Giftbriefserie an tschechische Politiker

Photo illustrative: Yoel Ben-Avraham, CC BY-ND 2.0 Generic

In Tschechien häufen sich in den letzten Wochen Briefe mit gefährlichem Inhalt, die an Politiker des Landes adressiert sind. Als Reaktion auf die Giftbriefe greift die Regierung nun zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen.

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Vier Umschläge mit verdächtigem Inhalt wurden in der vergangenen Woche an verschiedene Adressen in Prag geschickt. Nach gründlichen Laborproben zeigte sich, dass zwei der Briefe tatsächlich tödliche Substanzen enthielten. Radek Pokorník ist Sprecher des Staatlichen Instituts für Strahlenschutz sowie chemische und biologische Prävention:

„Die Postsendung, die am Donnerstag dem Finanzministerium zugestellt wurde, enthielt ein gefährliches Gift in tödlicher Dosis. Der Inhalt der Umschläge, die die Prager Burg und den TV-Sender Prima erreichten, war hingegen nicht toxisch.“

Milan Chovanec (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Serie der Giftbriefe begann am vergangenen Dienstag. An dem Tag bekam Innenminister Milan Chovanec anonyme Post. Der Brief enthielt zwei Glasampullen Zyankali in tödlicher Menge. Die Polizei wollte wegen der laufenden Ermittlungen keine Einzelheiten mitteilen. Sie überprüft nun, ob alle Postsendungen vom gleichen Absender stammen. Der Brief an den Innenminister wurde in Skandinavien, der an den Finanzminister in Slowenien abgeschickt. Auf die Bedrohung hat am Montag auch die Regierung reagiert und strengere Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Innenminister Chovanec:

Bohuslav Sobotka (Foto: ČTK)
„Ich werde diese nicht näher spezifizieren, um denjenigen, die an der Straftat beteiligt sind, nicht zu helfen. Wir nehmen die Sache sehr ernst und werden die Vorkehrungen noch verschärfen.“

Premier Bohuslav Sobotka hatte in der vergangenen Woche noch davor gewarnt, die Lage zu überschätzen. Die Sicherheitslage in Tschechien sei nicht bedroht, so Sobotka.

Seit einigen Jahren gibt es in Tschechien immer wieder vereinzelte Fälle von verdächtigen Briefen an Behörden und Politiker. So erhielt zum Beispiel 2004 der damalige Premier Vladimír Špidla einen Umschlag mit Pulver, das als Anthrax deklariert worden war. Später stellte es sich als harmlos heraus. Im September dieses Jahres tauchten verdächtige Briefe an Staatspräsident Miloš Zeman und weitere Behörden auf. Sie enthielten weißes Pulver, das sich ebenfalls als ungefährlich erwies. Die Zustellungen der vergangenen Woche enthalten nun zum ersten Mal giftige Substanzen.