Fehlende Medikamente: Tschechische Apotheken exportieren womöglich illegal Waren ins Ausland

Apotheke

Das Staatliche Institut zur Arzneimittelkontrolle in Tschechien (SÚKL) ist einem Skandal auf der Spur. So sollen Apotheken illegal wichtige Medikamente ins Ausland exportiert haben.

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Rund 130.000 Packungen an Medikamenten sollen aus tschechischen Apotheken verschwunden sein. Der Gesamtwert liegt bei 67 Millionen Kronen (2,8 Millionen Euro). Und zwar sollen die Mittel illegal ins Ausland ausgeführt worden sein, wie das Staatliche Institut zur Arzneimittelkontrolle bei seinen Erhebungen herausgefunden hat.

Es handelt sich um wichtige und verschreibungspflichtige Heilmittel, die beispielsweise Patienten nach Organtransplantationen helfen sollen, oder um Asthma-Mittel und blutdrucksenkende Präparate. Aber auch von Medikamenten gegen Epilepsie und für Krebskranke ist die Rede. Irena Storová ist die Leiterin der Behörde zur Arzneimittelkontrolle:

„Die Apotheker haben diese Medikamente zwar bestellt. Aber nach der Lieferung nahmen sie die Chargen weder in die Listen für den Wareneingang auf, noch in jene für den Lagerbestand oder für die Ausgabe an Patienten. Dadurch sind die Mittel aus der offiziellen Versorgungskette hierzulande verschwunden und stehen leider mit großer Sicherheit nicht den Menschen in Tschechien zur Verfügung.“

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Insgesamt 14 solcher Fälle hat die Aufsichtsbehörde aufgedeckt. Storová schildert ein besonders krasses Beispiel…

„Wir sind auch auf einen Apotheker gestoßen, dem im Verlauf von 13 Monaten mehr als 31.000 Packungen an Medikamenten abhandengekommen sind. Der Gesamtwert lag bei 17,5 Millionen Kronen“, so die Behördenleiterin.

17,5 Millionen Kronen entsprechen 735.000 Euro.

Beim Staatlichen Institut zur Arzneimittelkontrolle ist man davon überzeugt, dass die Heilmittel regelmäßig ins Ausland verschoben werden. Storová spricht dabei vom Verdacht auf organisierte Kriminalität. Sie hat die Fälle nun der Polizei, dem Zoll und den Finanzbehörden gemeldet. Das bestätigte auch die Sprecherin der tschechischen Zollverwaltung, Hana Prudičová:

„In enger Zusammenarbeit werden wir die Informationen überprüfen, die das Staatliche Institut zur Arzneimittelkontrolle an uns weitergeleitet hat. Unser Ziel ist dabei zu ermitteln, ob nicht weitere Vorschriften verletzt wurden – und zwar in den Bereichen Zoll, Steuern oder Strafrecht.“

Erste Strafen in Höhe von 10,5 Millionen Kronen (440.000 Euro) hat das Institut bereits selbst verhängt.

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Bei der Tschechischen Apotheker-Kammer ist man bestürzt und nennt die illegalen Exporte „verachtungswürdig“. Selbst tätig werden könne die Kammer im Moment aber noch nicht, sagte ihr Sprecher Martin Kopecký:

„Erst wenn wir vom Institut konkrete Informationen zu den Apothekern erhalten, die mitgemacht haben, können auch wir Strafen aussprechen. Dies ist aber noch nicht geschehen.“

Das Staatliche Institut zur Arzneimittelkontrolle hat angesichts des Skandals vorgeschlagen, die Sanktionen für kriminelle Apotheker zu verschärfen – bis hin zu einem Tätigkeitsverbot.

Autoren: Till Janzer , Iveta Vávrová
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