Exportverbot für Spirituosen – Hersteller fürchten um guten Ruf

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Tschechiens Probleme mit dem Schnaps gehen weiter. Das Verkaufsverbot ist noch immer in Kraft, und seit Donnerstag dürfen die Hersteller nun auch keine Spirituosen ab 20 Prozent Alkohol mehr exportieren.

Petr Nečas (Foto: ČTK)
In den vergangenen Tagen sah es eigentlich nach einer Lockerung des Verkaufsverbots aus. Die staatliche Druckerei hatte begonnen, neue Prüfsiegel für Spirituosen zu drucken. Hintergrund war die Entscheidung, mit einer Art Herkunftsnachweis und durch verschärfte Kontrollen unbedenklichen Schnaps wieder für den Handel freigeben zu können. Premier Petr Nečas:

„Spirituosen, die keinen Herkunftsnachweis und nicht das neue Prüfsiegel erhalten, dürfen nicht zum Verbraucher gelangen und werden als Lebensmittel unbekannter Herkunft aus dem Verkehr gezogen.“

Leoš Heger (Foto: ČTK)
In einer Woche soll nun Schnaps mit dem neuen Siegel wieder verkauft werden dürfen. Damit wollte die Regierung den Produzenten und Gastronomen entgegenkommen sowie ihre Steuerausfälle mindern. Und Nečas zeigte sich davon überzeugt, dass diese Maßnahmen auch der Europäischen Union verdeutlichen, dass hierzulande aktiv gegen die Verunreinigungen alkoholischer Getränke vorgegangen wird.

Doch die Kommission zeigte sich skeptisch. Nach einer Sitzung am Mittwochabend verkündete ein Sprecher des Verbraucherschutzkommissars, dass Tschechien auch den Export von Schnaps unterbinden solle. Für den Fall der Nichtbeachtung würde die Union selbst aktiv werden und den Import tschechischer Spirituosen verbieten. Die tschechische Regierung reagierte: Nach einer Sondersitzung am Donnerstagabend verkündete Gesundheitsminister Leoš Heger eine Ergänzung zum bisherigen Verkaufsverbot:

„Weiter ist es jedem verboten, Getränke ab 20 Prozent Alkohol, inklusive Tuzemák (hiesiger Rumersatz, Anm. d. Red.) und anderen Konsumspirituosen, in andere Länder auszuführen.“

Dieses Exportverbot trifft natürlich vor allem die großen Likör- und Spirituosenhersteller. Entsprechend verstimmt äußerte sich Vladimír Darebník, Produktionsdirektor der Firma Jan Becher, die den berühmten tschechischen Kräuterlikör Becherovka herstellt:



Vladimír Darebník (Foto: ČT 24)
„Für uns ist das eine sehr schlechte Nachricht. Sie bedeutet eine Verschärfung unserer jetzigen Lage. Der gute Ruf unserer Produkte im Ausland erleidet schweren Schaden und die Reputation zurückzugewinnen wird mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern.“

Andere Stimmen gratulieren aber der Regierung für ihre Entscheidung. So zum Beispiel Pavel Kadlec, Generaldirektor von „Grannette and Starorežná“, dem zweitgrößten inländischen Spirituosenhersteller:

John Dalli (Foto: Europäische Kommission)
„Diese neue Maßnahme betrachte ich als erste richtige Entscheidung der Regierung. Im Falle einer schnellen Beendigung des hiesigen Verkaufsverbots von Schnaps ist es theoretisch möglich, auch das Exportverbot schnell wieder aufzuheben. Wäre das unter der Regie der Europäischen Union geschehen, hätte ein Ausfuhrverbot von mindestens zwei Monaten gedroht. Und das wäre ein großer Schaden für die Exporteure gewesen.“

Der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, John Dalli, ließ am Freitag ausrichten, er begrüße das Exportverbot der Regierung. Sollte Tschechien das Verbot aber aufheben, sei eine vorherige Konsultation mit Brüssel notwendig. Schließlich gehe es um eine Gemeinschaftsentscheidung.