Gedankenstrich-Krieg
Ein linguistischer Konflikt hat den Zerfall der Tschechoslowakei von 1993 vorgezeichnet: der sogenannte Gedankenstrich-Krieg.
Die offizielle Bezeichnung des Staates blieb nach der Samtenen Revolution zunächst unverändert: Tschechoslowakische Sozialistische Republik – Československá socialistická republika, abgekürzt ČSSR. In der Diskussion über einen neuen Namen wandten sich slowakische Vertreter gegen den Vorschlag, das Wort sozialistisch einfach zu streichen. Stattdessen forderten sie, zwischen „tschechisch“ und „slowakisch“ einen Bindestrich – spojovník einzufügen und so die Doppelstaatlichkeit zu verdeutlichen. Diese Lösung wurde aber in Tschechien abgelehnt, weil man den Strich als Trennstrich empfand. Nach heftigen Diskussionen und einigen Verfassungsänderungen hieß der Staat, dem aber nur eine kurze Lebensdauer bevorstand, Tschechische und Slowakische Föderative Republik – Česká a Slovenská Federativní Republika beziehungsweise Česká a Slovenská Federatívna Republika. Die einzelnen Wörter des Titels wurden großgeschrieben, was der Rechtschreibung in beiden Sprachen widerspricht. Es war aber die einzige Variante, auf die man sich einigen konnte.
Die seit 1990 verwendete Kurzform unterschied sich in den beiden Sprachen: Sie lautete die Tschechoslowakei – Československo in Tschechien und die Tschecho-Slowakei – Česko-Slovensko in der Slowakei. Ein Kompromiss für den Landesnamen war zwar gefunden, der Zerfall des Landes konnte aber letztlich nicht verhindert werden. Auf Wiederhören! Na slyšenou und Dopočutia!







