„Cleopatra“ und „Planet der Affen“: Emil Kosa Jr., ein vergessener Tscheche in Hollywood

Was haben das berühmte Twentieth-Century-Fox-Logo, die Schlussszene in „Planet der Affen“ und die opulenten Kulissen des Blockbusters „Cleopatra“ gemeinsam? Den tschechischen Künstler Emil Kosa Jr., er hat sich in Hollywood einen Namen mit Kulissen-Hintergrundmalereien und optischen Spezialeffekten gemacht. Dennoch ist der Maler weitgehend in Vergessenheit geraten.

1964, vier Jahre vor seinem Tod, nahm Emil Kosa Jr. einen Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ für den Film „Cleopatra“ entgegen. Der Tscheche war in Hollywood erfolgreich, aber ihm fehlte noch das nötige Selbstvertrauen: Er war extrem nervös und sagte kaum etwas außer einem etwas schiefen Witz, der sich an die junge Frau richtete, die ihm die Auszeichnung überreichte.

Oscar für visuelle Effekte in „Cleopatra“

Der Monumentalfilm erzählt das Leben der ägyptischen Pharaonin Kleopatra VII., gespielt von Elisabeth Taylor. Und es war eben Kosa, der die Vorstellung von Millionen Zuschauern mitprägte, wie das alte Ägypten einst ausgesehen haben könnte.

Jaroslav Olša | Foto: Anna Kubišta,  Radio Prague International

Der Erfolg krönte eine unauffällige, aber dennoch bemerkenswerte Karriere in Hollywood. Denn Emil Kosa Jr. habe einen starken Konkurrenten besiegt, betont Jaroslav Olša, tschechischer Diplomat und bis August vergangenen Jahres Generalkonsul der Tschechischen Republik in Los Angeles. Olša beschäftigt sich mit den Lebensgeschichten erfolgreicher Tschechen in Kalifornien:

„Tatsächlich war es Emil Kosa Jr., der die gesamte Vision für die Darstellung des alten Ägypten im Film entwarf. Interessant ist aber, welchen Film er hinter sich ließ, und zwar schlug er Hitchcocks ‚Die Vögel‘. Das ist wirklich bemerkenswert, denn ‚Die Vögel‘ waren für jene Zeit in Bezug auf die Spezialeffekte unglaublich innovativ. Trotzdem gewann ‚Cleopatra‘. Der Film war für seine Zeit so monumental, so unglaublich, dass er siegen musste. Wichtig ist auch, dass Kosa in seinem eigenen Namen diesen Oscar erhielt. Denn er hat an unzähligen Filmen mitgewirkt, ohne aber namentlich genannt zu werden.“

Die Lebensgeschichte von Emil Kosa Jr. begann in Paris. Dort kam er am 28. November 1903 zur Welt. Sein Vater, Emil Kosa Senior, war selbst ein renommierter Künstler und Mitarbeiter von Alfons Mucha Ende des 19. Jahrhunderts. Er gehörte zu dem Kreis von Künstlern, die Mucha für seine internationalen Projekte beauftragte. Aus diesem Grund ließ sich Emil Kosa Senior in Paris nieder und gründete dort eine Familie, wie Jaroslav Olša erzählt:

Emil Kosa Senior | Foto: Jaroslav Olša,  Jr.,  „Czech Painters of California“ / Czechoslovak Society of Arts & Sciences,  Los Angeles

„Emil Kosa Jr. wurde in Paris als Sohn der Französin Jeanne Marès geboren, was lange Zeit dazu führte, dass er fälschlicherweise für einen französisch-amerikanischen Maler gehalten wurde. Leider starb seine Mutter, als er etwa drei Jahre alt war. Sein Vater suchte sich eine neue Frau, und zudem waren die Möglichkeiten in Paris nicht mehr so vielversprechend wie früher. So kehrte er nach Böhmen zurück, heiratete eine Tschechin, und der kleine Emil Kosa Jr. aus Paris wuchs schließlich in Mähren auf, wie ein typisches tschechisches Kind. Das heißt, er ging auf eine tschechische Schule und wurde ein echter kleiner Tscheche.“

Freie Kunst und Filmarbeit

Emil Kosa Jr. | Foto: Jaroslav Olša,  Jr.,  „Czech Painters of California“ / Czechoslovak Society of Arts & Sciences,  Los Angeles

Doch war es nicht weder Frankreich noch Tschechien, sondern Kalifornien, das seine Karriere maßgeblich prägen sollte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sein Vater durch Kontakte im Umfeld von Alfons Mucha in die Vereinigten Staaten von Amerika eingeladen. Emil Kosa Jr., kaum 20 Jahre alt, unterbrach sein Studium in Prag und folgte seinem Vater nach Los Angeles. Der Sohn setzte dann sein Studium am California Art Institute fort. Zusammen mit seinem Vater fertigte er Wandmalereien an und betrieb ein Geschäft, das sich auf dekorative Kunst für Kirchen und Zuschauersäle spezialisierte. 1927 wurde Emil Kosa Jr. amerikanischer Staatsbürger, ging aber für ein Jahr nach Europa. Er studierte an der École des Beaux-Arts in Paris, wo er unter anderem von František Kupka unterrichtet wurde.

In Kalifornien etablierte sich Emil Kosa Jr. schnell als ein Meister der Aquarellmalerei. Er wurde zu einer Schlüsselfigur der sogenannten Kalifornischen Schule der 1930er und 1940er Jahre. Helena Musilová ist Kunsthistorikerin und Kuratorin der Galerie der Stadt Prag:

Helena Musilová und Jaroslav Olša | Foto: Anna Kubišta,  Radio Prague International

„Besonders interessant an Emil Kosa Jr. ist seine Begegnung mit der kalifornischen Kunstszene, vor allem aber die Tatsache, dass er zu den Begründern der kalifornischen Aquarellmalerei zählt. Man versteht erst wirklich, warum sich diese Künstler der Aquarellmalerei zuwandten, wenn man nach Kalifornien reist. Das besondere Licht, ganz anders als in Mitteleuropa oder Paris, erforderte eine völlig andere Malweise. Ich habe früher die Werke von Emil Kosa Jr. nur aus Drucken gekannt und konnte sie daher nicht vollständig in seinen Kontext einordnen. Doch die Erfahrung des Ortes ist absolut grundlegend und spiegelt sich deutlich in seinem Werk wider. Im Schaffen von Emil Kosa Jr. lässt sich somit eine bemerkenswerte Verbindung zwischen der Ausbildung in Mitteleuropa und Paris sowie der persönlichen Erfahrung der kalifornischen Landschaft erkennen. Seine Werke zeichnen sich durch einen sehr klaren, fast blendenden Umgang mit Licht aus, der in Mitteleuropa als unpassend angesehen würde.“

Sonniges Kalifornien: Meister der Aquarellmalerei

Im Unterschied zu vielen seiner Zeitgenossen gelang es Emil Kosa Jr., seine Karriere als freischaffender Maler erfolgreich mit einer intensiven Arbeit für das Kino zu verbinden, betont Jaroslav Olša:

„Er hat etwas Außergewöhnliches geleistet. Er brillierte sowohl in der freien, eigenen Malerei, als auch in seiner Filmarbeit – und das stets auf höchstem Niveau.“

Emil Kosa Jr.,  „The Sun Admits Summer“ | Quelle: Jaroslav Olša,  Jr.,  „Czech Painters of California“ / Czechoslovak Society of Arts & Sciences,  Los Angeles

Emil Kosa Jr. etablierte sich in den 1930er und 1940er Jahren als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der kalifornischen Schule und beeinflusste eine Reihe weiterer Künstler. Kennzeichnend für sie war die Landschaftsmalerei. Zu den bis heute begehrtesten Werken von Kosa zählen aber nicht seine Naturlandschaften, sondern seine Stadtansichten. Denn Emil Kosa Jr. habe einen ganz besonderen Moment in der Entwicklung von Los Angeles festgehalten, wie Jaroslav Olša beschreibt:

Emil Kosa Jr. | Quelle: Jaroslav Olša,  Jr.,  „Czech Painters of California“ / Czechoslovak Society of Arts & Sciences,  Los Angeles

„Emil Kosa Jr. malte mit großer Leidenschaft die rasante Entwicklung von Los Angeles. In den 1930er und 1940er Jahren erlebte die Stadt ein spektakuläres Wachstum. Er durchstreifte die Außenbezirke und schuf eine ganze Reihe von Gemälden, die Traktoren und Bulldozer vor dem Hintergrund der entstehenden Stadt zeigen. Das Besondere an diesen Werken war, dass er ein herausragender Maler war und es verstand, diesen Wandel mit großer Präzision einzufangen. Diese Gemälde spiegeln die Veränderungen in Los Angeles perfekt wider und werden deshalb seit jeher hoch geschätzt. Tatsächlich sind es genau diese Bilder, die am häufigsten auf Buchcovern zu sehen sind, auch auf solchen, in denen es nicht um Malerei geht. Denn sie zeigen, was Los Angeles in Wirklichkeit ist – und was es sein möchte.“

Stadtansichten von Los Angeles

Emil Kosa Jr. habe mit großer Präzision gearbeitet und eine vergangene Ära eingefangen, ergänzt Helena Musilová:

„Natürlich gibt es Fotografien. Die Schwarz-Weiß-Fotos wurden damals zwar oft koloriert, sie lassen aber die Farben vermissen, die dort strahlende Sonne. In Kosas Werken zeigen sich die Emotionen der Stadt: die Hitze, der Staub, die Aufbruchsstimmung. All das, so glaube ich, basiert auf seiner europäischen Ausbildung als Maler. Er wusste, wie er all das auf Ölgemälden wiedergeben konnte. Kosa hatte dies von seinem Vater gelernt, denn das waren Techniken, die man unbedingt beherrschen musste, wenn man mit Künstlern wie Alfons Mucha zusammenarbeiten wollte. Dieses Handwerk konnte er in Kalifornien zum Einsatz bringen.“

Die Kunsthistorikerin erwähnt noch ein weiteres wichtiges Merkmal von Kosas Schaffen:

„Da er seit Mitte der 1920er Jahre nur noch in den USA lebte, wurde er von europäischen Strömungen und Themen wie etwa dem Surrealismus nicht berührt. Es gab dort nicht die konkrete Bedrohung durch den Zweiten Weltkrieg, die komplizierten Beziehungen, die in Europa herrschten. Bei ihm lässt sich der Weg nach vorne klar lesen – man blickt nach vorne und baut im Rahmen des New Deal ein neues Amerika auf. Dadurch trennt sich sein Weg von der europäischen Tradition, auf der er aufbaut.“

Parallel dazu spielte Emil Kosa Jr. eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Spezialeffekte in Hollywood. Wie viele andere tschechische Künstler arbeitete er an monumentalen Kulissen, Filmsets und Matte Paintings auf Glas.

Suchscheinwerfer von 20th Century Fox und Trümmer der Freiheitsstatue

Kosas berühmtesten Einfall konnten die Zuschauer Ende der 1960er Jahre in der Schlussszene des Science-Fiction-Klassikers „Planet der Affen“ sehen. Dort lagen die Trümmer der New Yorker Freiheitsstatue auf dem Sandstrand und machten den vor den Affenherrschern entflohenen Menschen klar, dass sie sich nicht auf einem fremden Planeten, sondern auf der Erde befinden.

Jaroslav Olša fügt hinzu:

„Er malte die zerstörte Freiheitsstatue auf eine Glasplatte. Durch diese Glasscheibe hindurch wurde die Schlussszene gefilmt, in der die Hauptfigur auf einem Pferd reitet und die Freiheitsstatue sieht.“

Seine berühmteste Kreation entstand aber wesentlich früher. Es ist das Suchscheinwerfer-Logo von Twentieth Century Fox, das Kosa 1933 entwarf. Olša erzählt:

Fred Sersen und das Atelier des Hollywood-Duos Kosa - Sersen | Quelle: Jaroslav Olša,  Jr.,  „Czech Painters of California“ / Czechoslovak Society of Arts & Sciences,  Los Angeles

„Selbst bei Fox, das heute im Besitz von Netflix ist, wusste niemand, wer dieses Logo entworfen hatte. Ich habe in Los Angeles viel darüber berichtet. Tatsächlich arbeiteten viele Tschechen in Hollywood, wie etwa Adolf Lešovský, der zusammen mit Cecil B. DeMille an Bibelverfilmungen tätig war. Ab den 1930er Jahren, mit dem Aufkommen der ersten großen Kinofilme, wurde die Bedeutung von Spezialeffekten immer wichtiger. Damals trat eine Schlüsselfigur auf den Plan: ein weiterer Tscheche namens Fred Sersen – eigentlich Ferdinand Sršeň –, der die Leitung der Spezialeffektabteilung bei Twentieth Century Fox übernahm und mehrere talentierte Landsleute in sein Team holte. Diese Tradition setzte sich in den 1960er und 1970er Jahren fort, mit Persönlichkeiten wie Jerry Gebr (Jaroslav Gebr, Anm. d. Red.), der insbesondere für seine Kopie der Sixtinischen Kapelle für einen berühmten Film über Michelangelo aus den 1960er Jahren bekannt ist. Tschechen sind also schon lange in Hollywood präsent. Ich glaube, dass das erst jetzt von manchen Menschen zur Kenntnis genommen wird.“

Trotz seines großen Einflusses auf die Spezialeffekttechnik in Hollywood und die amerikanische Malerei ist Emil Kosa Jr. – wie weitere tschechische Kollegen in Kalifornien – relativ unbekannt in seiner Heimat.

Ausstellung 2028

Die Tschechen hätten nicht die Fähigkeit besessen, ihre berühmten Persönlichkeiten anzuerkennen und zu präsentieren, bedauert Helena Musilová:

Jaroslav Olša und Helena Musilová | Foto: Anna Kubišta,  Radio Prague International

„Und das ist wirklich schade. Vielleicht hängt dies mit einer bestimmten Charaktereigenschaft der Mitteleuropäer zusammen. Wir fühlen uns hier in unserer leicht gewellten Landschaft wohl, wir sind zufrieden, und sobald jemand die Grenzen auch nur ein bisschen überschreitet, nehmen wir es ihm übel. Natürlich verallgemeinere ich hier etwas, aber andererseits hatten wir eine ganze Reihe bedeutender Künstler, die nach 1948 oder nach 1968 emigrierten und die bei ihrer Rückkehr nach der Samtenen Revolution nicht unbedingt mit großer Begeisterung empfangen wurden.“

Im tschechischen Kontext würden nur diejenigen wirklich wahrgenommen, die zurückgekehrt seien, ergänzt Jaroslav Olša.

Emil Kosa Jr. besuchte in den 1960er Jahren nur kurz und unter ungeklärten Umständen die Tschechoslowakei. Er starb am 4. November 1968 in den Vereinigten Staaten und geriet allmählich in Vergessenheit. Heute wird sich für sein Werk sowohl in den USA als auch in Mitteleuropa wieder interessiert. 2028 soll eine große Ausstellung, kuratiert von Helena Musilová, in Prag stattfinden und Emil Kosa Jr. präsentieren.