Freiwillige aus Tschechien an slowakisch-ukrainischer Grenze: Dolmetscher sind gefragt

Flüchtlinge aus der Ukraine in Ubľa

Viele Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine fliehen, nutzen den slowakisch-ukrainischen Grenzübergang Ubľa – Malyj Bereznyj. Unter anderem ist es dort wichtig, diesen Menschen Informationen in ihrer Muttersprache zu bieten. Dringend gefragt sind darum Dolmetscher. Sie werden vor allem dann gebraucht, wenn entschieden werden muss, wie die Flüchtlinge in den Westen weiterreisen. Bei der Verständigung helfen Studenten oder Ukrainer, die schon länger in Tschechien leben. Viele der Freiwilligen kommen aus Tschechien.

Grenzübergang zur Ukraine in Ubľa | Foto: Ondřej Deml,  ČTK

Direkt in der Nähe des slowakischen Dorfes Ubľa befindet sich der Grenzübergang zur Ukraine. Vor dem Kulturzentrum inmitten der Gemeinde stehen zahlreiche Zelte, drinnen wird den Geflüchteten Hilfe angeboten. In einem der weißen Zelte helfen ihnen tschechische Freiwillige dabei, die Weiterfahrt in unterschiedliche Orte Tschechiens zu organisieren. Die Grundinformationen müssen gedolmetscht werden.

„Binnen drei Tage muss dies ausgefüllt werden“, sagt eine der tschechischen Freiwilligen.

Flüchtlinge aus der Ukraine | Foto: Darko Vojinovic,  ČTK/AP Photo

Olena übersetzt ihre Hinweise und erklärt gegenüber dem Rundfunkreporter:

„Ich lebe seit 30 Jahren in Brno, stamme aber aus der Ukraine und bin jedoch keine Dolmetscherin“, merkt sie an.

Olena hat eine spezielle blaue Weste an, damit sie von den Flüchtlingen besser in ihrer Funktion erkannt wird.

„Wenn Sie meinen Namen Olena sehen, haben Sie mehr Vertrauen. Ich muss sie manchmal ein wenig beruhigen. Es ist wichtig, dass sie Ukrainisch hören. Denn sie haben oft Angst vor unbekannten Menschen. Ich sage immer, dass die Tschechische Republik sie willkommen heiße und dass die Menschen, die hier helfen, überprüft worden seien, und man also keine Angst haben müsse.“

Foto: Darko Vojinovic,  ČTK/AP Photo

Olena zufolge ist es höchst wichtig, dass die gestressten Menschen in ihrer Muttersprache informiert werden. Viele haben unglaublich viel durchgemacht, bevor sie zur Grenze gelangen konnten.

„Ich habe schon einige Mal geweint, vor allem wegen der Kinder. Sie sind noch schlimmer dran als Erwachsene. Das ist das Schwere an der Arbeit für mich. Aber sie werden uns nicht brechen. Wir sind ein starkes Volk.“

Foto: Jan Pešula,  Wikimedia Commons,  CC0 1.0

Olena spricht täglich mit mehreren Hundert ukrainischen Flüchtlingen. Karolína Beránková koordiniert die tschechischen Freiwilligen in Ubľa. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte sie:

„In diesem Moment suchen wir nach ukrainisch-tschechischen Dolmetschern, die imstande und bereit sind, uns in Ubľa wenigstens eine Woche lang zu helfen. Es gibt eine von uns koordinierte Facebook-Gruppe.“

Diese heißt Pomoc Ukrajině-hraniční přechod Ubľa. Aber nicht nur Dolmetscher werden in den folgenden Wochen in dem Grenzort gebraucht, sondern viele Helfer für alles Mögliche. Denn laut dem slowakischen Regierungskabinett dürfte der Flüchtlingsstrom aus der Ukraine weiter zunehmen.

Autoren: Martina Schneibergová , Ondřej Vaňura
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