Die Sonne zum Anfassen und Fotografieren: Brünner Planetarium zeigt Modelle von Himmelskörpern

Das Modell der Sonne - Heliosphäre

Im südmährischen Brno kann man an der Sonne oder auch am Mars vorbeigehen. Und zwar auf dem Gelände des Planetariums. Denn dort sind täuschend echte Modelle von Himmelskörpern ausgestellt.

Mondmodell | Foto: Michal Bernátek,  Brünner Observatorium und Planetarium

Eigentlich handelt es sich nur um riesige Ballons. Wenn es dunkel wird, sind sie jedoch von innen beleuchtet, was sie besonders schön macht.

Alles begann 2019 mit dem ersten Modell. Und zwar zeigte das Planetarium Brünn den Mond anlässlich des 50. Jahrestags der Landung auf dem Erdtrabanten. Seitdem hat die Sternwarte jedes Jahr einen weiteren Himmelskörper hinzubekommen: 2020 die Erde und im vergangenen Jahr den Mars. Für diesen Sommer haben die Autoren des Projekts ein Modell der Sonne angefertigt.

Michal Okleštěk und Jan Machát | Foto: Ludmila Opltová,  Tschechischer Rundfunk

Michal Okleštěk ist einer der beiden Multimedia-Künstler des Architekturstudios Visualove, die die riesigen Ballons entworfen haben. Gegenüber Radio Prag International erläuterte er, dass dafür Fotografien genutzt wurden, die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa stammen:

„Die Arbeit an dem Modell der Sonne war komplizierter als an jenen der anderen Himmelskörper. Wir haben mit den Planungen schon Anfang dieses Jahres begonnen. Unser Kollege vom Planetarium musste dann lange Zeit die Fotos der Sonne zusammensuchen, die von Sonden geschossen wurden. Dies waren insgesamt 84.000 Bilder, die 2014 während eines Monats entstanden sind. In dieser Zeit dreht sich die Sonne einmal um sich selbst. Danach wurden die Fotos miteinander verbunden – mithilfe spezieller mathematischer Berechnungen. So entstand die Vorlage, um den Ballon bedrucken zu können.“

Erdmodell | Foto: Michal Bernátek,  Brünner Observatorium und Planetarium

Die Ballons bestehen aus einem luftdurchlässigen Spezialstoff. Damit sie sich aufblähen, laufen im Inneren Ventilatoren. Zehn Meter Durchmesser haben die Modelle. Jenes der Sonne zeigt diese im ultravioletten Lichtspektrum.

„So wie sie abgebildet ist, können wir Menschen die Sonne nicht mit bloßen Augen sehen, sondern nur mithilfe eben von Sonden. Wir fanden diese Art der Darstellung sehr attraktiv, weil das Auge ansonsten nur eine weiße Kugel erkennt. Im ultravioletten Licht lassen sich auf der Sonne unter anderem auch die interessanten Eruptionen zeigen oder die kälteren und die allerheißesten Stellen auf dem Himmelskörper“, so Michal Okleštěk.

Sonnenmodell | Foto: Pavel Gabzdyl,  Brünner Observatorium und Planetarium

Aber nicht nur, dass man an die Sonne in Brünn ganz nah ran kann …

„Man darf das Modell auch berühren und ebenso fotografieren. Sollte das Wetter jedoch schlechter sein und etwa Wind aufkommen, ergreifen wir Vorsichtsmaßnahmen. Allerdings sind die Ballons mit Seilen gesichert.“

Laut den Multimedia-Architekten ist ihr Büro auch im internationalen Vergleich ein Vorreiter bei solchen Modellen von Himmelskörpern. Zumindest in dieser Größe habe es sie bis vor kurzem noch nirgendwo anders auf der Welt gegeben, sagt Michal Okleštěk. Allerdings dürfte die Sonne das letzte Modell der Reihe sein:

„Alle weiteren Himmelskörper sind nicht so gut dokumentiert. Häufig sind die Planeten bisher nur von einer Seite fotografiert worden, und die andere müsste man sich dann irgendwie ausdenken. Manche Planeten sind auch einfach nicht sehr interessant, sie gleichen einer weißen oder blauen Kugel. Aber vielleicht fällt uns noch ja doch noch ein interessantes Objekt ein.“

Modell des Mars | Foto: Michal Bernátek,  Brünner Observatorium und Planetarium

Die Modelle sind übrigens nur noch bis Donnerstag kommender Woche im Planetarium von Brünn ausgestellt.

11
49.204753370000
16.583653080000
default
49.204753370000
16.583653080000