Der Wald ruft: Die Kunsthalle Praha lädt zum Spaziergang unter Bäumen ein
„Volání lesa“ (Ruf des Waldes) heißt eine neue Ausstellung von Kristýna und Marek Milde in der Kunsthalle Praha. Die in New York beheimateten Künstler mit tschechischen Wurzeln untersuchen darin die Verbindung von Natur und Stadt.
Eines der zentralen Exponate in der aktuellen Ausstellung der Prager Kunsthalle trägt den Namen „Arbomobil“. Es handelt sich um ein New Yorker Taxi, aus dem Bäume herauswachsen. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erklärte der Künstler Marek Milde, was es damit auf sich hat:
„Die Bäume kommen einem gar nicht ungewöhnlich vor. Es sind Nadelbäume, Thujen oder Zypressen. Sie sind ein ganz normaler Bestandteil unserer Vorgärten. Ursprünglich wurden sie aber einmal aus Nordamerika nach Europa gebracht. Dieses Projekt verdeutlicht, dass in der Kolonialzeit Bäume, Pflanzen und andere Vegetationsformen immer wieder gewandert sind. Auch die Natur hat eine Migrationsgeschichte.“
Kristýna Milde ergänzt, dass die besondere Kunstinstallation regelmäßig gegossen werden muss:
„Wir hoffen, dass die Bäume weiter gut wachsen. Sie haben schon Blätter bekommen, und die Heidelbeeren blühen. Mein Sohn freut sich bereits darauf, sie zu ernten. Wir wollen das Taxi nach dem Ende der Ausstellung gern im öffentlichen Raum platzieren und beobachten, wie die Bäume weiterwachsen. In 30 Jahren können wir dann auswerten, wer gewonnen hat: das Taxi oder die Natur.“
Gleich hinter dem knallgelben Ford wachsen weitere Stämme in die Höhe, die an Rohrleitungen erinnern. Als erstes sieht der Besucher aber eine Videoinstallation. Auf drei Wände werden Zeichnungen von Bäumen projiziert, die sich im Wind bewegen. Die verwendeten Bilder stammen aber nicht von dem Künstlerduo. Stattdessen lagen Fotografien von Tätowierungen zugrunde, die die Künstler im Rahmen ihres Projektes gesammelt haben. Kristýna Milde erklärt:
„Wir zeigen hier nicht nur den physischen, sondern auch den emotionalen Wald. Denn wir haben all die Leute gefragt, warum sie sich das jeweilige Bild tätowieren lassen haben. Es gibt über 50 verschiedene Geschichten. Für manch einen ist der Baum ein Symbol der Stärke, andere erinnern sich damit an einen bestimmten Ort oder an die Menschen, die sie dort getroffen haben.“
Ein weiteres beeindruckendes Werk in der Ausstellung „Volání lesa“ ist ein Baumstumpf, der einen Durchmesser von etwa einem Meter hat. Marek Milde weist auf das das verwendete Material hin:
„Wir nennen diesen Stumpf ‚Petrified Times‘ (zu Deutsch etwa: Versteinerte Zeit, Anm. d. Red.). Damit spielen wir auf die New York Times an. Der Stumpf besteht aus allen Ausgaben dieser Zeitung von einem Jahr. Wir haben daraus eine Rolle geformt. Die Jahresringe entstehen durch die einzelnen Seiten des Zeitungspapiers.“
Kristýna und Marek Milde beschäftigen sich in ihren Arbeiten regelmäßig mit der Verbindung von Mensch und Natur. Die beiden Tschechen sind vor etlichen Jahren nach Amerika gegangen und durften seitdem etwa im berühmten MoMA ausstellen. Die Ausstellung in der Kunsthalle ist ihre bisher größte Werkschau in Tschechien. Im Rahmen des Begleitprogramms werden nicht nur Führungen durch die Galerieräumlichkeiten angeboten, sondern etwa auch ein Tattoo-Workshop.
Die Ausstellung „Volání lesa“ ist noch bis zum 31. August in der Kunsthalle Praha zu sehen. Geöffnet ist donnerstags bis montags immer von 11 bis 19 Uhr und jeden Mittwoch von 11 bis 21 Uhr.







