch stärker voneinander. Die Unterschiede sind bis heute sichtbar. Seit der Wende im Jahr 1989 aber verschwindet die Grenze zwischen beiden Städten mehr und mehr. Jetzt wurde die erneute Annäherung auch unterirdisch vollzogen – dank einer gemeinsamen Wasserleitung, die Mitte Juli eingeweiht wurde. Jiří Heřman ist Generaldirektor der Wasserversorgungsgesellschaft Čevak:

Foto: ČT24
„Es ist uns gelungen, zwei unabhängig voneinander funktionierende Wasserleitungen zu schaffen. Das bedeutet, dass die Versorgungssicherheit zu beiden Seiten der Grenze gestiegen ist.“

Im Falle eines Rohrbruchs oder anderen Defekts an einer Leitung steht den Einwohnern beider Städte also zumindest die zweite Leitung uneingeschränkt zur Verfügung. Der Bürgermeister von České Velenice, Jaromír Slíva, verweist zudem auf weitere Gemeinsamkeiten:

Jaromír Slíva (Foto: ČT24)
„Hier wird jede Menge Energie von einer Seite auf die andere Seite der Grenze abgegeben.“.

Der Bürgermeister meint damit das Biomassekraftwerk in Gmünd, durch das auch České Velenice mit Wärme versorgt wird, sowie die Photovoltaikanlage in České Velenice, die Solarstrom auch nach Österreich liefert. Diese und andere Industrieunternehmen sind nach der politischen Wende auf der Basis eines bilateralen Abkommens zwischen der damaligen Tschechoslowakei und Österreich entstanden. Das zur Jahreswende 1990/91 unterzeichnete Abkommen sah vor, im Einzugsgebiet der beiden Städte einen grenzüberschreitenden Gewerbepark zu schaffen. Seit Mitte der 1990er Jahre haben zahlreiche Firmen auf diesem Gewerbegebiet ihren Sitz.

Zdeněk Tomáš (Foto: ČT24)
So wie die Bürger beider Städte durch die gemeinsame Arbeit im so genannten Wirtschaftspark immer enger zusammenrücken, so normalisiert sich zusehends auch das öffentliche Leben in beiden Teilen der einstigen Stadt Gmünd. Zdeněk Tomáš lebt in České Velenice:

„Ich gehe regelmäßig in ein Gmünder Fitnesszentrum, weil es in Österreich billiger ist.“

Den Vorteil der Nähe zu Gmünd hat auch Helena Pfeferová gemacht:

Klinik von Gmünd (Foto: ČT24)
„Mein Sohn hat sich vor kurzem das Bein gebrochen. Als ihn dann ein Krankenwagen abholte, wurde er automatisch in eine Klinik von Gmünd gebracht.“

České Velenice und Gmünd – zwei Städte, in denen das Leben im gleichen Rhythmus schlägt. Wie in vergangenen Zeiten: Denn auch die gemeinsame Wasserleitung ist keine Neuheit: Sie gab es bereits in den 1960er Jahren. Danach wurde sie aber aus politischen Gründen gekappt.

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