Drogenkonsum: weniger weiche, mehr harte Substanzen

Foto: Masáže Mawen

Die Zahl der Drogenabhängigen in Tschechien ist insgesamt gestiegen, aber die Zahl der Cannabis-Nutzer sinkt. Die legale Droge Nummer eins ist und bleibt in Tschechien der Alkohol. Dies geht aus dem nationalen Drogen-Jahresbericht hervor, dieser soll am Donnerstag der Regierung vorgelegt werden soll.

Foto: Masáže Mawen
Cannabis ist nicht mehr im Trend bei jungen Menschen zwischen 15 und 19 Jahren. Das geht aus dem diesjährigen Drogenbericht hervor. Die Zahl der Hanf-Konsumenten ist in dieser Altersgruppe gesunken. Jindřich Vobořil ist der Koordinator der tschechischen Regierung für den Kampf gegen Drogen:

„Das ist zweifelsohne eine gute Nachricht und positiv ist auch, dass dieser Trend seit den letzten Jahren verzeichnet wurde. Trotzdem liegt Tschechien noch immer auf dem ersten Platz in Europa, was die Zahl derjenigen betrifft, die Erfahrungen mit Marihuana haben. Dies hat verschiedene Gründe. In den 1990er Jahren gab es hierzulande eine Art Freiheitsrausch, der nun aber vorbei ist. Der Höhepunkt beim Marihuana-Konsum ist vorüber, wird sind froh, dass der Konsum sinkt.“

Jindřich Vobořil (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Polizei hat in den vergangenen Tagen an mehreren Orten Tschechiens Razzien in so genannten Growshops durchgeführt. Dort werden Utensilien für den Hanfanbau angeboten. Ob die Polizeiaktionen zum Rückgang des regelmäßigen Cannabis-Konsums beigetragen haben, wisse er nicht, so Vobořil:

„Es ist jedoch ein Zeichen dafür, dass die Polizei bestimmte Dinge nicht mehr toleriert, die sie für gesetzwidrig hält. Die Repressionen haben zwar einen bestimmten Einfluss bei der Prävention. Aber ausschließlich Polizeiaktionen werden das Problem nicht lösen.“

Die Zahl der Konsumenten, die regelmäßig harte Drogen nehmen, ist aber laut Bericht gestiegen. Dazu gehören vor allem Heroin oder Pervitin. Viele der Drogennutzer haben Probleme bei der Arbeit oder geben das Studium wegen Drogen auf. Im Vergleich mit den anderen Ländern ist die Zahl der Drogenabhängigen hierzulande etwas niedriger. Trotzdem sei sie alarmierend, so Jindřich Vobořil:

„Es geht um etwa 41.000 Menschen. Vor ein paar Jahren wurde die Zahl auf 37.000 geschätzt. Den Grund für den Anstieg sehe ich darin, dass das System der Prävention und der Behandlung der Drogenabhängigen zerfällt, weil es an finanziellen Mitteln mangelt. Diese Betreuungsmöglichkeiten sind nicht überall zugänglich.“

Viktor Mravčík (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
An der Ausarbeitung des Drogenberichtes hat sich auch der Leiter des Forschungszentrums für Drogenabhängigkeiten Viktor Mravčík beteiligt. Die hierzulande bislang populärste Droge Marihuana wurde von Alkohol abgelöst, sagt er:

„Mich hat überrascht, dass die Zahl derjenigen, die sowohl Cannabis als auch Alkohol genießen, nicht so hoch ist. Wir haben etwa 30.000 sehr problematische Cannabis-Konsumenten, die zudem alkoholabhängig sind. Aber die Zahl der Alkoholabhängigen wird auf 600.000 geschätzt.“

Foto: Zsuzsanna Kilian, Stock.xchng
In Tschechien wurden letztes Jahr etwa 11,6 Tonnen Cannabis, 5,9 Tonnen Pervitin (Crystal), 800 Kilogramm Heroin und 700 Kilogramm Kokain verbraucht. Zudem haben die Tschechen rund 62.000 Extasy-Tabletten geschluckt. Dagegen zeigten rund 9.000 Drogenabhängige Interesse an einer Entziehungskur, dies ist aber weniger als in den vergangenen Jahren. Aber jeder zwölfte Bewohner Tschechiens hat Probleme damit, seinen Alkoholkonsum unter Kontrolle zu bekommen.