Striktes Verkaufsverbot für Spirituosen soll Vergiftungsserie stoppen

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Die Vergiftungsserie mit gepanschten Spirituosen reißt nicht ab. Die Zahl der Todesfälle liegt bereits bei über 20. Seit Freitag gilt in Tschechien ein striktes Verkaufsverbot für Getränke mit mehr als 20 Volumenprozenten Alkohol. Insgesamt 20 Millionen Flaschen liegen nun auf Lager. Die Polizei fahndet weiter nach der Quelle des giftigen Methanols, das in den gepanschten Spirituosen enthalten ist.

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Verbotsschilder in Gaststätten und leere Regale in Geschäften. Spirituosen sind aus Tschechien offiziell verschwunden. Grund für das generelle Verbot sei die überregionale Ausbreitung der Vergiftungsserie, so Gesundheitsminister Leoš Heger. Polizei und Ordnungsämter haben am Wochenende Geschäfte im ganzen Land überprüft und berichten nur von kleineren Verstößen, die Händler und Gastwirte halten sich sonst an das Verkaufsverbot. Das Verbot soll mindestens einen Monat gelten. Trotzdem stellte Gesundheitsminister Leoš Heger am Sonntag in Aussicht, dass es etwas abgeschwächt werden könnte:

Leoš Heger (Foto: ČTK)
„Ich hoffe, dass in den nächsten Tagen die Maßnahme, die nun landesweit gilt, beschränkt wird: entweder auf gewisse Regionen oder auf gewisse Alkoholsorten.“

Das Alkoholverbot ist für den Staat eigentlich schädigend. Zum einen verliert er die Einnahmen aus Branntwein- und Mehrwertsteuer.

„Der Ausfall kann bis zu 750 Millionen Kronen im Monat betragen“, sagt der stellvertretende Finanzminister, Ladislav Minčič. Das sind umgerechnet etwa 30 Millionen Euro. Der Staat befürchtet aber noch eine schlimmere Variante. Noch einmal Minčič:

Ladislav Minčič
„Der Schwarzmarkt könnte sich noch weiter ausbreiten und tiefer verankern. Die Folgen für den Staatshaushalt wären noch wesentlich schlimmer.“

Nach Schätzungen des Ministeriums deckt der Schwarzmarkt zurzeit bis zu zehn Prozent des Alkoholkonsums in Tschechien. Die Union der Spirituosenproduzenten und –importeure geht sogar von einem noch größeren Umfang aus. Sie glaubt, der Anteil des Schwarzmarktes betrage bereits ein Viertel.

Die Vergiftungsserie hat am Wochenende bereits die tschechische Grenze überschritten. Acht Slowaken mussten von Ärzten behandelt werden, die während einer Familienfeier Sliwowitz aus Mähren getrunken hatten. Bei vier von ihnen wurde Methanol im Körper bestätigt. Den giftigen Weinbrand hatten sie nicht in einem Geschäft gekauft, sondern per Internet bestellt. Trotzdem erwägt die Slowakei nicht, ein Einfuhrverbot für Spirituosen aus Tschechien zu verhängen. Polen hat hingegen die Einfuhr aus dem Nachbarland gestoppt. Der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes in Warschau, Marek Posobkiewicz:

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„Weil in einigen Fällen der giftige Alkohol in normalen Geschäften gekauft wurde, haben wir uns entschieden, den Verkauf des aus Tschechien eingeführten Alkohols generell zu verbieten.“

Die Polizei fahndet weiter nach der Quelle des Methanols. In den vergangenen Tagen hat sie ihre Ermittlungen ausgeweitet: Die Ermittlungen konzentrieren sich nicht mehr nur auf die Hersteller und Verkäufer der vergifteten Getränke, sondern auch auf die Lieferanten des Grundstoffes. Am Wochenende wurde ein Mann festgenommen, der als das Hauptglied der Kette im Kreis Zlín gilt. Ihm drohen bis zu acht Jahre Gefängnis. Insgesamt wird zurzeit gegen 23 Personen ermittelt.