Gesundheitsminister entscheidet: Kliniken dürfen Notfallpatienten nicht ablehnen

Foto: Michal Trnka, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Kliniken in Prag sind seit Neuestem verpflichtet, Notfallpatienten von Rettungsdiensten in jedem Fall zu übernehmen. Das hat das Gesundheitsministerium angeordnet. Hintergrund ist ein Vorfall aus der jüngeren Vergangenheit.

Illustrationsfoto: Michal Trnka, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Anfang April war es zu einer extremen Situation gekommen: Rettungssanitäter transportierten eine Frau mit einer Vergiftung fast anderthalb Stunden von einem Krankenhaus zum anderen. In sieben Prager Kliniken wurde die Patientin abgelehnt, erst in der achten wurde sie aufgenommen und behandelt.

Die Leitungen der Krankenhäuser hatten die Frau mit dem Hinweis abgelehnt, sie hätten keine freien Kapazitäten. Für Gesundheitsminister Svatopluk Němeček ist dieses Argument inakzeptabel.

„Jede Klinik, in die ein Patient in ernstem Zustand gebracht wird, ist verpflichtet, ihn aufzunehmen und zu behandeln. Es muss dort einfach freie Kapazität geschafft werden. Der Rettungsdienst bringt den Patienten in die nächstgelegene Klinik, die diesen einfach nicht ablehnen darf.“

Zdeněk Schwarz (Foto: ČT24)
Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, hat das Gesundheitsministerium nun als Anordnung formuliert. Dies geschah vergangene Woche nach einem Treffen von Klinikdirektoren, dem Leiter des Rettungsdienstes und Vertretern des Gesundheitsministeriums.

Laut dem Direktor des Prager Rettungsdienstes, Zdeněk Schwarz, ist die Ablehnung von Patienten durch Kliniken häufige Praxis. Er sieht die wichtigste Ursache im mangelnden Willen des Klinikpersonals. Außerdem seien die Notfallstationen in den letzten Jahren reduziert worden, dabei hätten die Prager Kliniken auch noch die Betreuung von Patienten aus dem mittelböhmischen Kreis übernommen, stellt Schwarz fest.

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Die früheren Minister haben behauptet, dass es in Prag einen Überschuss an Betten auf Notfallstationen gebe. In Prag wurde reduziert, geschlossen, ohne an Ersatz zu denken. Die Praxis zeigt nun, dass die Kapazitäten nicht reichen und dass die Einsparungen ein Fehler waren.“

Schwarz begrüßt daher die jetzige Initiative des Gesundheitsministers. Er hoffe, dass sich die Krankenhausdirektoren dies zu Herzen nähmen und die Lage sich verbessere. In der Klinik Na Bulovce scheint man dazu bereit zu sein. Andrea Vrbovská leitet das Krankenhaus:

Andrea Vrbovská (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Wir werden uns bemühen, die Anordnung des Ministeriums zu erfüllen. Solche Situationen lassen sich durch den Umzug eines anderen Patienten aus der Notaufnahme auf eine andere Station lösen. Gefordert ist eine bessere Arbeitskoordination, daran müssen wir arbeiten. Dabei wird uns der Aufbau einer Notfallabteilung sehr helfen, diese steht unserer Klinik zurzeit nicht zur Verfügung.“

Eine solche Abteilung besteht in der größten Prager Klinik, in Motol. Dort warten tagsüber drei und nachts zwei Ärzte an sieben Betten auf Notfallpatienten. Chefarzt Jiří Zika lobt die Praxis:

Jiří Zika (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Bisher ist es glücklicherweise nicht passiert, dass alle sieben Betten von Patienten besetzt gewesen wären, die nicht hätten umziehen können. Wir müssen eben dann ein Bett operativ für denjenigen Patienten frei machen, der sich in einem ernsteren Zustand befindet.“

In der Zukunft soll die Abteilung in Motol auf 17 Betten erweitert werden. Auch plant das Gesundheitsministerium, den Aufbau weiterer Notfallabteilungen zu unterstützten. Außerdem will man das elektronische System für die Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Kliniken verbessern. Dieses System besteht schon seit mehr zehn Jahren, wird aber nicht von allen Kliniken genutzt.