Freigelegte Kapellenfundamente erinnern an verschwundene Böhmerwaldgemeinde Stadln
Am Samstag, 27. September, wurde an dem Ort, an dem einst die Böhmerwaldgemeinde Stodůlky / Stadln stand, eine Gedenkstätte eröffnet. Martina Schneibergová hat über den Festakt mit Gernot Peter gesprochen. Er leitet das Böhmerwaldmuseum in Wien.
Herr Peter, Sie haben an der feierlichen Enthüllung des Denkmals in Stodůlky, teilgenommen. Was war das für eine Veranstaltung?
„Es wurde dort an der Stelle der Dorfkapelle, die genau vor 300 Jahren erbaut wurde, eine Gedenkstätte eröffnet. Die Fundamente dieser Kapelle wurden erneuert, man sieht also heute die Grundrisse wieder gut. Zudem wurde auch ein Gedenkkreuz errichtet. Es gab eine schöne Veranstaltung mit rund 300 Besucherinnen und Besuchern unter Anwesenheit der lokalen Bürgermeister und des tschechischen Kulturministers Martin Baxa sowie unter Anwesenheit einiger Zeitzeugen, die noch aus Stadeln stammten.“
Erinnern sich die Zeitzeugen noch gut an ihre Kindheit in der Böhmerwaldgemeinde?
„Ja, es gibt noch einige wenige Zeitzeugen, die tatsächlich noch gute Erinnerungen an diesen völlig verschwundenen Ort haben. Das Dorf befand sich im militärischen Sperrgebiet, wo es den Truppenübungsplatz Dobrá Voda / Gutwasser gab. Die Zeitzeugen haben etwa in Büchern, Ausstellungen und auch in verschiedenen Film- und Fernsehbeiträgen über ihre Erinnerungen gesprochen.“
Stadeln war, soviel ich weiß, flächenmäßig die größte Gemeinde in Böhmen. Dabei ist von dem Dorf nichts geblieben…
„Ja, das ist richtig. Es gab nur einen Ort, der flächenmäßig größer war in Böhmen, und das war Prag. Die Gemeinde hatte ungefähr 600 Einwohner. Heute finden sich praktisch keine Spuren mehr und das Gebiet kann auch nicht betreten werden, weil es möglich ist, dass es dort noch Blindgänger aus der Zeit des Truppenübungsplatzes gibt, als der Ort völlig zerstört wurde.“
Wer hat die Einweihung der Gedenkstätte auf tschechischer Seite organisiert?
„Das war der Verein ,Šumavské cesty‘. Der Verein arbeitet schon länger daran, die Kapellenfundamente freizulegen und hier eine Gedenkstätte zu schaffen. Es gab zahlreiche Herausforderungen. Bei der Veranstaltung wurde erwähnt, dass es nicht einfach war, die Gegend von den Kriegsgeräten zu säubern. Man musste natürlich auch im Nationalpark entsprechendes Einverständnis finden. Es war ein langer, aber erfolgreicher Weg. Die Vertreter des Nationalparks waren bei der Veranstaltung auch dabei.“
Wen haben Sie dort vertreten?
„Ich war einer der Besucher. Ich bin der Heimatkreisbetreuer für den Kreis Bergreichenstein / Kašperské Hory und auch für den Kreis Prachatitz / Prachatice und leite auch das Böhmerwaldmuseum in Wien. Diese Funktion hat mich dazu gebracht, Veranstaltungen in dieser Gegend zu besuchen. Frau Anne Horn-Braehmer, die die ehemaligen Bewohner der Gemeinde Stadln / Stodůlky betreut, war natürlich auch zugegen und hat eine schöne Rede in Deutsch und in Tschechisch gehalten.“
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