Gedenkstunde für Holocaust-Roma-Opfer

Gedenkstunde für Holocaust-Roma-Opfer (Foto: CTK)

Am Denkmal für die Opfer des ehemaligen Vernichtungslagers im südböhmischen Lety bei Pisek hat am Montag eine Gedenkstunde stattgefunden. Die meisten der hier während des 2.Weltkrieges umgekommenen Menschen waren Angehörige der Roma-Minderheit. An der Gedenkstunde nahm u.a. auch der Vizepremier Pavel Rychetsky teil. Jitka Mladkova berichtet:

Gedenkstunde für Holocaust-Roma-Opfer (Foto: CTK)
Die traditionelle Gedenkstunde, die traditionellen Teilnehmer könnte man sagen. Ansonsten ändert sich nichts. An der Stelle, wo sich einst das KZ befand, wurde noch in der Zeit der kommunistischen Regierung eine Schweinemastgroßanlage errichtet. Diese hat die politische Wende 1989 in der Tschechoslowakei überstanden und existiert weiter - mit nur einem Unterschied zu früheren Zeiten - die Schweineställe befinden sich in privaten Händen. Eben darin liegt der Hund begraben. Trotz zahlreicher Initiativen das Gelände als einen Ort der Pietät zu pflegen und hier ein Mahnmal zu errichten ist dies nicht gelungen. In der unmittelbaren Nähe der Schweinemastfabrik wurde ein eher bescheidenes Denkmal aufgestellt, an dem der Opfer mit einer traditionellen Kranzniederlegung gedacht wird. Dass es der sozialdemokratischen Regierung ebenso wie den vorherigen Regierungen nicht gelungen ist, das Problem des Schweinestalls in Lety zu lösen, hat auch Vizepremier Pavel Rychetsky am Montag gegenüber dem Tschechischen Rundfunk offen gestanden.

Gedenkstunde für Holocaust-Roma-Opfer (Foto: CTK)
"Das ist eine vollkommen private Einrichtung. Eine Enteignung ist also nicht möglich. Wir uns ständig bemüht, über ein Ersatzgrundstück zu verhandeln, das heißt, dass die bestehenden Gebäude abgerissen und finanzielle Entschädigungen ausgezahlt würden. Dies ist aber in dieser Legislaturperiode nicht gelungen und ich weiß nicht, ob es der neuen Regierung gelingen wird. Ich wünsche es ihr."

Verhandlungen über die Zukunft des geplanten Denkmals bleiben also nach wie vor offen. Ein Umzug der Schweinemastanlage würde viel Geld kosten, und das braucht die Regierung, wie Rychetsky vor Journalisten zugab, z.B. für die tschechische Mission in Afghanistan und ähnliche Prioritäten.

Die Roma selbst wollen nicht auf das Vorhaben verzichten, ein würdiges Denkmal in Lety zu errichten. Das behauptet Cenek Ruzicka, Vorsitzender des Ausschusses für die Entschädigung der Holocaust-Roma-Opfer. Ein entsprechendes Projekt sei bereits erarbeitet worden, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Nach Vorstellung der Projektinitiatoren sollten auf einer zwei Meter hohen Wand die Namen der hier umgekommenen Roma zu lesen sein. Ihre Bedingung bleibt aber unverändert: Die Schweine müssen aus dem Gelände verschwinden.