Das Spiel, das niemand will? Vor dem Test Deutschland - Tschechien

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Aus Sicht des tschechischen Fußballs ist eine Begegnung mit Deutschland eigentlich ein echtes Highlight. Und vor allem, da das Spiel auch noch im nahen Leipzig ausgetragen wird. Aber in Zeiten der Corona-Pandemie ist alles anders.

Jaroslav Šilhavý (Foto: Archiv FAČR)

Am Mittwoch tritt Tschechien zu einem Testspiel in Leipzig an. Was für die Kicker um Bundesligaprofi Vladimír Darida ansonsten ein Festtag wäre, ist in der aktuellen Lage eher eine Farce. Schon bei den Begegnungen im Oktober war das Team von Nationaltrainer Jaroslav Šilhavý teils Corona-geschwächt aufgelaufen. Nun fehlen unter anderem drei Kräfte von Meister Slavia Prag, weil sie einen positiven Test hatten. Insgesamt muss Šilhavý – nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen Verletzungen – auf neun Spieler verzichten und hat deswegen noch nachnominiert.

„Falls das so weitergeht, können wir wenigstens auf unsere Erfahrung in solchen Situationen zurückgreifen. Wir haben mehr Spieler berufen als sonst“, so der Coach bei einer Pressekonferenz in Prag in der vergangenen Woche.

Jaroslav Šilhavý spielte damit vor allem auf die Begegnung in der Nations League im September gegen Schottland an. Da war er gezwungen, ein komplettes B-Team aufs Feld zu schicken – und musste selbst auch die Leitung seinem Assistenten anvertrauen, weil er ebenfalls in Quarantäne war.

Toni Kroos (Foto: Anton Saizew, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Und die DFB-Elf? Sie wird ohnehin ohne die Stars von Bayern München antreten sowie auf Toni Kroos, Timo Werner und Matthias Ginter verzichten. Da fragt sich, welchen sportlichen Stellenwert die Begegnung überhaupt noch hat. Zumal keine Zuschauer zugelassen sind.

Libor Sionko ist der Manager der tschechischen Fußball-Nationalmannschaft. Unumwunden bekennt er, dass es besser wäre, wenn sich das Team auf die anstehenden beiden Nations-League-Begegnungen konzentrieren könnte:

„Wir haben uns das nicht ausgedacht. Wir sind verpflichtet, ein Testspiel zu dem Termin auszutragen wie alle anderen Fußballverbände auch. In der derzeitigen Lage ist das aber nicht leicht. Wenn wir wählen könnten, würden wir nur Nations League spielen und die Test-Begegnung auslassen. Das ist aber nicht möglich.“

Denn der Termin steht im offiziellen Kalender der Uefa und ist vorab abgesprochen gewesen.

Václav Jemelka (Foto: Tadeáš Bednarz, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Der Kader von Trainer Šilhavý umfasst 26 Spieler. Nachnominiert wurden auch einige aus der zweiten Reihe. Und die wiederum brennen darauf, sich gegen einen Gegner wie Deutschland zeigen zu können. So etwa der Verteidiger Václav Jemelka, der beim Verein aus dem belgischen Leuven unter Vertrag steht. Einige Klubs wie unter anderem Werder Bremen erlauben ihren Spielern von vornherein nicht, zu den Treffen der Nationalmannschaft ins Ausland zu fahren. Anders aber in Leuven, so Jemelka in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Der Vereinssekretär hat mich gefragt, ob ich zur Nationalmannschaft fahren will. Die Teams versuchen natürlich, ihre Profis davor zu schützen, dass sie sich mit dem Coronavirus anstecken. Auf der anderen Seite wollte man mir wohl die Chance nicht verwehren. Wohl deswegen haben sie mich gefragt, ob ich dieses – in Anführungszeichen – Risiko auf mich nehmen wolle. Ich habe aber keinen Moment gezögert und gesagt, dass ich natürlich hin will, weil das einen weiteren Schritt in meiner Karriere bedeutet.“

Weiter sagte Jemelka, ihm würde es auch nichts ausmachen, dass Deutschland nicht in Bestbesetzung antrete. Auch so habe das DFB-Team starke Spieler in seinen Reihen, findet der 25-Jährige. Ob Václav Jemelka aber auflaufen wird, ist eher fraglich. Wohl nur dann, wenn Trainer Šilhavý einen der angestammten Verteidiger schonen möchte.

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Nach dem Deutschland-Spiel bestreitet Tschechien noch zwei wichtige Begegnungen in der Nations League. Jeweils in Plzeň / Pilsen geht es dabei zunächst gegen Israel und dann gegen die Slowakei.