CzechTrade: mehr Erfolgsfälle, doch Märkte außerhalb der EU unter Druck

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Die Exportagentur CzechTrade bilanziert aus ihrer Sicht ein erfolgreiches Jahr. Mehr vermittelte Aufträge, mehr Klienten – und das vor dem Hintergrund, das allgemein die tschechischen Ausfuhren rekordträchtig waren. Zu den erfolgreichsten Büros von CzechTrade gehörte dabei das in Düsseldorf. Zugleich aber ging der Anteil des Exports in Länder außerhalb der EU zurück – doch genau darauf soll sich eigentlich CzechTrade verstärkt konzentrieren.

Foto: Archiv CzechTrade
Die genauen Zahlen kamen am Montag heraus: 3,89 Billionen Kronen (144 Milliarden Euro) war der tschechische Export im vergangenen Jahr wert. Das ist Rekord – und 7,2 Prozent mehr als noch 2014. Bei der Pressekonferenz zu den Ergebnissen von CzechTrade sagte Industrie- und Handelsminister Jan Mládek:

„Im vergangenen Jahr war nicht nur der Export erfolgreich, sondern allgemein die Wirtschaft hierzulande. Nach vorläufigen Zahlen lag der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts bei 4,5 Prozent. Dazu hat in besonderem Maße der Export beigetragen, mit fast vier Billionen Kronen hat er einen unglaublichen Wert erreicht. Dank des Wachstums und der Steigerung des Exports hat Tschechien derzeit die zweitniedrigste Arbeitslosenrate innerhalb der EU, direkt hinter Deutschland. Und was ich ebenfalls für sehr wichtig halte: Es kommt zum Wachstum der Reallöhne.“

Jan Mládek (Mitte). Foto: Archiv CzechTrade
Jan Mládek verwies dabei vor allem auf die Wirtschaftsdiplomatie, diese hat für die Mitte-Links-Regierung in Prag hohe Priorität. In sein Lob schloss er ausdrücklich die staatliche Exportagentur CzechTrade ein. Diese sei besonders von Bedeutung für die Ausfuhren in Länder außerhalb der Europäischen Union. Damit sprach der Sozialdemokrat die Hauptstoßrichtung an für die tschechische Wirtschaftsdiplomatie: Vor allem sollen neue Länder für den Export erschlossen werden.

Anteil des Exports in EU-Länder steigt

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Realität ist allerdings, dass in der letzten Zeit einige der wichtigsten Märkte für Tschechien außerhalb der EU weggebrochen sind: Syrien, Irak und Libyen durch Krieg und islamistischen Terror. Zudem haben der Konflikt im Donbass, der Verfall des Rubels und der Ölpreisverfall die Geschäfte mit Russland und der Ukraine massiv beeinträchtigt. Aber nicht nur das, wie Minister Mládek ausführt:

„Letztlich sind auch solche Länder in Schwierigkeiten geraten, auf die wir für eine gewisse Diversifikation des Exports gehofft hatten. Dazu gehören Kasachstan und Aserbaidschan. Sie leiden darunter, dass der Barrel Öl rund 30 Dollar kostet. Ihnen fehlt so langsam die Kaufkraft. Diese Länder haben aber gegenüber Russland einen großen Vorteil: Sie kommen an Kredite heran. Und sie erhalten Kredite auch ohne größere Probleme, da alle erwarten, dass der Ölpreis nicht ewig so niedrig bleiben wird.“

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Die Folge schlechter Handelsbedingungen in Nahost und Osteuropa ist aber eine ernüchternde Zwischenbilanz für die geplante breitere Streuung des Exports. Das musste Minister Mládek auch eingestehen:

„Uns beunruhigt, dass trotz aller Bemühungen erneut der Anteil des Exports in die EU an den gesamten Ausfuhren gestiegen ist. Der Anteil liegt mittlerweile bei 84,5 Prozent. Das heißt, der Anteil des Exports in Länder außerhalb Europas erreicht nur 15,5 Prozent. Und das ist ein erneuter Rückgang.“

Dabei liegen die Gewinnmargen für die Firmen in der EU geringer als anderswo auf der Welt. So erklärt sich, warum immer mehr Unternehmen nach Absatzmöglichkeiten außerhalb der Union suchen. Auch das hat dazu geführt, dass CzechTrade im vergangenen Jahr 19 Prozent mehr Klienten betreut hat. Doch gerade weil der russische Markt weggebrochen ist, sank der Gesamtwert der vermittelten Aufträge beträchtlich. Er erreichte nur etwa ein Fünftel des Jahres 2014. So wurden Aufträge im Umfang von 1,3 Milliarden Kronen (48 Millionen Euro) vermittelt.

CzechTrade baut Netz an Vertretungen aus

Radomil Doležal (Foto: Archiv CzechTrade)
CzechTrade kümmert sich vorrangig um kleine und mittlere Firmen. Gerade aber bei diesen sieht der Generaldirektor der Exportagentur, Radomil Doležal, ein Informationsdefizit. Das soll sich nun ändern.

„Wir haben uns entschieden, die Dienste von CzechTrade bekannter zu machen. Das heißt, wir wollen nicht in unserem Palais in Prag sitzen, sondern in den Regionen auf Informationstour gehen. In einem Pilotprojekt wollen wir daher dieses Jahr fünf Mitarbeiter praktisch ins Terrain schicken, um unser Angebot an die Firmen heranzutragen. Wir nennen das die Export-Couch. Und ich glaube fest, dass dieses Modell weit mehr Firmen als bisher zu unseren Fachberatungen nach Prag bringen wird“, so Doležal.

Quelle: CzechTrade, CzechInvest, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Geplant ist, dass Exporteure ihre Erfolgsgeschichten schildern – und so Inspiration liefern. Aber man will nicht nur mehr informieren, sondern auch expandieren. Mittlerweile bestehen 48 Büros von CzechTrade, mit dem jüngsten in Teheran, 15 davon befinden sich in der EU. Und gerade der größere Anteil der Büros außerhalb der EU soll weiter wachsen:

„Insgesamt wollen wir uns um vier neue Büros verstärken: im indischen Bangalore, in Kanton in China, zudem ist eines in Nigeria geplant sowie ein zweites in den USA, dem großen Wachstumsmarkt.“

Büro in Düsseldorf mit den meisten Erfolgsfällen

Adam Jareš (Foto: Archiv DTIHK)
Die erfolgreichsten Büros von CzechTrade lagen aber im vergangenen Jahr in Städten der EU. Während 2014 noch Moskau den höchsten Wert an Aufträgen vermittelt hatte, war es diesmal Budapest. Auf die meisten erfolgreichen Vermittlungen kam wiederum das Büro in Düsseldorf, es waren 25. Damit wurde in der Stadt am Rhein an das vorangegangene Jahr angeknüpft. Adam Jareš ist Leiter der deutschen Repräsentanz von CzechTrade. Mit ihm entstand folgendes Interview:

Herr Jareš, Sie leiten das CzechTrade-Büro in Düsseldorf. Könnten Sie etwas zum Ergebnis des vergangenen Jahres sagen, wie sich das Büro in Düsseldorf geschlagen hat?

„Für uns war das letzte Jahr eigentlich ein Rekordjahr in allen Bereichen. Wir haben bisher 48 CzechTrade-Büros weltweit und das Düsseldorfer, sprich: das einzige deutsche Büro, war das Erfolgreichste. Ich muss drei Mal auf den Tisch klopfen: Ich hoffe, dieses Jahr werden wir das fortsetzen. Es sieht sogar so aus, als könnten wir die Zahlen noch verbessern.“

Illustrationsfoto: Olga Štrejbarová, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Welches waren die wichtigen Aktionen, die besonders etwas gebracht haben?

„Es ist schwierig, das zu verallgemeinern. Wir haben im vergangenen Jahr für ungefähr 200 tschechische Unternehmen gearbeitet. Zu unserer Rolle: Wir begleiten tschechische Unternehmen, vor allem tschechische Exporteure, die den Markt erschließen wollen. Es sind Unternehmen schwerpunktmäßig aus dem Bereich Maschinenbau, aber auch Hersteller von Nahrungsmitteln, Möbeln oder etwa Beleuchtungen. Das Portfolio tschechischer Firmen, die nach Deutschland gehen oder exportieren wollen, ist extrem breit.“

Flurfördermittel (Illustrationsfoto: Mattes, CC BY-SA 3.0)
Erstaunt es nicht, dass der deutsche Markt, der mittlerweile schon fast abgegrast sein sollte, weiterhin Perspektiven für tschechische Unternehmen bietet?

„Der deutsche Markt ist der größte Markt. Ein Drittel aller unserer Exporte fließen nach Deutschland, und es gibt sicherlich noch extrem viel Potenzial. Wir arbeiten mit Firmen zusammen, die bisher nur in Tschechen und der Slowakei tätig sind und das erste Mal ins Ausland exportieren wollen. Deutschland ist ein reicher Markt, die Kaufkraft ist hoch, natürlich ist auch der Wettbewerb riesig, aber es gibt extrem viele Gelegenheiten auf dem Markt. Das war so, und das wird auch in der Zukunft so bleiben. Es gibt sehr viele Firmen, die bisher noch nicht exportieren. Sie wollen erst einmal probieren, über die Grenzen hinaus ihre Ware auszuliefern – und Deutschland bietet sich dafür natürlich an als größter Nachbarmarkt. Wir haben jeden Tag mit Unternehmen zu tun, die tolle Produkte haben, und für die ist Deutschland sicher eine wunderbare Plattform, um diese Produkte abzusetzen. Im Moment arbeiten wir zum Beispiel für einen Hersteller von Flurfördermitteln. Es handelt sich um eine Firma, die in Mittel- und Osteuropa aktiv ist, aber noch nicht nach Westeuropa exportiert. Sie hat mit viel Geld einen akkubetriebenen Wagen entwickelt. Wir haben in den letzten Wochen 20 deutsche Unternehmen angesprochen, fünf von ihnen möchten den Vertrieb für diesen Wagen übernehmen – sie möchten diesen innovativen, Akkumulatoren getriebenen Wagen also verkaufen.“

Zweites Vertretung von CzechTrade in Deutschland?

Angesichts des Erfolgs in Düsseldorf stellt sich die Frage, ob nicht Pläne bestehen für ein weiteres Büro in Deutschland. Dazu CzechTrade-Generaldirektor Radomil Doležal gegenüber Radio Prag:

„Als Plan würde ich das nicht bezeichnen, aber es gibt gewisse Überlegungen. Der Ausbau unseres Netzes an Büros erfolgt logischerweise vor allem außerhalb Europas, denn die strategische Zielrichtung der Regierung ist, den Export breiter und auch außerhalb der EU aufzustellen. Dennoch sehen wir weiter Deutschland als Schlüsselmarkt. Und deswegen müssen wir genauso erwägen, die bestehenden Strukturen zu verstärken. Es ist also kein Plan, sondern eine Idee, mit der wir uns in aller Ernsthaftigkeit beschäftigen. Es ist eine Frage der Strategie, wie man vorgehen will. Aber ich denke, gerade Deutschland verdient eine stärkere Struktur als derzeit. Wir wissen, dass die Nachfrage dort größer ist, als wir sie derzeit befriedigen können.“

Foto: fishtik, Free Images
Kein Wunder, dass die tschechischen Ausfuhren auf den deutschen Markt im vergangenen Jahr überdurchschnittlich zugenommen haben. Ein Plus von 8,7 Prozent stand zu Buche, bei einer Gesamtsumme von 1,26 Billionen Kronen (46,6 Milliarden Euro). Fast ein Drittel des tschechischen Exports ging damit ins Nachbarland.

Autor: Till Janzer
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