Deutsch-tschechisches Nachbarschaftstreffen im Erzgebirge: Wir gehören zusammen!

Deutsch-tschechisches Nachbarschaftstreffen im Erzgebirge (Lars Helbig in der grünen Jacke). Foto: Ulrich Möckel, Archiv des „Klubs der Tschechisch-Deutschen Partnerschaft / Klub česko-německého partnerství“

Die Corona-Pandemie hat im Frühling dieses Jahres zur Schließung der Grenze zwischen Tschechien und Deutschland geführt. An mehreren Stellen entlang der Grenze wurden damals aber trotzdem Nachbarschaftstreffen veranstaltet. Unter anderem das Göhrener Tor am Kamm des Erzgebirges war einer der Begegnungsorte. Am vergangenen Sonntag wurde an die Frühjahrstreffen noch einmal vor Ort erinnert. Lars Helbig kommt aus Olbernhau direkt an der Grenze zu Tschechien. Er ist einer der Initiatoren der Treffen.

Foto: Ulrich Möckel, Archiv des „Klubs der Tschechisch-Deutschen Partnerschaft / Klub česko-německého partnerství“

Herr Helbig, im Erzgebirge an der deutsch-tschechischen Grenze wurde am Sonntag eine neue Informationstafel enthüllt. Woran erinnert diese Tafel?

„Sie erinnert an die Begebenheiten zur Zeit der Grenzschließung zwischen Tschechien und Sachsen beziehungsweise Deutschland und an die Bürgerinitiative ‚Wir sind Nachbarn‘, mit der wir uns alle 14 Tage an der geschlossenen Grenze mit Freunden aus der Tschechischen Republik getroffen haben, um gemeinsam ein Picknick durchzuführen, zu musizieren und zu singen.“

Wie ist diese Bürgerinitiative zustande gekommen? Wer sind Mitglieder des „Klubs der Tschechisch-Deutschen Partnerschaft / Klub česko-německého partnerství“, der dahinter steht? Sind es Menschen, die in der dortigen Grenzregion leben?

Foto: Ulrich Möckel, Archiv des „Klubs der Tschechisch-Deutschen Partnerschaft / Klub česko-německého partnerství“

„Im Jahr 2018 haben sich vier Menschen kennengelernt, und zwar über den Austausch zur gemeinsamen Geschichte von Tschechien und Deutschland, im Speziellen über die Historie im Sudetenland. Wir haben uns gemeinsam jede Woche getroffen, haben Sprache gelernt, Geschichten erzählt und gemeinsame Ausflüge unternommen. Der Klub wuchs sehr schnell. Es gab viele Menschen, die sich dafür interessierten. Und dann kam plötzlich die Grenzschließung. Es war eine Katastrophe, sie kam aus dem Nichts heraus. Und so entstand die Idee, sich irgendwo an einem Ort zu treffen, unbehelligt und ungestraft zwischen den Grenzen beider Länder. Und da gab es das sogenannte Göhrener Tor, auf Tschechisch Klínská brána. Das sind etwa 27 Meter zwischen den Grenzsteinen Tschechiens und Deutschlands, also ein Niemandsland. Dort trafen wir uns immer samstags von 14 Uhr bis ungefähr 17 Uhr. Jeder brachte etwas zu essen und zu trinken mit, es wurde eine kleine Wanderung gemacht, und dann wurde gemeinsam gegessen, getrunken, gelacht und gesungen. So kam es, dass wir uns regelmäßig an der geschlossenen Grenze getroffen haben.“

Foto: Ulrich Möckel, Archiv des „Klubs der Tschechisch-Deutschen Partnerschaft / Klub česko-německého partnerství“

Wie viele Male gab es diese Begegnungen?

„Es fanden fünf Treffen statt. Die Grenze wurde seitens Tschechiens dann schnell geöffnet. Und so konnten wir am 13. Juni das letzte Grenztreffen als eine Eröffnungsparty gestalten.“

Die Grenze ist zwar offen, doch es bestehen coronabedingte Behinderungen. Was planen Sie weiter?

Foto: Ulrich Möckel, Archiv des „Klubs der Tschechisch-Deutschen Partnerschaft / Klub česko-německého partnerství“

„Aktuell ist es sehr schwierig, weil es durch die Ausrufung von kleinen oder größeren Risikogebieten ganz schwer ist, überhaupt etwas zu planen. Wir haben im Sommer unseren Kalender wieder aufgenommen, um unsere Aktivitäten durchzuführen. Es ist gar nicht abschätzbar, ob wir im Januar oder Februar 2021 überhaupt etwas unternehmen können. Ist es möglich, dass Tschechen nach Deutschland und Deutsche nach Tschechien kommen können? Das ist die Frage.“

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