Die Situation der NGO's in Tschechien

r_2100x1400_radio_praha.png

Sogenannte Nicht-Regierungsorganisationen - international gängige Abkürzung: NGO's - leisten seit Jahrzehnten überall in der Welt einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation. Sie sind Verfechter und Kämpfer für Frauenrechte, Minderheiten- und Menschenrechte. Kurz gesagt, sie setzen sich für die Schwachen und Unterdrückten ein, sind deren Anwälte und damit zugleich oft Ankläger der Reichen und Mächtigen. Nicht wenige NGO's kümmern sich um den Zustand der Flora und Fauna und gehen gegen Wasserverschmutzung, Luftverunreinigung und die Abholzung der Regenwälder vor - setzen sich also für den Umweltschutz ein. In unserer heutigen Ausgabe des Schauplatzes werden wir uns mit zwei international bekannten und tätigen NGO's befassen, die beide auch in der Tschechischen Republik eine Niederlassung haben. Wir fragen nach ihren Aktivitäten und Erfolgen, aber auch nach den Problemen, auf die sie bei ihrer Arbeit hier in Böhmen und Mähren immer wieder treffen. Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen zu dieser Sendung heißt Sie Olaf Barth.

Die beiden NGO's, die wir ihnen heute präsentieren werden, machten in Tschechien in jüngster Zeit von sich reden. Die Eine - nämlich Greenpeace - stand in der Diskussion um Temelin, aber auch durch ihre Protestaktionen gegen genmanipulierte Lebensmittel immer wieder im Blickpunkt. Die Andere machte erst am Montag mit einer Protestnote gegen den Polizeieinsatz anlässlich der Konferenz des Weltwährungsfonds im September 2000 in Prag nicht nur auf sich, sondern vor allem auf eventuelle Missstände in der tschechischen Polizei aufmerksam - ihr Name: Amnesty International.

Letztere Organisation hatte schon während der Zeit des Regimes Einfluss auf die damalige Tschechoslowakei, man setzte sich seitens AI nämlich für mehr als 400 politische Gefangene des Regimes ein - unter Ihnen auch der heutige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel. Eine eigene Sektion entstand in Prag bereits kurz nach der samtenen Revolution, aus dieser ging dann später das Prager Büro hervor. Die Pressesprecherin von AI, Daniela Kralova, erzählt über die Schwierigkeiten der AI-Arbeit in der Tschechischen Republik:

Deshalb könne man die Masse der geplanten bzw. möglichen Aktionen oftmals nicht in die Tat umsetzen, denn es fehle an alle Ecken und Enden, führte Pressesprecherin Kralova weiter aus. Auch sie selbst könnte aufgrund der Vielzahl der Dinge, die auf sie einstürzen, nur die notwendigsten Aufgaben erledigen.

Doch welche Gründe sieht Sie für die mangelnde Unterstützung seitens der Bevölkerung:

In Tschechien sei die Organisation hingegen noch relativ neu und im Bewusstsein der Bevölkerung noch nicht so verankert, wie in den westlichen Staaten. Und außerdem:

Doch nun wollen wir uns der anderen NGO, mit der wir uns heute befassen werden, zuwenden. Deshalb befragte ich Dr. Cestmir Hrdinka, Kampagnenleiter von Greenpeace in Prag, wie es um seine Organisation in Tschechien bestellt ist:

Was die GP-Aktionen gegen genmanipulierte Lebensmittel angehe, so habe man die Bevölkerung durchaus auf seiner Seite. Dies hätten auch die Aktionen gegen die Supermarktketten "TESCO" und "DELVITA" gezeigt. Doch wie sieht es mit dem Streitobjekt AKW Temelin aus?

Während Greenpeace also auf eine durchaus passable Unterstützung seitens der Bevölkerung sowie einiger Medien bauen kann, tut sich Amnesty International vor allem bezüglich des Öffentlichkeitsinteresses an ihrer Arbeit noch schwer. So erklärt auch Amnesty Pressesprecherin Daniela Kralova:

Dazu veranstaltet Amnesty Aktionen wie Happenings und Konzerte oder platziert auch einfach nur Info-Stände an verschiedenen exponierten Stellen. Die Reaktionen der Passanten reichen dann zumeist von geflissentlichem Übersehen bis latentem Interesse, so Frau Kralova.

Da Amnesty eine Organisation ist, die für Menschenrechte bzw. gegen Menschenrechtsverletzungen eintritt, muss ich nochmals auf einen besonderen Aspekt in Tschechien zu sprechen kommen: Die Forderung der Bevölkerung nach der Todesstrafe geistert ja immer mal wieder durch die tschechische Medienlandschaft. Auch laut neuesten Umfrageergebnissen, sind 59% der tschechischen Bürger für die Einführung der Todesstrafe. Wie steht AI zu diesen Vorgängen:

Aber auch ein gewisser Verlust des Wertesystems sei nach dem Sturz des Regimes hierzulande zu attestieren. Anstelle des alten Wertesystems sei in vielen Fällen kein neues getreten und somit ein gewisses Vakuum entstanden, meint Daniela Kralova.

Von Herrn Dr. Hrdinka wollte ich zum Abschluss noch wissen, warum denn das Interesse der Bevölkerung in Tschechien am Umweltschutz geringer als z.B. in Deutschland ist:

Beide Organisationen - Greenpeace wie Amnesty International - haben also noch mit einigen Problemen zu kämpfen, um sich in der Tschechischen Republik wirklich einer breiten Unterstützung aus allen Gesellschaftsschichten erfreuen zu können. Aber beide haben auch schon ein großes Wegstück zurückgelegt.

Autor: Olaf Barth
abspielen