„Dreams and Nightmares“: verfolgte Kunst aus Deutschland im Prager MuMo

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In der Neruda-Gasse unter der Prager Burg befindet sich eines der wenigen privaten Kunstmuseen in Tschechien: Das Museum Montanelli (MuMo), vor einigen Jahren gegründet von der tschechisch-deutschen Unternehmerin Dadja Altenburg-Kohl. Die Gründerin will dort unter anderem die Geschichte und Kunstgeschichte Tschechiens und Deutschlands miteinander verknüpfen. Am 1. März wurde dort die Ausstellung „Dreams and Nightmares“ eröffnet, mit Werken aus dem Museum der verfolgten Künste im deutschen Solingen. 25 überwiegend deutsche Künstler und ihre Werke aus den Jahren 1912 bis 1962 sind dort ausgestellt. Es handelt sich um Künstler, die sich in ihrem Leben und Werk gegen Unrecht und Nazi-Diktatur gestellt haben. Radio Prag war bei der Eröffnung und hat mit dem Kurator der Ausstellung, Jürgen Kaumkötter, gesprochen.

Herr Kaumkötter, in Prag wurde eine Ausstellung aus der Sammlung des Museums der verfolgten Künste in Solingen eröffnet. Nach welchen Kriterien haben Sie die Werke ausgewählt, die in Prag ausgestellt werden?

„Wir haben im Kern Zeichnungen von Else Lasker-Schüler, die sehr oft in Prag war, von der es sehr viele Anekdoten und Geschichten aus Prag gibt, und haben dann ein Geflecht von Freundschaften um diese Künstlerin gruppiert. Das war das eine Kriterium dieser Ausstellung. Das zweite war natürlich, die Hauptwerke aus dem Museum in Solingen zu zeigen.“

Die Ausstellung heißt „Dreams and Nightmares“. Welche Träume und welche Alpträume werden gezeigt?

„Wir haben leider, wie es auch im vergangenen Jahrhundert war, mehr ‚Nightmares’, mehr Alpträume als Träume. Es sind die Abgründe des 20. Jahrhunderts: die Ermordung der europäischen Juden, die Vertreibungen während des Krieges und nach dem Krieg und der Terror, den die Kriege ausgelöst haben. Das sind so viele Alpträume, dass wir heute noch schlecht davon schlafen. Wir haben aber auch die andere Seite, dass es auch in dem Horror immer noch den Funken der Hoffnung gab und dass diese Hoffnung auch verbildlicht wurde. Selbst Else Lasker-Schüler, die immer am Existenzminimum und in einer Gegengesellschaft lebte, hat sich in einen Traum hineinbegeben. Sie hat Figuren geschaffen, in die sie schlüpfen konnte, wie den Prinzen von Theben, einen orientalischen Prinzen. In dieser Rolle lebte sie dann und hat wunderbare Kunstwerke geschaffen.“

Sie haben Else Lasker-Schüler erwähnt, die mehrere Male Prag besucht hat. Gibt es auch andere Künstler oder Kunstwerke, die einen direkten Prag-Bezug haben?

„Eine Zeichnung von Georg Netzmann mit dem Titel ‚Heydrich regiert in Prag’. Dieses Bild haben wir im Moment in den Keller der Ausstellung im MuMo verbannt, weil es einen zu unmittelbaren Zeitbezug hat. Wir sind ein Kunstmuseum und wir zeigen eine Kunstausstellung, und keine historische Ausstellung. Und trotzdem konnten wir natürlich an diesem Blatt aus der Solingener Sammlung nicht vorbeigehen. Es ist in Berlin entstanden, direkt nach dem Attentat auf Heydrich, und zeigt, wie vier Erhängte auf einem Wehrmacht-Lkw durch Prag gefahren werden - als Terrorinstrument der Nazis. Das ist das einzige Bild, das einen direkten Prag-Bezug hat. Aber wie gesagt, der Prag-Bezug war für uns so stark, dass wir das Bild unter einen Rost in den Keller gehängt haben. Vielleicht werden wir es später noch einmal woanders zeigen, zum 70. Jahrestag des Attentats, aber das müssen wir mal sehen.“

Wie viele Bilder und Graphiken sind in Prag insgesamt zu sehen?

„Wir haben 70 Bilder und Graphiken, die wir ausstellen. Darüber hinaus zeigen wir einen Film über Berlin aus den 1920er Jahren. Berlin war das Zentrum der bildenden Kunst, während Prag natürlich das Zentrum der Literatur war. Und beide Städte zusammen waren natürlich das Zentrum der kulturellen Welt in dieser Zeit. Dann haben wir noch eine Video-Installation über alle Bilder der Sammlung in Solingen, die man sich dort anschauen kann. Und wir haben auch eine Inszenierung eines Bildes mit dem Lied ‚Die Moorsoldaten’ von Ernst Busch. Es geht dort um befreite KZ-Häftlinge, die ein Lied über ihre Leiden geschrieben haben.“

Die Ausstellung „Dreams and Nightmares“ ist im Museum Montanelli bis zum 22. Mai 2012 zu sehen.