Comenius-Projekt der Österreichischen Schule Prag

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Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zu unserer Sendereihe "Begegnungen", deren Schwerpunkt - die tschechisch-deutschen Beziehungen - wir wie in der heutigen Sendung hin und wieder in einen gesamteuropäischen Kontext einbetten möchten. Gegenstand des heutigen Beitrags ist ein von der EU gefördertes Unterrichts-Projekt, an dem sich die Österreichische Schule Prag gemeinsam mit vier Partnerschulen aus Rumänien, Österreich, dem Baskenland und Großbritannien seit März vergangenen Jahres beteiligt. Der Titel des auf insgesamt drei Jahre anberaumten Vorhabens lautet "Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft". Über die Hintergründe des Projektes sowie erste Ergebnisse der knapp einjährigen Zusammenarbeit mehr in den folgenden Minuten. Am Mikrophon begrüßt Sie Silja Schultheis.

Das erwähnte Projekt ist integriert in das COMENIUS-Programm der EU, welches die Zusammenarbeit zwischen Schulen aus unterschiedlichen europäischen Staaten, inklusive der EU-Beitrittskandidaten fördert. Ziel dabei ist es, über den Tellerrand des herkömmlichen Unterrichtes hinaus und vermittels neuer Lehrmethoden die Schüler mit einem Europa-Begriff vertraut zu machen, welcher auch der in Aussicht stehenden EU-Erweiterung Rechnung trägt. Eben jene Suche nach neuen Unterrichtsformen war es, die die Österreichische Schule Prag dazu veranlasste, sich um eine Förderung im Rahmen des Comenius-Programmes zu bewerben. Manfred Martin, Projektkoordinator der Österreichischen Schule, erinnert sich in einer unlängst erschienenen Publikation über die erste Projektphase an die Initialzündung für das Vorhaben auf einer mehrere Jahre zurückliegenden Klassenfahrt:

"Es kam zwischen mir und einem Schüler zu einem interessanten Gespräch über Sinn und Qualität unserer Schule. Er meinte, sie wäre ganz gut, aber sie böte außerhalb des Unterrichts nichts an. (...) In der Folge suchten wir nach finanziellen Mitteln für andere Arbeitsformen in - und außerhalb des Unterrichts. Und wir erhielten tatsächlich eine Projektunterstützung durch die Europäische Union. (...)"

Im Anschluss daran entwickelten Lehrer der beteiligten Partnerschulen aus der übergeordneten Idee mehrere konkrete Teilprojekte zum Thema "Vergangenheit" - dem Leitmotiv des ersten Projektjahres - die in folgenden Ergebnissen resultierten: einer Webseite, einer Ausstellung von Schülerzeichnungen, einem Film sowie einer Sammlung von 25 verschriftlichten Zeitzeugeninterviews. Wen die Schüler im Rahmen dieses oral-history-Experiments beispielsweise befragten und zu welchen Themen, führte Manfred Martin in einem Gespräch mit Radio Prag aus:

Wie unterschiedlich die Schüler selbst ihre Reaktion auf die Projektidee rückblickend beurteilen, erschließt sich aus den folgenden Stellungnahmen zweier Projektteilnehmer der Österreichischen Schule Prag.

Ausschlaggebend dafür, dass Jakub Drdák schließlich doch Feuer für die Zeitzeugenbefragung fing, war die Möglichkeit, durch die Gespräche ein eigenes Interesse vertiefen zu können. Seine Motivation - so Drdák - habe in dem Moment eingesetzt,

Der Projektkoordinator der Österreichischen Schule begreift die positive Resonanz seiner Schüler auf die Zeitzeugengespräche als Aufforderung, diese Form der Geschichtsvermittlung auch künftig in den Unterricht mit einzubeziehen. Gleichzeitig schränkt er jedoch ein:

Als Ansporn für weitere Schulen, sich möglicherweise an ähnlichen Vorhaben zu beteiligen, bilanziert Martin das Verhältnis zwischen dem in die Projektarbeit investierten Aufwand und den Resultaten, die die Suche nach Fördermitteln und öffentlichen Räumen für die Präsentation der eigenen Ergebnissen nach sich ziehen können:

Über den Fortgang des Projektes sowie über weitere Termine können sich Interessierte auf der Webseite der Österreichischen Schule Prag informieren, auf der auch einige der Zeitzeugenberichte - allerdings in gekürzter Form - erscheinen werden: www.oesp.cz Auf folgenden Termin möchte ich Sie bereits an dieser Stelle hinweisen: Ab dem 12. Februar dieses Jahres präsentiert die Österreichische Schule Ergebnisse aus dem ersten Projektjahr für einen Monat im Prager Comenius-Institut, wo auch eine gebundene Version der Zeitzeugeninterviews erhältlich sein wird.