Fußball: Großer Jubel in Pilsen, Liberec und in Varnsdorf

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Die Fußballsaison 2014/15 in der tschechischen Top-Liga und der Spielklasse unter ihr ist seit vergangenem Wochenende Geschichte. Wie immer hat auch diese Saison neben Dramatik, Spannung und Emotionen seine jeweiligen Sieger hervorgebracht. Gleich ein ganzes Quartett der Gewinner stellen wir Ihnen heute vor: den neuen Meister Viktoria Pilsen, den neuen Pokalsieger Slovan Liberec, den überraschenden Aufsteiger zur Synot Liga FK Varnsdorf und den Torschützenkönig der Liga, David Lafata.

FC Viktoria Pilsen  (Foto: ČTK)
Die größte Party zum Saisonabschluss gab es am Samstag im westböhmischen Plzeň / Pilsen. Die Spieler, Betreuer, Funktionäre und Fans des hier ansässigen FC Viktoria feierten freudetrunken ihre dritte Meisterschaft, alle drei wurden binnen fünf Jahren errungen: in den Spielzeiten 2010/11, 2012/13 und eben 2014/15. Der Vater des diesjährigen Erfolgs war zweifellos Trainer Miroslav Koubek, für den es am Samstag zudem eine Premiere gab: Zum ersten Male in seiner Karriere als Chefcoach durfte er den Pokal eines Landesmeisters in den Händen halten. Den Titel mit Pilsen gewann er mit 72 Punkten – das ist ein neuer Vereinsrekord für die Bierstädter:

Miroslav Koubek  (Foto: ČTK)
„Ich bin froh darüber, denn der Rekord reizte nicht nur mich, sondern auch die Spieler haben wiederholt davon gesprochen. Es ist erfreulich, dass sie sich in die Geschichte des Clubs einschreiben wollten. Denn in den Annalen wird alles festgehalten.“

Koubek hat übrigens in den Jahren von 1992 bis 1995 den oberpfälzischen 1. FC Amberg trainiert und ist 2008 mit Tianjin Teda FC auch chinesischer Meister geworden, allerdings „nur“ als Co-Trainer von Jozef Jarabinský.

Daniel Kolář  (links). Foto: ČTK
Zu der Schar der Pilsener Spieler, die mit ihrem Verein nun schon den dritten Titel gewonnen haben, gehört Mittelfeld- und Nationalspieler Daniel Kolář:

„Der erste Titelgewinn kam ziemlich unerwartet, der zweite war schwer, und diesen dritten stelle ich über die beiden anderen. Der Grund liegt auf der Hand: Stets wurde gesagt, dass Pilsen ohne Trainer Vrba und Kapitän Horváth nur die Hälfte wert ist. Aber wir haben gezeigt, dass wir es nicht sind, und dass wir den Titel auch ohne die beiden gewinnen können.“

Pavel Horváth  (Foto: ČTK)
Erfolgscoach Pavel Vrba ist vor 17 Monaten zum Nationaltrainer aufgestiegen, und der langjährige Kapitän Pavel Horváth kam in dieser Saison nur noch sporadisch zum Einsatz. Zur Abschlusspartie der Pilsener gegen Příbram bestritt der mittlerweile 40-Jährige nun das letzte Pflichtspiel seiner Karriere. Von seinen Fans verabschiedete er sich danach in der für ihn typischen extrovertierten Art und Weise.

„Es ist für mich nicht leicht gewesen, mir kamen die Tränen, doch ich habe den Abschiedsschmerz unterdrücken können“, sagte Horváth später.

Patrik Hrošovský  (Foto: Archiv FC Viktoria Pilsen)
Für den Slowaken Patrik Hrošovský brachte der Samstag indes ein ganz neues Gefühl, denn für den 23-jährigen Mittelfeldspieler der Westböhmen war es der erste Meistertitel. Hrošovský war dabei immer zuversichtlich, auch nachdem seine Mannschaft Ende April gegen Mladá Boleslav die einzige Heimniederlage der Saison kassierte:

„Nein, Angst hatte ich kein bisschen. Wenn Sie nur einmal auf unseren Kader schauen, dann merken Sie, dass die Mehrzahl der Spieler schon reichlich Erfahrung im Titelkampf besitzt. Wir haben viele Nationalspieler, von daher glaubte ich immer daran, dass wir diese Saison zum Erfolg führen.“

Und worin war Pilsen besser als der härteste Konkurrent Sparta Prag?

„Zuallererst darin, dass wir die beiden direkten Duelle mit Sparta gewonnen haben. Darüber hinaus haben wir die meisten Tore geschossen. Also in der Offensive waren wir offenbar stärker“, so Hrošovský.

Jan Holenda  (Foto: Vachovec1,  Wikimedia CC BY-SA 4.0)
Und weil dem so war, konnten die Viktoria-Spieler am Samstag neben dem Pokal auch noch die verdienten Goldmedaillen in Empfang nehmen. Sie waren funkelnagelneu aus feinem Kristallglas geschliffen, staunte auch Stürmer Jan Holenda:

„Die Medaillen sind wunderschön. Mir gefallen sie sehr. Hervorragende Arbeit. Bei den Feiern wird jeder wohl achtgeben, damit er so etwas Schönes nicht beschädigt.“

Liberec rettet verkorkste Saison mit Pokalsieg

Drei Tage vor den Pilsenern konnte bereits eine andere Mannschaft eine große Trophäe entgegennehmen: der FC Slovan Liberec, der im mittelböhmischen Mladá Boleslav / Jungbunzlau das Endspiel um den nationalen Pokal gewann. Dabei hatten die Jeschkenstädter zunächst große Mühe, um ihrem Gegner – dem benachbarten FK Jablonec nad Nisou – Paroli zu bieten. Ab der 38. Minute musste Liberec einem 0:1-Rückstand hinterherlaufen, der späte, aber verdiente Ausgleich gelang Slovan erst vier Minuten vor Ablauf der offiziellen Spielzeit. Da in der Verlängerung keine Tore fielen, musste schließlich das Elfmeterschießen über Sieg und Niederlage entscheiden. In diesem hielten die Blauen dank ihres Torwarts Lukáš Hroššo die besseren Trümpfe in ihrer Hand. Der Slowake hielt auch den Elfmeter des Brasilianers Rossi, daher konnten er und seine Mitspieler am Ende jubeln:

Liberec rettet verkorkste Saison mit Pokalsieg  (Foto: ČTK)
„Wir haben den Pokal und heute den Favoriten besiegt. Die Gablonzer hielten die Trophäe dem Papier nach schon vor dem Spiel in den Händen, doch wir haben sie ihnen letztlich entrissen.“

Das aber haben sich die Grün-Weißen selbst zuzuschreiben, spielten sie doch nach ihrer Führung vor allem in der zweiten Halbzeit viel zu passiv. Das hat Liberec mit dem Ausgleich bestraft, worüber sich auch Trainer David Vavruška sichtlich freute:

„Die zweite Halbzeit war von unserer Seite sehr gut, wir haben uns nach der Pause drei hundertprozentige Chancen herausgearbeitet. Von daher sehe ich unseren Sieg als verdient an.“

Varnsdorf gelingt überraschender Aufstieg – vorerst nur sportlich

FK Varnsdorf  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Großen Jubel gab es bereits am Sonntag vergangener Woche im Schluckenauer Zipfel nahe der Grenze zu Sachsen: im nur 15.000 Einwohner zählenden Varnsdorf / Warnsdorf. Nach dem torlosen Remis gegen Zweitliga-Spitzenreiter Olomouc stand nämlich fest: der Fußballklub (FK) der nordböhmischen Kleinstadt ist erstmals in seiner Vereinsgeschichte in die höchste Liga des Landes aufgestiegen! Sportlich gesehen ist dies eine mittlere Sensation, doch wirtschaftlich gesehen sind die Warnsdorfer noch längst nicht im Oberhaus angekommen. Was ihnen besonders fehlt, ist ein erstligataugliches Stadion. Dazu sagte Verbandschef Miroslav Pelta:

Miroslav Pelta  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Sportlich steigt Varnsdorf auf und die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob dieser Aufstieg auch Realität wird. Jede Mannschaft, die in die oberste Liga aufsteigt, auf der anderen Seite aber nicht die Infrastruktur besitzt, um in ihr zu spielen, bekommt für ein Jahr eine Sondergenehmigung. Sie kann dann ihre Heimspiele woanders austragen, was aus heutiger Sicht für Varnsdorf kein Problem wäre. Die Mannschaft könnte im Stadion von Jablonec spielen, dafür haben wir unsere Zustimmung gegeben.“

Nach der einen Saison aber müsste Varnsdorf ein modernisiertes Stadion vorweisen, um erneut die Spielberechtigung für die Synot Liga zu erhalten, sofern die Mannschaft die Klasse hält. Was also tun, um eine gewisse Perspektive zu wahren? Ein Jahr lang in Jablonec spielen ohne Motivation auf den Fortbestand der Erstligazugehörigkeit oder in den Stadionumbau investieren ohne Garantie, ob es für eine weitere Saison zwingend notwendig wäre? Vorstandschef Vlastimil Gabriel hat sich für die zweite Variante entschieden:

Vlastimil Gabriel  (Foto: Archiv FK Varnsdorf)
„Die Jungs haben es sich verdient. Wir haben eine No-Name-Truppe und auch sehr viel für deren Entwicklung getan. Ich denke, dass sollte die gesamte Region würdigen und uns helfen.“

Für den Stadionumbau rechnet Gabriel mit einem Kostenaufwand von umgerechnet zirka 3,5 Millionen Euro und hofft die Summe nun über Sponsoren und bei Gönnern des Vereins auftreiben zu können. Sollte der Club aus Varnsdorf indes zurückstecken und seine Ambitionen aufgeben, dann steht bereits Zlín als drittplatzierte Mannschaft der zweiten Liga als Nachrücker bereit. Zudem kehrt Olomouc / Olmütz nach einjähriger Zweitklassigkeit wieder in das Oberhaus zurück.

Lafata zum vierten Mal Torschützenkönig der Liga

David Lafata  (Foto: ČTK)
Als Titelverteidiger des Vorjahres wurde Sparta Prag schon drei Spieltage vor Saisonende von Viktoria Pilsen entthront. Den Pragern blieben daher diesmal nur einige Titel in den Umfragen oder in einer Einzelwertung vorbehalten. Zum Beispiel der Titel des Torschützenkönigs, den Angreifer und Kapitän David Lafata gewann. Der 33-jährige Lafata erzielte 20 Treffer, einen mehr als der zweitplatzierte Milan Škoda vom Lokalrivalen Slavia Prag. Seine Freude über die virtuelle Torjägerkrone hielt sich jedoch in Grenzen:

„Für diesen Titel gebührt natürlich meinen Mitspielern der Dank, die meine Treffer gut vorbereitet haben. Schade nur, dass diese Tore nicht für den Meistertitel gereicht haben.“

Dafür wurde Lafata zum Saisonausklang noch eine weitere Ehre zuteil: Am Sonntagabend wurde er in Prag zum tschechischen Fußballer der Saison 2014/15 gekürt. In der Umfrage der Sportjournalisten profitierte er zwar davon, dass die sonstigen Sieger dieser Wahl wie Petr Čech und Tomáš Rosický bei ihren Londoner Clubs kaum zum Einsatz kamen, doch andererseits ist diese Auszeichnung mehr als verdient. Für Lafata sprachen vor allem seine guten Leistungen in der Nationalmannschaft zum Beginn der EM-Qualifikation im Herbst 2014. Und dieses Team vollzieht nun auch den endgültigen Saisonausklang. Am Freitag nächster Woche tritt es zum EM-Qualifikationsspiel in Island an.

Autor: Lothar Martin
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