Forum 2000

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Auf der Prager Burg wird der fünfte Jahrgang des Intellektuellentreffens Forum 2000 fortgesetzt. Das Thema des zweiten Konferenztages sind "Internationale Organisationen und die Menschenrechte", die Diskussion wird allerdings in verschiedene Richtungen, auch über den Rahmen des gegebenen Themas, geführt. Dagmar Keberlova war bei Forum 2000 dabei.

Wie bei ähnlichen Diskussionen, bei denen Teilnehmer aus allen Ecken und Enden der Welt anwesend sind, besteht eine weitreichende Diskrepanz über die Ansichten der Menschenrechte. Dies machte sich auch im Rahmen der Überlegungen über die Rolle der internationalen Organisationen deutlich. Neben der Problematik, dass jede Organisation selbstverständlich ihre Zielsetzungen für unabdingbar betrachtet, gibt es auch klaffende Unterschiede in der Ansicht der einzelnen Teilnehmer darin, welche Menschenrechte die Grundrechte und welche sekundär sind, also zunächst von den Grundrechten abzuleiten oder durch sie bedingt sind. Zur Frage der internationalen Organisationen äußerte die stellvertretende Bundestagspräsidentin Antje Vollmer die folgende Anregung:

Die ganze Konferenz steht trotz der verschiedenen Themen ganz im Zeichen der Attentate auf die USA vom vergangenen Monat. Es vergeht kein Diskussionsbeitrag, ohne dass das aktuellste Thema, der Terrorismus, unerwähnt bleibt. So sprach beispielsweise die indische Schriftstellerin Vandana Shiva über die "Talibanisirerung" der Welt, als Reaktion auf eine oktroyierte Lebensweise. Der norwegische Schriftsteller Jostein Gaarder machte auf die Notwendigkeit aufmerksam, nach den Ursachen des Terrorismus und des Hasses gegen USA, gegen Israel und die ganze westliche Welt zu fragen. Zu der Frage nach dem Ursprung des Terrorismus sagte Antje Vollmer:

Bereits in einem früheren Konferenzbeitrag äußerte der tschechische Theologe und Soziologe Tomas Halik, dass Politik und Religion wahrscheinlich die bedeutendesten Rollen im 21. Jahrhundert einnehmen werden. Der tschechische Präsident nahm im Rahmen der Konferenz hierzu kurz Stellung:

"Ich gebe zu, dies habe ich mir schon immer gedacht, schon vor den terroristischen Anschlägen. Als ich mich mit den verschiedensten Themen unter verschiedensten Aspekten auseinander setzte, kam ich immer wieder zu dem Schluss, das ein Problem nur schwer zu lösen ist, wenn diese Lösung nicht in einer Art von Spiritualität verankert ist."

Vaclav Havel, der gemeinsam mit Elie Wiesel der Gründer dieses Forums ist, gab auch zu verstehen, dass über eine Fortsetzung des Intellektuellentreffens auch in den nächsten Jahren nachgedacht werde. Der letzte Jahrgang des Treffens geht am Mittwoch zu Ende.