Der Wurm in mir: Parasitologe Julius Lukeš erhält Wissenschaftspreis Česká hlava

Julius Lukeš

Der wichtigste tschechische Preis für Wissenschaftler – Česká hlava – geht dieses Jahr an den Parasitologen Julius Lukeš. Am Sonntag nahm der 62-jährige Experte die Auszeichnung in Prag entgegen.

Julius Lukeš hält Würmer, Maden und Protozoen für wunderbare Organismen. Er ist der wohl anerkannteste Parasitologe Tschechiens. Seiner Arbeit geht er an der Akademie der Wissenschaften nach und an der Südböhmischen Universität in České Budějovice / Budweis. Nun hat er den Wissenschaftspreis Česká hlava erhalten, auf Deutsch „Tschechischer Kopf“...

Julius Lukeš | Foto: Tomáš Černý,  Tschechischer Rundfunk

„Ich mag eigentlich keine allgemeinen Phrasen. Aber mich freut es einfach. Ich sehe dies, und das ist wichtig, als Auszeichnung für eine ganze Gruppe an Menschen“, so Lukeš am Sonntagabend bei der Preisübergabe an der Prager Karlsuniversität.

Die Ehrung erhielt der Experte für sein Lebenswerk und seinen außerordentlichen Einfluss auf die tschechische und internationale Wissenschaftsszene. Dabei gilt er hierzulande auch als Enfant terrible – unter anderem weil er Experimente an sich selbst durchführt. So ließ er etwa mehrere Jahre lang einen Bandwurm in sich heranreifen:

„Der Bandwurm ist sogar zehn Meter lang geworden, ohne dass ich das wusste. Ihn in mir zu tragen war aber nicht unangenehm. Doch dieser Wurm lebt schon länger nicht mehr. Ich war einmal auf einer Expedition und habe dabei halb unwissend giftige Früchte gegessen. Und das hat den Bandwurm getötet.“

Konkret waren es Früchte des Manchinelbaums, die problemlos auch einen Menschen unter die Erde bringen können.

Julius Lukeš | Foto: Pavlína Jáchimová,  Archiv der tschechischen Akademie der Wissenschaften

Die meisten Zeitgenossen ekeln sich eher vor Parasiten. Julius Lukeš, der auch Mitglied vieler ausländischer Wissenschaftsorganisationen wie etwa der US-amerikanischen National Academy ist, ist indes fasziniert von ihnen. Und er versucht, andere davon zu überzeugen, dass diese angeblichen Schädlinge auch positive Eigenschaften haben.

„Bisher haben sich Medizin und Wissenschaft darauf konzentriert, die Menschen von Parasiten zu heilen. Erst in der letzten Zeit wurde festgestellt, dass sich spezielle Eigenschaften von parasitären Zellen unter anderem dafür verwenden lassen, um Krankheiten von Menschen zu behandeln. Es handelt sich um Krankheiten, die bisher tödlich sind“, so der Träger des Hauptpreises.

Lukeš ist auch bekannt dafür, lieber lockere Kleidung zu tragen – und zwar T-Shirts und Shorts praktisch das ganze Jahr über. Für die Preisverleihung hatte er jedoch ausnahmsweise zur langen Hose gegriffen.

Martin Volek | Foto: Veronika Vachule Nehasilová,  Karlsuniversität Prag

Neben dem Hauptpreis wurden zudem weitere Auszeichnungen vergeben. Diese gingen unter anderem an den Chemiker Martin Volek von der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg oder an die Chemikerin Michaela Dobrovolná von der Technischen Universität in Brno / Brünn.

Beim Nachwuchs erhielt beispielsweise Anna-Marie Lauermannová von der Chemisch-Technischen Universität in Prag den Doktoranden-Preis für technische Fachbereiche.

„Ziel unseres Forschungsprojekts ist es, einen Baustoff zu entwickeln, dessen verbindendes Material ökologischer ist als beim sogenannten Portlandzement. Ich denke, das gelingt uns mittlerweile auch schon ein Stück weit“, so Lauermannová.

Česká hlava soll wissenschaftliche Leistungen und ihre Protagonisten für die Öffentlichkeit sichtbarer machen. Václav Marek leitet die Organisation, die den Wettbewerb organisiert:

Václav Marek | Foto: Česká hlava

„Ich denke, es ist wichtig, dass die breite Gesellschaft von diesen Leuten weiß. Sie sollte ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf Schauspieler, Sänger oder Sportler fokussieren, sondern eben auch auf Wissenschaftler, die uns wirklich voranbringen und dank derer unser Lebensstandard steigt.“

Wie sieht es allerdings mit dem Nachwuchs aus? Václav Marek ist da überhaupt nicht bange.

„Vor kurzem habe ich darüber nachgedacht, ob der tschechische Teich leergefischt werden könnte. Aber es zeigt sich, dass dies nicht möglich ist. Immer wieder kommen neue, hoffnungsvolle Wissenschaftler nach. Obwohl unser Land relativ klein ist, haben wir in dem Bereich wirklich großes Potenzial“, sagt der Direktor.

Der Preis Česká hlava wird seit 2002 vergeben. Vergangenes Jahr ging er an den Physiker Tomáš Jungwirth, der im Bereich der Spintronik forscht.

Autoren: Till Janzer , Kateřina Svobodová | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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