Fußball: Pilsen und Sparta Prag verspielen Chance auf Champions League

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Der tschechische Vereinsfußball hat am Mittwoch eine weitere Enttäuschung erlebt. Meister Viktoria Pilsen und Vize Sparta Prag waren angetreten, um die Landesfarben in der Qualifikation zur Champions League hochzuhalten. Am Mittwochabend hatten beide Clubs die große Möglichkeit, sich vor eigenem Publikum für die Playoffs zu qualifizieren. Doch mit an sich unerklärlichen Niederlagen vergaben sie diese Chance.

Alan Dzagojew  (links). Foto: ČTK
Die Ausgangsposition von Plzeň / Pilsen und Sparta Prag vor den Rückspielen der dritten Qualifikationsrunde war verheißungsvoll: Beiden Teams genügte schon ein Unentschieden mit maximal einem Gegentor, um die nächste Runde zu erreichen. Und die Prager, die sich im Hinspiel 2:2 von ZSKA Moskau getrennt hatten, vergrößerten bereits nach einer Viertelstunde ihre Chancen: Nach Toren von Krejčí (6.) und Fatai (16.) lagen sie mit 2:0 in Führung.

Wer dachte, dass die Gastgeber die Partie nun im Griff haben und den Vorsprung souverän nach Hause bringen, sah sich indes getäuscht. Mehrere Sparta-Spieler zeigten Nerven und machten individuelle Fehler, dadurch kamen die Moskowiter relativ leicht zum Anschluss und zum Ausgleich. Und mit einer tollen Einzelaktion erzielte Alan Dzagojew in der Schlussphase, in der Sparta nur noch zu zehnt spielte, das Tor zum 3:2-Endstand für die Gäste. Sparta-Trainer Zdeněk Ščasný räumte nach dem Schlusspfiff ein, es sei naiv zu glauben, dass seine neuformierte Mannschaft bereits 90 Minuten ohne Fehler spielen könne. Die Hauptschuld für die bittere Niederlage aber suchte er woanders:

David Lafata und Marek Matějovský  (Foto: ČTK)
„Der Schiedsrichter hat das Spiel massiv beeinflusst, er bot für mich eine tragische Vorstellung. Gegen uns hat er gelbe Karten und eine rote gezückt, nicht aber beim Gegner. Wir hätten einen klaren Strafstoß bekommen müssen, zudem war der Platzverweis gegen Matějovský eine überzogene Entscheidung.“

Ščasný sprach bei seiner Schilderung Spielszenen zwischen der 64. und 73. Minute an, bei denen Marek Matějovský nach einem ungeschickten Tackling zum Ball vom Platz flog sowie ein Foul an Torjäger David Lafata im Strafraum nicht geahndet wurde. Ladislav Krejčí, Spartas Torschütze zum 1:0, bestätigte die Sichtweise des Trainers zu den beiden Szenen. Doch sie seien nicht der Grund für die Niederlage gewesen, entgegnete der Stürmer:

Ladislav Krejčí  (Foto: ČTK)
„Diese Szenen können eindeutig keine Entschuldigung sein für unsere Fehler. Wir hatten auch noch beim Stand von 2:2 einige Chancen, haben sie aber nicht genutzt. Und die Gegentore hätten wir auch nicht so einfach bekommen dürfen. Aber ab der 65. Minute in Unterzahl zu spielen, ist natürlich schwer.“

Nicht so schwer, wie es am Ende wurde, hatte sich die Mannschaft von Viktoria Pilsen ihre Heimspielaufgabe vorgestellt. Vom Hinspiel beim israelischen Meister Maccabi Tel Aviv brachten die Westböhmen einen 2:1-Sieg mit, so dass ihnen beim Rückspiel zu Hause schon ein 0:0 zum Weiterkommen reichte. Doch so spielten die Gastgeber dann leider auch: 75 Minuten lang verwalteten sie nur ihre gute Ausgangsposition, zeigten kaum Zug zum gegnerischen Tor – und wurden dafür bestraft. Nach einem Strafraumfoul von Pilsens Kapitän David Limberský an seinem Pendant auf der Gästeseite gab es Elfmeter, den der Gefoulte sicher verwandelte. Und nur sieben Minuten später markierte erneut Eran Zahavi sogar das 2:0 für die Israelis. Mit diesem Ergebnis gab Pilsen das sicher geglaubte Playoff-Ticket tatsächlich noch aus der Hand. Ungläubiges Kopfschütteln danach bei den Blau-Roten, auch bei Trainer Miroslav Koubek:

Viktoria Pilsen - Maccabi Tel Aviv  (Foto: ČTK)
„Entscheidend war unser lahmes Spiel nach vorn, das mich sehr enttäuscht hat. Es war überhaupt nicht geplant, nur auf Sicherheit und 0:0 zu spielen. Anstatt lange Bälle zu spielen, hätten wir kombinieren müssen. Und auch die beiden Gegentore waren so dumm wie überflüssig.“

Mit dieser Niederlage endete auch Pilsens stolze Serie von 13 Siegen in Folge in der Qualifikation zur Champions League seit 2011. Für die Bierstädter und die Prager bleibt jetzt nur noch die Europa League als Trostpflaster. Doch auch für diese Liga müssen sie sich erst noch in den Playoffs qualifizieren.

Autor: Lothar Martin
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