Forschungsprojekt: Der Glaube der Nichtgläubigen

Tomáš Halík (Foto: Martina Schneibergová)

Die Tschechische Christliche Akademie hat im Dezember vergangenen Jahres ein internationales Forschungsprojekt hat gestartet. Dieses soll den Vertretern von Kirchen, des öffentlichen Lebens und der Medien ermöglichen, die sich wandelnde Einstellung zu Religion und Glauben zu verstehen.

Tomáš Halík (Foto: Martina Schneibergová)
Professor Tomáš Halík ist katholischer Priester, Theologe und Soziologe an der Prager Karlsuniversität. Zudem ist der Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie. Deren neuestes internationales Forschungsprojekt ist in Zusammenarbeit mit der Prager Karlsuniversität entstanden, es heißt „Der Glaube und die Überzeugung der Nichtgläubigen“. Professor Halík dazu:

„Innerhalb von drei Jahren werden in seinem Rahmen 18 thematische Arbeitstreffen stattfinden, an denen Experten im Bereich Sozialwissenschaften, Theologie und Religionswissenschaft teilnehmen. Das Projekt umfasst öffentliche Vorträge, Kurse an der Universität, empirische Forschungen, audiovisuelle Dokumentationen und Programme, die auf junge Menschen zielen.“

Am Projekt beteiligen sich Halík zufolge Experten aus West- und Mittelosteuropa sowie aus den USA. Es wird sich um interdisziplinäre Forschungen handeln. Neben Soziologen und Theologen sind laut Halík auch Mitarbeiter aus der Seelsorge miteinbezogen.

„Das Ziel des Projektes ist es, den Vertretern der Religionen, des öffentlichen Lebens und den Meinungsmachern zu ermöglichen, Änderungen der Religiosität zu verstehen. Wir stellen uns beispielsweise die folgenden Fragen: Gibt es bedeutende Unterschiede zwischen den Agnostikern in den postkommunistischen Ländern und in Westeuropa? Können die Gläubigen mit den Nichtgläubigen bei der Verhinderung eines Missbrauchs der Religion in der heutigen Welt zusammenarbeiten? Es zeigt sich, dass die bisherige Teilung in Gläubige und Nichtgläubige, in Theisten und Atheisten, nicht ausreicht. Die Skala von Ansichten ist heute viel bunter. Schließlich interessiert uns, wie der Glaube der Nichtgläubigen unter den Jugendlichen heute aussieht.“

Paul Zulehner (Foto: Martina Schneibergová)
Das Forschungsprojekt reagiert darauf, dass immer mehr Menschen behaupten, kein Glaubensbekenntnis zu haben. Laut Halík zeigt sich jedoch, dass es in dieser Gruppe auch viele Menschen gibt, die man eher als „Apatheisten“ denn als Atheisten bezeichnen müsste. Das sind solche Menschen, die gleichgültig sind gegenüber der Religion, die sie bisher kennengelernt haben. Außerdem gehören zu dieser Gruppe auch suchende Menschen sowie Anhänger alternativer Religionen oder nicht konfessioneller Spiritualität und nicht zuletzt Menschen, die von den Kirchen enttäuscht sind. Und wie soll das Projekt konkret verlaufen?

„Die Forscher aus den unterschiedlichen Ländern kommen immer zu einem dreitägigen Treffen nach Prag. Am ersten Tag halten renommierte Experten aus dem Ausland ihre Vorträge, diese sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Am zweiten Tag steht eine Arbeitsdiskussion vor allem der ausländischen Experten auf dem Programm. Am dritten Tag werden Kirchenvertreter und Soziologen aus Tschechien eingeladen, und wir wollen versuchen, die Erkenntnisse in der Praxis anzuwenden.“

Das erste Treffen im Rahmen des Forschungsprojektes wurde im Dezember mit einer Debatte zum Thema der „doppelten Säkularisierung Europas“ eröffnet. Es diskutierten Eberhard Tiefensee, Priester und Philosophieprofessor an der Universität Erfurt, sowie der österreichische Theologe und emeritierte Universitätsprofessor Paul Zulehner. Finanziert wird das Projekt von der Templeton-Stiftung.