Die Inbetriebnahme des AKW Temelin wird sich auf die Soziallage in Nordwestböhmen auswirken

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Die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks wird zweifelsohne die Lage auf dem tschechischen Arbeitsmarkt beeinflussen. Mit einer höheren Arbeitslosigkeit kann vor allem in den traditionellen Braunkohlegebieten in Nordwestböhmen gerechnet werden. Martina Schneibergova fasst zusammen:

Die Gewerkschaften behaupten, dass 10.000 Bergarbeiter und Beschäftigte im Bereich der Energieproduktion die Arbeit verlieren werden. Das Industrie- und Handelsministerium schätzt die Zahl der Arbeitslosen auf ca. 5.000. Umweltminister Milos Kuzvart erklärte am Dienstag auf einer internationalen Konferenz zum Thema "Beschäftigungspolitik" im nordböhmischen Most/Brüx, dass sich seine Befürchtungen vor negativen politischen und sozialen Folgen der Inbetriebnahme des AKW Temelin leider allmählich erfüllen. Kuzvart zufolge werden bis zu 17.500 Menschen in Nordböhmen die Arbeit verlieren. Der Umweltminister unterbreitete in Most einige Entwürfe zur Bildung neuer Arbeitsplätze in der betroffenen Region:

"Das Umweltministerium kann in bestimmten Bereichen helfen neue Arbeitsgelegenheiten zu schaffen - z. B. bei Rekultivierungsarbeiten. Dies ist eine Möglichkeit, die ich entlassenen Bergarbeitern anbieten kann."

Die Braunkohleförderung muss demnächst eingeschränkt werden, denn für 12 Mio. Tonnen Braunkohle würde man künftig keinen Absatz mehr finden. Der Chef der Bergarbeitergewerkschaft Cyril Zapletal erklärte:

"Wir schlagen vor, entlassenen Bergarbeitern jeden Monat einen Sonderbeitrag auszuzahlen, der ihnen helfen würde, die ersten Monate der Arbeitslosigkeit zu überwinden. Denn die Arbeitslosenrate überschritt in dieser Region inzwischen 20%. Wir versuchen zu erreichen, dass diese Unterstützung 36 Monate lang ausgezahlt wird und hoffen, dass sie den Arbeitslosen hilft, einen Ausweg zu finden."

Neben bereits erwähnten Rekultivierungsarbeiten wird damit gerechnet, dass die ehemaligen Bergarbeiter Arbeit auch bei der Renovierung der Plattenbausiedlungen und beim Bau der Autobahnen finden werden. Diese Arbeitsmöglichkeiten sind in den Braunkohleregionen bislang nur wenig ausgenützt worden. Der Chef der Unternehmervereinigung Bedrich Danda meint jedoch, dies werde sich ändern. Von einer sozialen Katastrophe, könne - so Danda - jedoch nicht die Rede sein. Er fügte hinzu:

"Es kann sein, dass die Zahl der Arbeitsplätze in der Region von Most sinken wird. Dies wird sich auch auf die Kleinunternehmer auswirken, die sich in dieser Region sowieso in einer schwierigen Lage befinden."