EU-Drogenbericht: Tschechen stehen auf Pervitin, Marihuana und Ecstasy

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In der EU setzen sich immer stärker gefährliche Designer-Drogen durch. Auch in Tschechien gab es bereits einen kleinen Boom bei diesen neuen psychoaktiven Substanzen. Doch ansonsten schwören die tschechischen Drogenkonsumenten eher auf die ihnen bekannten Rauschmittel. Dies geht aus dem Bericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle hervor. Zu den Klassikern hierzulande gehört auch Pervitin (Crystal). Und das wird seit ein paar Jahren auch zu einem Phänomen auf dem europäischen Markt.

Pervitin (Crystal). Foto: ČTK
Crystal oder Crystal Meth gilt als tschechisch-deutsches Problem. Doch Fachleute aus Tschechien halten diese Sicht für gefährlich, weil falsch. Am Dienstag haben sie in Prag die neuesten Erkenntnisse aus dem europäischen Bericht veröffentlicht. Demnach sind auch anderswo eigene Märkte für Crystal entstanden.

„Im Baltikum besteht eine Art Epidemie bei der Nutzung von Pervitin. Dort haben die örtlichen Drogenkonsumenten gelernt, dieses Metamphetamin selbst herzustellen und es zu vertreiben. Dasselbe geschieht in Nordeuropa. Und diese Märkte sind unabhängig von der Tschechischen Republik“, so Jindřich Vobořil, Antidrogenkoordinator der tschechischen Regierung.

Laut Vobořil müsse man auch in Deutschland aufpassen, dass sich die Produktion von Crystal aus dem tschechischen Grenzgebiet nicht ins eigene Land verlagere. Denn dieses Rauschmittel sei auf dem Weg, andere harte Drogen wie Heroin abzulösen. Doch den Kampf gegen Crystal hält Vobořil für ungleich schwerer, weil die Grundstoffe aus frei zugänglichen Medikamenten gewonnen werden. Der Antidrogenkoordinator weist daher auch die Vorwürfe bayerischer Politiker zurück, noch bis vor kurzem hatten diese von einer zu laschen tschechischen Drogenpolitik gesprochen:

Jindřich Vobořil (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Wir haben dieses Missverständnis beim Hofer Dialog im Februar aus der Welt geschaffen. Wir müssen nun vielmehr schauen, wie wir den Zustrom von Grundstoffen für Pervitin aus Polen stoppen können, welche gemeinsamen Regulierungen wir treffen und wie wir Prävention betreiben wollen.“

In Tschechien nutzen Abhängige harter Drogen vor allem Pervitin. In allen anderen Teilen Europas ist hingegen weiter Heroin das größte Problem.

Die zweite schlechte Nachricht betrifft Designerdrogen. Sie boomen europaweit, jede Woche taucht ein neuer Stoff auf. Viktor Moravčík leitet die tschechische Drogenbeobachtungsstelle:

Marihuana (Foto: Wikimedia Commons Free Domain)
„Das Phänomen der Designerdrogen ist potenziell sehr gefährlich. Wir haben bei uns im Land eine Epidemie dieser Drogen zu Anfang des Jahres 2011 erlebt.“

Allerdings ist in Tschechien von den synthetischen Drogen immer noch Ecstasy am beliebtesten, mit der dritthöchsten Konsumrate bei jungen Menschen in Europa. Und so sind die guten Nachrichten zum Thema Drogen eher rar. Immerhin merken die Experten an, dass die Zahl der Nutzer von Marihuana hierzulande langsam zurückgeht. In den meisten europäischen Statistiken zu Marihuana steht allerdings Tschechien weiter an der Spitze.