Eine Ode an das Erzgebirge: Der tschechisch-deutsche Kinofilm Schmitke

Štěpán Altrichter, foto: Cristian Pirjol, Arcchiv des Tschechischen Rundfunks

Ein Mann irrt durch die Wälder. Er heißt Schmitke und sucht seinen verloren gegangenen Kollegen. Štěpán Altrichters Film schickt einen deutschen Windkraftingenieur ins tschechische Erzgebirge. Dort merkt Schmitke bald, dass nichts ist, wie es scheint, und verfällt dem Zauber der Landschaft.

Es knirscht und dröhnt. Das Windrad in Chřmelava läuft schon lange nicht mehr rund. Windkraftingenieur Schmitke soll das ändern. Vor 20 Jahren hat er die Anlage selbst patentieren lassen, doch inzwischen befindet sich auch Schmitke auf dem absteigenden Ast. Der Reparaturauftrag in Tschechien ist eine Strafmission. Štěpán Altrichter ist der Regisseur von Schmitke.

„Das ist eine kleine Reise zu ihm selbst, in Schmitkes Kopf. Dass diese Landschaft dann seiner inneren Landschaft entspricht, fanden wir sehr schön.“

Štěpán Altrichter, foto: Cristian Pirjol, Arcchiv des Tschechischen Rundfunks
Wie der alternde Schmitke, gespielt von Peter Kurth, erscheint auch das Erzgebirge wie aus der Zeit gefallen. Die Wälder sind dicht, der Nebel undurchlässig, und die Einwohner von Chřmelava sitzen die meiste Zeit in der Kneipe „U Bobra“. In den Mikrokosmos aus Bierdunst und Kartenspiel und dringt der Deutsche Schmitke ein. Zunächst stößt Schmitke auf eine Wand. Für die Personen wie auch die Orte gab es reale Vorbilder, sagt Štěpán Altrichter.

„Als wir zum ersten Mal in diese Kneipe kamen, schlug es uns entgegen: Was wollen denn diese jungen Prager Schnösel hier? Die Menschen dort lassen sich in ihrem Leben auch nicht von irgendwelchen Einflüssen stören. Gerade das macht aber diese Menschlichkeit dort aus, dass sie nicht jede neue Mode mitmachen müssen.“

Schmitke; Foto: Press Service Febiofest
Gemeinsam mit Tomáš Končinský, der die zugrunde liegende Kurzgeschichte geschrieben hat, und Produzent Tomáš Vach ist Stepan Altrichter im Erzgebirge herumgereist. Irgendwann entstand die Idee zum Film:

„Im Scherz habe ich damals gesagt, wenn Peter Jackson seinen Herrn der Ringe in Europa drehen würde, dann dort. Es ist nicht nur visuell sehr interessant, sondern es hat einen gewissen Zauber. Der ist nicht immer nur positiv – was ein Zauber ja nie ist. Doch dieser Zauber hat uns angezogen. Und wenn es eine solche Faszination gibt, dann ist das eine gute Voraussetzung dafür, einen Film zu beginnen.“

Schmitke; Foto: YouTube
Selbst Schmitkes Assistent, der dauerquatschende und arrogante Thomas Gruber, gespielt von Johann Jürgens, erliegt ein wenig dieser Faszination. Nach der ersten Nacht in der Kneipe ist er plötzlich weg. Nun hat der schweigsame Schmitke nicht nur ein kaputtes Windrad am Hals. Bei der Suche nach Gruber scheint durch, in welcher Gegend sich Schmitke eigentlich befindet. Mitten im Wald steht eine verfallene Rüstungsfabrik der Nazis, und das Navi führt ihn hartnäckig zu einem deutschsprachigen Ort, der nicht mehr existiert.

Schmitke; Foto: Press Service Febiofest
„Natürlich sind dort auch viele grausame Dinge passiert. Und trotzdem haben die Menschen dort eine positive Einstellung zum Leben, eine Art Überlebenswillen auch. Und eine Menschlichkeit, die man vielleicht in der Großstadt, egal ob Prag oder Berlin, nicht mehr so findet. Das war uns wichtiger als Fakten.“

Der Film belässt es bei Andeutungen. Mit sanftem Spott wechselt er die Perspektiven – und bringt dem verhärmten Ingenieur die gleiche Sympathie entgegen wie den Bewohnern der Provinz. Dabei verschränkt er verschiedene Ebenen, die man lesen kann, aber nicht muss. Keine tschechisch-deutsche Geschichtsstunde ist Schmitke, sondern eine atmosphärische Reise an einen abgelegenen Ort. Ab Donnerstag läuft Schmitke in den tschechischen Kino, der Filmstart in Deutschland ist im Herbst.

Autor: Annette Kraus
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