Chef der Präsidentenkanzlei unter Druck wegen Immobilienaffäre

Vratislav Mynář (Foto: Marián Vojtek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Vratislav Mynář ist einer der engsten Mitarbeiter von Staatspräsident Miloš Zeman. Als Chef der Präsidialkanzlei unterliegt einer strengen Geheimhaltungspflicht. Doch seit zwei Jahren arbeitet er ohne die dafür notwendige Sicherheitsfreigabe. Nun ist Mynář aber auch noch in Verdacht geraten, bei dem Kauf eines Hauses geschummelt zu haben. Tschechische Medien spekulieren daher, Präsident Zeman könnte seinen Mitarbeiter fallen lassen.

Villa von Vratislav Mynář (Foto: ČTK)
Es geht um eine Villa aus der Zwischenkriegszeit im Prager Viertel Střešovice. Das Haus hat Vratislav Mynář vor Weihnachten erworben, Kostenpunkt: 5,5 Millionen Kronen (200.000 Euro). Immobilienexperten halten das für extrem günstig. Eigentlich läge der Preis für ein Anwesen in der Lage doppelt so hoch. Die Medien hierzulande sprechen zudem von zweifelhaften Geschäftspartnern, die Mynář habe. Auch Staatspräsident Miloš Zeman sah sich zu einer Reaktion genötigt. Sein Sprecher Jiří Ovčáček sagte am Dienstag:

Vratislav Mynář (Foto: Kristýna Maková)
„Präsident Zeman ist über die ganze Angelegenheit natürlich informiert, er hat auch die Medienberichte verfolgt. Nun liegt es am Kanzleichef selbst, alle Zweifel auszuräumen. Und ich bin mir sicher, dass er das auch in den nächsten Tagen machen wird.“

Eine offizielle Erklärung hatte Vratislav Mynář bis Donnerstagmittag noch nicht abgegeben. Doch der Vertraute des Präsidenten gab dem öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen ein Interview. In diesem wies er die Spekulationen über den Kaufpreis zurück.

„Ich habe die Villa zu einem höheren Preis gekauft, als sie mein Vorbesitzer erworben hat. Ich kann an dem Preis nichts Zweifelhaftes erkennen, und das schon gar nicht, nachdem ich das Objekt zusammen mit Immobilien-Fachleuten besichtigt habe. Mir ist klar, dass das Haus komplett restauriert werden muss, nur die tragenden Mauerteile bleiben dabei erhalten. Im Moment dieser Erkenntnis kam mir der Preis überhaupt nicht niedrig vor.“

Christian Wulff (Foto: Europäische Kommission)
Schießen sich die Medien also vielleicht zu Unrecht auf Mynář ein? Wird hier ein tschechischer Fall konstruiert wie beim deutschen Ex-Präsidenten Wulff? Ganz so ist es jedoch nicht. Denn es geht auch um die sogenannte Sicherheitsfreigabe für den Chef der Präsidentenkanzlei. Diese bräuchte Mynář eigentlich, weil er in seiner Funktion Wissensträger von Staatsgeheimnissen ist. Aber auch nach zwei Jahren im Amt hat er diese Freigabe durch die Nationale Sicherheitsbehörde noch nicht in der Hand.

Zur Erinnerung: Erst auf massiven Druck hat Vratislav Mynář überhaupt die Sicherheitsfreigabe beantragt. Dies geschah dann im Dezember 2013. Immer noch aber prüfen die Beamten das Vorleben des 47-Jährigen. Und das unter Umständen aus gutem Grund. Denn vor seinem Eintritt in die Politik betrieb der ausgebildete Ingenieur eine bunte Vielfalt an Geschäften – und erwirtschaftete sich ein ansehnliches Vermögen. Ob dies alles mit rechten Dingen zugegangen ist – auch das will das Sicherheitsamt wissen. Und hier ergibt sich die Verbindung zum jetzigen Hauskauf. Denn die Villa hat Mynář nach eigenen Aussagen von dem Geld bezahlt, das er noch als Unternehmer verdient hat. Aber er fügt hinzu:

Bohuslav Sobotka (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
„Ich habe den Kauf mit Geld getätigt, das ich redlich versteuert habe. Das muss als Erklärung reichen.“

Am Mittwoch schaltete sich Premier Bohuslav Sobotka in die Diskussion ein:

„Der Fall schadet dem Amt des Staatspräsidenten. Vratislav Mynář kann aber nur vom Präsidenten selbst abberufen werden“, sagte der Sozialdemokrat.

Ob dem Staatsoberhaupt die Erklärungen seines engen Mitarbeiters reichen, das dürfte sich schon bald zeigen.