Corona-Pandemie beschränkt Freizeitsportler, Profis nutzen jeden Wettkampf

Foto: ČTK / Vojtěch Hájek

Die anhaltende Corona-Pandemie ist unter anderem ein Einschnitt für alle Hobby- und Freizeitsportler, denn sie dürfen nicht in größerer Zahl an Wettkämpfen teilnehmen. Das ist beispielsweise an diesem Wochenende beim 50-Kilometer-Isergebirgslauf der Fall. Doch auch die Profis treffen in dieser Saison nicht auf Idealbedingungen.

Leichtathleten testeten in Ostrava ihre Form für Hallen-EM in Toruń

Jan Veleba  (Foto: Ivana Roháčková,  Archiv ASC Dukla)

Eigentlich wären die Leichtathleten in das Jahr 2021 mit einer ganzen Reihe von neuen Olympiasiegern gestartet, die im vergangenen Sommer in Tokio gekrönt werden sollten. Wegen der Coronavirus-Pandemie aber wurden die Olympischen Spiele in dieses Jahr verschoben. Doch nicht nur das: Gerade in der Leichtathletik fiel 2020 ein Meeting nach dem anderen aus, was den Protagonisten dieses Sports arg zu schaffen machte. Zu ihnen zählt Tschechiens Rekordmann im 100-Meter-Sprint, Jan Veleba:

Jan Veleba  (Foto: ČTK / Vladimír Pryček)

„Das ist natürlich unangenehm für jeden von uns. Ich habe mich stets darauf vorbereitet, dass dieser oder jener Wettkampf stattfinden könnte, doch dann fiel er aus. So habe ich es auch im vorigen Frühjahr getan, denn leider bleibt uns nichts anderes übrig.“

Umso mehr erfreut sind Veleba und seine Kollegen, wenn internationale Meetings tatsächlich ausgetragen werden, und sei es „nur“ auf dem Hallenparkett. Das war am vergangenen Mittwoch der Fall, als im mährisch-schlesischen Ostrava / Ostrau die Czech Indoor Gala ausgetragen wurde. Sie diente für die tschechischen Spitzenathleten und einige internationale Gäste als Vorbereitung auf die Hallen-Europameisterschaft, die ab dem 4. März im polnischen Toruń stattfindet. Tomáš Staněk ist im Kugelstoßen einer der Medaillenkandidaten. Den Wettkampf in Ostrau gewann der 29-jährige Prager mit der Siegerweite von 20,94 Meter. Doch mit der technischen Umsetzung seiner Stöße war Staněk nicht rundum zufrieden:

Tomáš Staněk  (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)

„Physisch bin ich in einer guten Form. Doch von der langen Anreise habe ich mich nicht gut erholt. Mir sind die Füße etwas ‚eingeschlafen‘. Und wenn der Unterbau des Körpers nicht mitmacht, dann kann man noch so viel Kraft in den Kugelstoß stecken, die Weite ist nicht dann aber optimal.“

Ebenfalls nicht ganz optimal in die neue Saison gestartet war der dreifache Hallen-Weltmeister über 400 Meter, Pavel Maslák. Bei einem Hallenmeeting in Karlsruhe belegte der Athlet aus Havířov nur den dritten Platz. Und das in einer Zeit, die um 29 Hundertstel über der seines Landsmannes Vít Müller lag. In Ostrau aber zeigte er sich in besserer Form: Maslák gewann sein Rennen in der europäischen Jahresbestzeit von 46,22 Sekunden:

Pavel Maslák  (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana)

„Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, denn ich konnte damit auch meine Trainingsergebnisse bestätigen. Meine Formkurve zeigt nach oben. Jetzt werde ich noch etwas an meiner Grundschnelligkeit trainieren, und bei der EM sollte es dann noch besser laufen.“

Maslák hegt indes noch einen anderen Wunsch für den Hallengipfel in Toruń: einige Zuschauer in der Halle…

Pavel Maslák  (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana)

„Bei jedem Wettkampf ist es etwas anders. In Karlsruhe wurden einige Zuschauer in die Halle gelassen, das fand ich gut. Denn nach dem Zieleinlauf ist man groggy und die Muskulatur ist steif. Wenn man dann aber ein paar Zuschauer jubeln hört, wird einem gleich etwas besser. In Ostrau ist es schlechter, denn die Halle ist großräumig, aber es herrscht Grabesstille. Daher fühle ich mich hier fast wie im Training.“

Vermutlich wird Masláks Wunsch aber nicht in Erfüllung gehen. Denn die Hallen-EM soll wie die Czech Indoor Gala in Ostrau ohne Zuschauer stattfinden.


50-km-Isergebirgslauf findet am Sonntag ohne Amateure statt

Foto: Archiv des 50-Kilometer-Isergebirgslaufes

Am bevorstehenden Wochenende kommt es zu einem der Höhepunkte in jeder tschechischen Skisaison. Es ist der 50-Kilometer-Isergebirgslauf. Auch wegen der Masse an Teilnehmern genießt er Kultstatus. Doch in diesem Jahr ist das Feld derjenigen, die tatsächlich auf Skiern durch das verschneite Isergebirge laufen, wegen der Coronavirus-Pandemie so klein wie wohl noch nie zuvor. Den Grund dafür nennt David Douša von der den Event veranstaltenden Agentur Raul!:

David Douša  (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Am 50-Kilometer-Isergebirgslauf können in diesem Jahr nur Profisportler teilnehmen, weil nur sie gemäß den aktuellen Corona-Regeln zugelassen sind. Sie werden zwei Wettkämpfe austragen. Die Amateursportler müssen hingegen zu Hause bleiben. Denn leider haben wir für sie vom Gesundheitsministerium auch nach monatelangen Verhandlungen keine Ausnahmegenehmigung erhalten.“

Foto: Archiv des 50-Kilometer-Isergebirgslaufes

Das hat zur Folge, dass in diesem Winter nur zwei der acht geplanten Rennen ausgetragen werden – der Hauptwettbewerb über 50 Kilometer, der am Sonntag von 150 Männern und 30 Frauen aus dem Profilager absolviert wird, sowie das Sprintrennen am Freitag, an dem ebenfalls nur Profis teilnehmen. Dabei hatten die Veranstalter versucht, den gesamten Event zu entzerren. So sollten die Rennen über 10, 25 und 50 Kilometer im klassischen Stil sowie die 30 Kilometer im freien Stil auf zehn Tage verteilt werden. Seit September wurde versucht, mit dem Gesundheitsministerium darüber zu verhandeln. Die erste Besprechung kam erst im Dezember zustande. Bei ihr seien dann mehrere Varianten von den Gesundheitshütern abgelehnt worden einschließlich der Möglichkeit, alle Teilnehmer vor den Rennen auf das Virus testen zu lassen, so Douša. Deshalb können die mehr als 5000 gemeldeten Freizeitsportler diesmal in Bedřichov / Friedrichswald nicht in die Loipe gehen, sondern müssen mit einer Online-Variante des Rennens vorliebnehmen. Das bedeutet, dass sie irgendwann zwischen dem 6. und 28. Februar an einem selbst gewählten Ort ihr eigenes Rennen absolvieren und dies auf die Website des Isergebirgslaufes hochladen. David Douša:

„Zudem besteht für alle, die den virtuellen Wettbewerb nicht unbedingt im Schnee betreiben wollen, die Möglichkeit, dies beispielsweise auch mit dem Rad, mit Rollerski oder zu Fuß zu tun.“


Fußball: Trainer und Therapeuten steuern höhere Belastung der Spieler

Ludvík Maier  (Foto: Archiv Slavia Prag)

Infolge der Corona-Pandemie haben die Fußballteams der ersten tschechischen Liga ein härteres Programm als sonst. Zunächst wurde das Oberhaus vor Saisonbeginn von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt. Der Grund war der, dass wegen des Lockdowns im vergangenen Frühjahr keine Relegationsspiele zwischen der ersten und zweiten Liga stattfanden. Zudem starteten die Clubs später als sonst in die laufende Saison, und wegen der am 11. Juni beginnenden Europameisterschaft haben sie nach nur kurzer Festtagspause schon ab Mitte Januar ihren Punktekampf fortgesetzt. Die höhere Belastung für alle Spieler ist augenscheinlich. Der Chefphysiotherapeut von Slavia Prag, Ludvík Maier:

„Kleinere Probleme zeigen sich durch Knöchel- und Muskelverletzungen. Das hat sich bei uns zuletzt gehäuft, doch die Gründe dafür sehe ich vor allem in den schlechteren Platzverhältnissen, die jetzt herrschen.“

Slavia Prag  (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)

Das Programm des tschechischen Meisters erhöhte sich im Herbst noch durch die Gruppenphase in der Europa League, in der sechs Begegnungen zu bestreiten waren. Dasselbe Zusatzpensum hatte das Team von Slovan Liberec, das im Gegensatz zu Slavia im europäischen Wettbewerb ausgeschieden ist. Die Nordböhmen haben einen kleineren Kader als die Hauptstädter, doch auch sie meisterten das anstrengende Programm mit Bravour. In der Saisonvorbereitung habe man die Erfahrungen aus der vergangenen Saison genutzt, nachdem diese – bedingt durch eine lange Coronavirus-Pause – im Eiltempo zu Ende gespielt wurde, schildert Konditionstrainer Tomáš Pupkay:

„Das straffe Programm zum Ende der vorigen Saison, als binnen acht Wochen etliche Punktspiele in dichter Folge absolviert wurden, war für alle wie auch für mich persönlich anstrengender als diese Saison mit unserer Teilnahme in der Europa League.“

Slovan Liberec  (Foto: ČTK / Miroslav Chaloupka)

Zudem wird moderne Technologie eingesetzt, um das Training zu steuern. So ließe sich rechtzeitig erkennen, wann sich erste Ermüdungserscheinungen bei einem Spieler einstellen, erklärt Pupkay. Und der Konditionstrainer versichert:

„Niemals trainieren wir so viel, dass wir die Spieler in einem bestimmten Zeitraum überlasten würden und sie so anfälliger für Verletzungen sind.“

Zugleich greife man auf altbewährte Methoden zurück, betont Slavias Chefphysiotherapeut Maier:

„Ich kann mich da nur wiederholen: Nichts ist wichtiger für eine gute Erholung als ein langer und tiefer Schlaf. Und erst recht, wenn sich der Spieler zu Hause bei seiner Familie ausruht.“

Illustrationsfoto: Phillip Kofler,  Pixabay / CC0

Am vergangenen Wochenende ist die sogenannte Fortuna Liga in ihre Rückrunde gestartet. Bis zum Abschluss der Saison am 29. Mai stehen noch 16 Spieltage und einige Nachholspiele auf dem Programm. Dazwischen gibt es Ende März eine kurze Länderspielpause und in der zweiten Aprilhälfte eine englische Woche.

Autoren: Lothar Martin , David Procházka , Mirko Vasić
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