Christen und Juden bekunden in Prag Unterstützung für Israel und warnen vor Antisemitismus

Foto: Martina Schneibergová

Tschechien gilt als einer der wichtigsten Verbündeten Israels nicht nur in der Europäischen Union, sondern weltweit. Nicht nur die offiziellen Vertreter des Landes wie Staatspräsident Zeman, aber auch ein Großteil der Bevölkerung zeigt Sympathien mit dem Staat in Nahost. In Prag haben die Teilnehmer einer Kundgebung am Mittwochabend ihre Unterstützung für Israel und Angst vor dem Aufkommen von Antisemitismus durch den jüngsten Gaza-Konflikt zum Ausdruck gebracht.

Foto: Martina Schneibergová
Mit einem hebräischen Lied über den Frieden wurde die Kundgebung im Prager Stadtzentrum eröffnet. Rund um das Wenzel-Denkmal wimmelte es von israelischen Flaggen. Über 500 Teilnehmer versammelten sich auf dem Wenzelsplatz, einige von ihnen trugen Transparente, auf denen beispielsweise stand: „Israel hat ein Recht auf Verteidigung“ oder „Befreit Gaza von der Hamas“. Die Redner machten darauf aufmerksam, dass Kritik an der israelischen Politik im Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt in Europa häufig zum Vorwand für antijüdische Äußerungen wird. Der Soziologe Fedor Gál, der im KZ Theresienstadt geboren ist, sagte:

Fedor Gál (Foto: Martina Schneibergová)
„Mir läuft es kalt den Rücken herunter, wenn ich darüber lese, was heutzutage so in europäischen Städten passiert. Dies erinnert an die Atmosphäre der 1930er Jahre. Wir dürfen nicht gleichgültig sein.“

Tomáš Kraus vertrat auf der Kundgebung die Föderation der jüdischen Gemeinden. Auch er warnte vor der antisemitischen Welle, die sich in einigen Ländern Europas in den vergangenen Wochen gezeigt hat:

„Wie muss das den Holocaust-Überlebenden in Berlin vorkommen, wenn sie sich in der Synagoge vor der Menschenmenge draußen fürchten müssen. Wie müssen sich die Holocaust-Überlebenden in Frankreich fühlen, wo Terroristen kleine Kinder ermordet und dies gefilmt haben. Es ist gut, dass wir hier zusammentreffen, um zu zeigen, dass wir einer derartige Entwicklung in der Tschechischen Republik ablehnen.“

Tomáš Kraus (Foto: Martina Schneibergová)
Gegenüber Radio Prag betonte Kraus dann, dass Tschechien weiterhin als treuer Verbündeter Israels gelte:

„Auch wenn die jetzige Regierung mehr auf Brüssel fokussiert ist als das vergangene Kabinett, bleiben bestimmte außenpolitische Schwerpunkte dieselben. Die tschechische Politik wird nie gegen Israel gerichtet sein. Es kann sein, dass sie mehr der gesamten EU-Außenpolitik angepasst wird. Dies wird aber das Resultat einer Diskussion sein. Was bleibt, ist eine enge Verbindung zwischen der Tschechischen Republik und Israel auf verschiedenen Ebenen – von der politischen über die wirtschaftliche bis zu den zwischenmenschlichen Begegnungen.“

Die Teilnehmer der Kundgebung verurteilten die Taktik der militanten Hamas-Bewegung, die während des Gaza-Konfliktes die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilder missbraucht hat. Dies hat auch David Bohbot erlebt. Er ist israelischer Staatsbürger und Rabbiner der konservativen jüdischen Gemeinde Bnei Israel in Prag.

Mojmír Kallus (Foto: Martina Schneibergová)
„Als jemand, der im Gazastreifen eingesetzt war, kann ich ihnen versichern, wie schwer es ist, irgendwo zu kämpfen, wo es viel Zivilbevölkerung gibt. Wir bemühen uns sehr, Zivilopfer zu vermeiden. Jedes Leben ist wichtig, egal welche Religion der Mensch hat. Schade, dass die Hamas dies nicht auch so wahrnimmt.“

Die Kundgebung wurde von der Organisation Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) in Zusammenarbeit mit weiteren christlichen und jüdischen Organisationen initiiert. Der ICEJ-Vorsitzende Mojmír Kallus:

„Es gab zwei Gründe für die Einberufung der Kundgebung: zum einen der Gaza-Konflikt, zu anderen die antijüdischen Ausschreitungen in Europa. Darum haben wir jetzt einen Aufruf an Intellektuellen gerichtet, und sie aufgefordert, sich eindeutig gegen Antisemitismus zu stellen.“

Den Aufruf haben inzwischen mehrere Hochschulprofessoren, Filmemacher, Musiker sowie Parlamentarier unterzeichnet.