Drogen, Frauen und hohe Politik: Historiendrama um Jan Masaryk auf Berlinale

Am Donnerstag beginnt die Berlinale. Bei dem Filmfestival läuft im Hauptprogramm diesmal auch ein tschechischer Film. Es ist das Historiendrama „Masaryk“ von Regisseur Julius Ševčík. Die Handlung dreht sich um den Sohn des tschechoslowakischen Staatsgründers und spielt in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. In Tschechien hat der Streifen 14 Nominierungen für den Filmpreis „Tschechischer Löwe“ erhalten.

Es sind die Jahre 1937 bis 1939, die im Mittelpunkt des Streifens stehen. Der Filmstab nennt dies „die dunkle Zeit von Jan Masaryk“, der zentralen Figur der Handlung. Sein Vater war gerade gestorben, da erlebt er das Münchner Abkommen und die Abtretung der Sudetengebiete an Deutschland. Aus Protest legt er seinen Posten als Botschafter in Großbritannien nieder. Ein halbes Jahr später besetzt Hitler seine Heimat, und Jan Masaryk flieht wie andere demokratische Politiker nach London. Regisseur Julius Ševčík gegenüber dem Tschechischen Fernsehen:

„Mein Film behandelt die vielleicht wildeste Zeit im Leben von Jan Masaryk. Damals ging es sowohl um das Schicksal der Tschechoslowakischen Republik, als auch um sein Seelenheil. Es ist sein Weg aus dem Paradies in die Hölle und zurück.“

„Masaryk“ ist eine tschechisch-slowakisch-deutsche Koproduktion. Die Besetzung ist erstklassig: Karel Roden als Jan Masaryk und Oldřich Kaiser als Staatspräsident Edvard Beneš sind absolute Film- und Bühnenstars in Tschechien. Regisseur Ševčík:

„Ich habe den Film erstaunlicherweise ohne größere Hindernisse besetzen können, weil allen Schauspielern das Drehbuch so gut gefallen hat. Das haben Petr Kolečko und Alex Königsmark geschrieben. Das Skript ist von der Idee her in den richtigen historischen Kontext gesetzt, zugleich ist es spannend und hat Drive. Vor allem wurde den Schauspielern genügend Raum zum Spielen gelassen, die historischen Persönlichkeiten sind keine unantastbaren Ikonen. Die Handlung dreht sich um echte Menschen, es gibt da auch Drogen und Frauen sowie die hohe Politik.“

Julius Ševčík  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Julius Ševčík ist zwar in Prag geboren, pendelt aber seit geraumer Zeit zwischen der tschechischen Hauptstadt und Los Angeles. Für den 38-jährigen Regisseur ist „Masaryk“ erst der zweite Spielfilm – nach seinem Abschlusswerk an der Prager Filmhochschule Famu. Die Kritiker hierzulande sind sich einig, dass das neue Werk anders ist als viele tschechische Kino-Produktionen. Das liegt unter anderem an der Besetzung weiterer Rollen mit ausländischen Darstellern. So spielt beispielsweise der deutsche Schauspieler und Schriftsteller Hanns Zischler den Psychiater Stein, der Jan Masaryk behandelt. Ebenso wurde das tschechische Supermodel Eva Herzigová engagiert. Diese und weitere Elemente verleihen dem Film internationales Format.

„Der Film wurde vorwiegend in Tschechien, der Slowakei und in den Niederlanden gedreht sowie auch etwas in London. Die Koproduktion ist teils deutsch. Ein Film muss unterhalten und die Zuschauer fesseln, er muss auch etwas kontrovers, also einfach interessant sein. Masaryk war niemals als Film für den Geschichtsunterricht gedacht. Es geht um ein Enfant terrible, das in den Schlamassel gerät und ein buntes Leben führt“, so Ševčík.

Bei der Berlinale wird „Masaryk“ am 17. Februar in der Weltpremiere gezeigt. In die tschechischen Kinos kommt der Streifen aber erst am 9. März.