Chef des NP Šumava Stráský tritt ab, Holzschlag geht weiter

Jan Stráský (Foto: ČTK)

Der Direktor des Nationalparks Šumava / Böhmerwald Jan Stráský tritt ab. Er verlässt sein Amt nach 17 Monaten, die mit zum Teil heftigen Streitigkeiten um die Belange des Nationalparks angefüllt waren.

Jan Stráský (Foto: ČTK)
Der heute 71-jährige Jan Stráský wurde im Februar vergangenen Jahres zum Leiter des Nationalparks ernannt. Da dies ohne Auswahlverfahren geschah, durfte er das Amt nur anderthalb Jahre bekleiden. Bei der Ausübung seines Amtes fand Stráský mehrere starke Fürsprecher, zu denen Umweltminister Tomáš Chalupa sowie die Mehrzahl der Böhmerwaldbewohner und der Bürgermeister der dortigen Gemeinden zählten. Tomáš Chalupa hob insbesondere das Vorgehen Stráskýs gegen den Borkenkäfer sehr positiv hervor. Andererseits hatte Stráský auch entschiedene Gegner, hauptsächlich unter den Umweltschützern. Sie kritisierten ihn für den massiven Holzschlag im Nationalpark und für den Einsatz chemischer Mittel bei der Borkenkäferbekämpfung. Nach Aussage von Jaromír Bláha von der Umweltorganisation Hnutí Duha habe Jan Stráský nie begriffen, wie ein Nationalpark funktionieren sollte.

„Er hat den Nationalpark wie einen Wirtschaftsforst behandelt. Er erlangte negative Berühmtheit mit der Aussage, man müsse gegen die Natur kämpfen. Diese Idee hat er auch im Nationalpark umgesetzt.“

Holzfäller haben am vergangenen Montag unweit der Ortschaft Modrava / Mader begonnen, erneut mehrere vom Borkenkäfer befallene Bäume zu fällen. In diesem Jahr hatte die Verwaltung des Nationalparks versprochen, die Bäume vor allem durch das Entrinden vom Borkenkäfer zu befreien. Auch die EU-Kommission interessiert sich inzwischen für den Holzschlag im Böhmerwald und zieht in Erwägung, deswegen vor Gericht zu gehen. EU-Umweltkommissar Janez Potočnik hat Mitte Juni einen Brief nach Prag geschickt, in dem er Fragen zum Holzschlag im Nationalpark stellt. Bislang hat er keine Antwort auf den Brief erhalten.

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Die Bewohner des Böhmerwaldes stehen in der Mehrheit auf der Seite von Stráský. Ausgetrocknete Baumstümpfe missfallen ihnen, und sie glauben auch nicht daran, dass sich der Wald nach einem Befall des Schädlings auch wieder von selbst regenerieren kann. „Stráský hat eine gewisse Bauernschlaue. Wir, die hier seit dreißig vierzig Jahren leben, wissen sehr gut, dass es Unsinn ist, ohne den Eingriff der menschlichen Hand den Borkenkäfer zu bekämpfen“, sagt ein Bewohner des Böhmerwaldes.

Besonders deutlich äußert sich der Bürgermeister von Modrava / Mader Antonín Schubert:

„Stráský saß auf einem Schleudersitz. Die Parkverwaltung war ein Haus, das im Innen verfeindet war. Und dennoch hat er alles gemeistert.“

Eine Aufgabe für Stráský bei seinem Amtsantritt war es unter anderem, alle Interessengruppen an einen Tisch zu bringen und die Atmosphäre zu entspannen. Laut Umweltminister Chalupa hat er das geschafft. Der Bürgermeister von Prášily / Stubenbach, Libor Pospíšil, aber widerspricht:

„Seine Entscheidungen waren eher die Entscheidungen anderer Leute, denen er seine Schirmherrschaft verlieh. Als Leiter, der die Lage in der Region beruhigen sollte, ist er meiner Meinung nach gescheitert.“

Jiří Mánek
Stráský wird von seinem bisherigen Stellvertreter Jiří Mánek im Amt abgelöst. Der 40-jährige Waldgenetiker und gebürtige Böhmerwäldler plant, weiterhin gegen den Borkenkäfer vorzugehen. Eine seiner Prioritäten ist es, die erste Zone des Nationalparks auf 35 Prozent von der Gasamtfläche zu erweitern. Des Weiteren will er die Entstehung von kleinen Farmen sowie den Agrotourismus im Böhmerwald fördern.